Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Fasching

Von Helau bis Narri Narro

Rund 140?000 Zuschauer verfolgen den großen Umzug durch Stuttgart. Beim dem werden Brauchtum, Karneval und Fasnet wild gemischt.

14.02.2018

Von RAINER LANG

Bei kaltem, aber sonnigen Wetter machten die Narren die City am Dienstag zum Laufsteg. Foto: Ferdinando Iannone

Stuttgart. Ob sie ein Kobold sei, werde sie oft von Kindern gefragt, erzählt Elke Reichersdörfer lachend. Am Dienstagnachmittag war sie ganz in ihrem Element. Mit furchterregender Maske vor dem Gesicht trieb sie beim Faschingsumzug durch die City mit den Stuttgarter Hutzelmännlein ihr Unwesen. Die Brauchtumsgruppe gehört zur „Zigeunerinsel“, die sich als größte Stuttgarter Karnevalsgesellschaft mit zahlreichen Mitgliedern an dem Umzug beteiligte. 50 Gruppen aus dem ganzen Land nahmen teil, rund 140?000 Zuschauer verfolgten nach Veranstalterangaben das Geschehen.

Schon vor dem Start waren die Narren in Hochstimmung. Es herrschten angenehme Temperaturen, der Himmel war strahlend blau und die Sonne schien. Welch ein Kontrast zum Dauerregen im Vorjahr. Mit dem guten Wetter um die Wette strahlte Organisator Thomas Klingenberg, der die Teilnehmer launig auf den „Konfettialarm“ vor dem Neuen Schloss einstimmte, weil auf diesem Abschnitt der Umzugsstrecke ein Konfettiverbot galt.

Der Präsident der Karnevalsgesellschaft Möbelwagen zeigte sich hochzufrieden. Er erzählte, dass er für die 1. Stuttgarter Karnevalsgesellschaft eine gute Tonne „Wurfmaterial“ besorgt habe, beschwichtigte aber: „Das sind ganz normale Bonbons.“

Nur kurzzeitig wurde Klingenbergs Stimmung getrübt: Kurz bevor sich der Zug um 14 Uhr in der Tübinger Straße in Bewegung setzte, ärgerte er sich über die immer strengeren Kontrollen, wie er sagte. Dort hatte die Polizei eines der Zugfahrzeuge seiner Gesellschaft aus dem Verkehr gezogen. Glücklicherweise konnte Ersatz beschafft werden und der Umzug wie geplant starten.

Als Repräsentant der Stadt winkte Bürgermeister Michael Föll aus einer Kutsche. OB Fritz Kuhn hatte zwar am Rosenmontag noch ausgelassen mit den Narren im Rathaus getanzt und am Vormittag den Küblern in Bad Cannstatt einen Besuch abgestattet, aber für den Umzug genauso wie im Jahr zuvor aus Termingründen abgesagt. Der Stimmung tat dies jedoch keinen Abbruch.

Publikum zurückhaltend

Spielmannszüge, Tanzgarden, Prinzessinnen und Prinzen, Hexen und Waldschrate wälzten sich wie ein langer Lindwurm quer durch die Innenstadt. Gesäumt wurde der Weg von vielen Familien mit kleinen Kindern. Auf dem Schlossplatz standen die Zuschauer besonders dicht, weshalb der Zug dort immer wieder ins Stocken geriet. Die Hexen versuchten stets, das etwas zurückhaltende Publikum zum Mitmachen zu animieren, malten Gesichter an oder bewarfen das Publikum mit Konfetti. Das machte der sechs Jahre alten Dora dann doch etwas Angst, die ganz fest die Hand ihres Vaters Ricardo Camillo umklammerte.

Besonders die „Mihlaleidla“ aus Unterensingen mit Totenköpfen und schwarzem Gewand wirkten furchterregend. Aus Ditzingen waren die Glemshexen, aus Donzdorf die Waldschrate, aus Heidenheim die Felsenhexen und aus Empfingen die Weilerhexen gekommen.

Ihren Spaß hatten auch Benni Lembke und Lukas Breitweg aus Leinfelden, die mit ihren Müttern schon seit Jahren zum Umzug kommen. Rund 60 Kinder von Stuttgarter Schulen waren vor allem mit dem Aufsammeln der Bonbons beschäftigt. Moritz Herbrik von der Jugend- und Familienhilfe der Caritas in Bad Cannstatt feierte mit seinen Schützlingen. Der 31-Jährige hatte sich als Dino verkleidet. „Ich wollte mit gutem Beispiel vorangehen.“

Vom Helau bis zum Narri Narro ging es wild durcheinander mit den Narrenrufen. Für Anita Rösslein, Präsidentin des Festkomitees Stuttgarter Karneval, ist das ein Zeichen dafür, dass „in Stuttgart Brauchtum und Fasnet sowie der Karneval zusammengehören“. Sie konnte am Ende aufatmen, da die Polizei keine besonderen Vorkommnisse vermeldete. Beim Fest auf dem Karlsplatz ließ sie den Fasching ausklingen.

Politische Botschaften gab es in Stuttgart übrigens keine. Einzig die Organisation Peta nutzte die Teilnahme am Zug, um ihren Protest gegen Tiere in Zoo und Zirkus auszudrücken.

Zum Artikel

Erstellt:
14. Februar 2018, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
14. Februar 2018, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 14. Februar 2018, 06:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen?
Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung.
Das Tagblatt bei Whatsapp & Co.
Wir liefern die wichtigsten Neuigkeiten aus der Region immer aktuell aufs Smartphone: per Whatsapp & Co.

Um diesen Service zu nutzen, öffnen Sie tagblatt.de/whatsapp  mit einem entsprechenden Mobilgerät.

Newsletter

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder als Benutzer kostenlos neu registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter verwendet - nur falls Sie auch weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese.
Das Tagblatt in den Sozialen Netzen

Faceboook      Instagram      Twitter           Google+      Google+      Google+