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Von Jägern und Wölfen
Kino Waldhorn

Von Jägern und Wölfen

Ein neuer Dokumentarfilm führte am Montagabend im Kino Waldhorn zu einer lebhaften Debatte zwischen Befürwortern und Gegnern des Jagens.

17.05.2018
  • Dunja Bernhard

Der Film „Auf der Jagd: Wem gehört die Natur?“ von Alice Agneskirchner beleuchtet das Für und Wider der Jagd nach vorgegebenen Abschusszahlen. Die Dokumentarfilmerin stellt klischeehafte und zugleich wunderschöne Natur-Bilder abschreckenden Szenen aus dem Schlachthaus gegenüber. Sie lässt Jäger, Förster, Landwirte, eine jagende Wildbiologin und eine Wolfsbeauftragte zu Wort kommen.

Seit 200.000 Jahren jagt der Mensch, der Wolf seit zwei Millionen Jahren. Schmatzend und sich gegen Rivalen verteidigend frisst der Wolf das Reh, während der Jäger philosophiert, dass die Leber des Wildschweins am besten mit Apfelringen und Zwiebeln schmeckt. Es fallen Statements wie „Wildtiere gehören allen“, „Jagd ist Raubbau“ und „Erlegen ist eine große Verantwortung“. Amerikanische Ureinwohnerinnen rufen den Elch, um ihn zu erlegen. Sie sind überzeugt, dass er ihnen sein Leben schenkt, damit sie etwas zu essen haben.

Wildtiere werden in Deutschland dort geduldet, wo sie sich den Nutzungsinteressen anpassen, heißt es im Film. Der Wolf ist ein Konkurrent des Jägers, besonders wenn eine Pacht an Wert verliert, weil der Wolf das Schalenwild vertrieben hat.

Das Rottenburger Waldhorn-Kino zeigte den brandneuen 100-Minuten-Film am Montagabend in Kooperation mit der Forsthochschule. An die mit 140 Besuchern ausverkaufte Vorstellung schloss sich eine Diskussion mit Rektor Prof. Bastian Kaiser und dem Wildökologen und Jäger Prof. Thorsten Beimgraben an.

Die Zuschauerin Tina Schrader wollte wissen: „Was empfindet ein Jäger, wenn er weiß: Gleich lebt das Tier nicht mehr?“ Beimgraben antwortete: Vor allem das Bestreben, es richtig zu machen. „Jagd ist Handwerk.“ Auf das Jagen könne nicht verzichtet werden.

Nur wer gänzlich auf Fleisch verzichte, könne legitimerweise auch gegen das Jagen sein, sagte ein Zuschauer. Tiere zu erlegen, um sich zu ernähren, sei nun mal ein uralter, menschlicher Trieb. Kaiser fragte, warum Jäger stets meinten, sich rechtfertigen zu müssen. Ein bekennender Vegetarier sagte dazu: „Ich kann meinem Sexualtrieb auch nicht ungehindert nachgehen.“ Der Jäger muss das Recht zu jagen, erst erwerben, konterte Kaiser.

Florian Ellsässer ist seit 14 Jahren Vegetarier – und hat trotzdem einen Jagdschein. Es gebe keine natürliche Regulierung des Wildtierbestands mehr. Die Jagd diene dem Schutz der Tiere. Nur so könnten kranke und geschwächte Tiere ausgeschaltet werden.

Das Thema „Wolf“ ist just seit dem „Tag des Wolfs“ am 30. April in Baden-Württemberg hoch aktuell. Da riss ein Wolf bei Bad Wildbad rund ein Dutzend Schafe, weitere 32 starben in der Panik. Der Herdenbesitzer sei schon vorher ein entschiedener Gegner des Nationalparks gewesen, erzählte Kaiser. Weil er genau solche Attacken befürchtet hatte.

Muss man das Wildtier oder das Nutztier schützen? Für Beimgraben ist dies „ein interessanter Konflikt“. Als der Luchs sich im Schwarzwald ansiedelte, sei das ein Riesenthema gewesen. Doch um den Luchs sei es in letzter Zeit ruhig geworden. „Der Wolf hat mit der Pfote auf den Tisch gehauen und Tabula rasa gemacht.“ Es sei nur eine Frage der Zeit, bis er eine Partnerin finde. Wenn sich ein Rudel bilde, sei er gespannt, ob die Gesellschaft das aushält.

Schafe spielten eine große Rolle bei der Landschaftspflege im Schwarzwald. „Will man die Schäfer halten, dann muss man sie massiv unterstützen“, forderte Beimgarten. Sonst werde die Schafhaltung unattraktiv. Bei Entschädigungen und der Anschaffung von Schutzmaßnahmen seien die östlichen Länder schon weiter, berichtete Kaiser

.

Eine Zuhörerin meinte: „Wir leben hier und der Wolf lebt hier.“ Man müsse wieder lernen, damit umzugehen. Der Wolf breitete sich von Polen kommend in Deutschland aus, seit er in Ostdeutschland nicht mehr bejagt werden darf.

Der Schutzstatus für den Wolf ist europaweit festgelegt. Eine Aufnahme des Wolfs ins deutsche Jagdgesetz könnte daran nichts ändern, sagte Beimgraben. Es sind aber auch jetzt schon Ausnahme-Genehmigungen möglich, um einzelne problematische Tiere abzuschießen.

Erlegte Wildtiere, geschlachtete Nutztiere

In Deutschland gibt es 380.000 Jäger, von denen 1000 Berufsjäger sind.

Jährlich werden rund 1,2 Millionen Rehe, 610.000 Wildschweine, 460.000 Füchse, 80.000 Hirsche und Hirschkühe, sowie 5000 Gamsen erlegt.

Für die Fleischproduktion werden 60 Millionen Schweine, 630 Millionen Hühner, 3,5 Millionen Rinder geschlachtet.

Von 150 toten Wölfen in den vergangenen 15 Jahren wurden 100 Tiere überfahren und 24 erschossen. In Ostdeutschland soll es 60 Wolfsrudel und 13Wolfspaare geben. Jungtiere eines Rudels müssen abwandern oder sie werden totgebissen.

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17.05.2018, 01:00 Uhr
Von Jägern und Wölfen





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