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Von Flößerei bis Morsetelegrafie
Kulturerbe: Schiltacher Flößer auf der Kinzig. Foto: Deutsche Flößerei-Vereinigung
Unesco entscheidet über immaterielles Kulturerbe

Von Flößerei bis Morsetelegrafie

Auch lebendige Traditionen können Kulturerbe werden. In dieser Woche werden neue Kandidaten in das Verzeichnis aufgenommen.

01.12.2015
  • PAULA KONERSMANN, KNA

Bonn. . Ein Orgelbauer prüft behutsam die Pfeifen, bis das Instrument richtig klingt. Eine Großmutter erzählt ihren Enkeln die Sage des Rattenfängers von Hameln. 2500 Menschen stehen in Oberammergau auf der Bühne, um die Passionsgeschichte zu neuem Leben zu erwecken. Alle drei Episoden haben eins gemeinsam: Sie zeigen die Bandbreite gelebter Kultur in Deutschland - und sind immaterielles Weltkulturerbe. Am Freitag entscheidet die Deutsche Unesco-Kommission (DUK) über die Aufnahme von weiteren Traditionen und Initiativen, die sich 2015 beworben haben.

Das bundesweite Verzeichnis umfasst bislang 27 Traditionen. Die Ausdrucksformen reichen vom Brotbacken über die Morsetelegrafie bis zur Flößerei. Die Liste solle "die Realität der in Deutschland lebenden Menschen abbilden", betont der Vorsitzende des DUK-Expertenkomitees, Christoph Wulf.

Weltweit fördert die Unesco seit zwölf Jahren den Erhalt von Alltagskulturen und -traditionen. In den drei weltweiten Listen gab es im vergangenen Jahr 38 Aufnahmen. Über neue Kandidaten für diese weltweite Liste entscheidet die Unesco bereits ab heute im namibischen Windhoek. Dem zuständigen Zwischenstaatlichen Ausschuss liegen 42 Anträge zu überliefertem Wissen und Können aus aller Welt vor. Dazu zählen traditionelle Tänze aus Bali, Marmorbildhauerkunst auf der griechischen Insel Tinos oder die Feuerfeste zur Sommersonnenwende in den Pyrenäen.

Die Idee, neben berühmten Welterbestätten wie dem Kölner Dom, der Wartburg oder dem Kloster Corvey auch immaterielle kulturelle Traditionen zu würdigen, kommt aus dem asiatischen Raum. "Das gebaute Erbe hat dort einen geringeren Stellenwert als bei uns", erklärt der DUK-Referent Benjamin Hanke. "Wenn ein asiatischer Tempel abgerissen und neu aufgebaut wird, ändert das nichts an seinem spirituellen Wert." Zudem könnten auch Bauwerke nicht ohne handwerkliche Kenntnisse entstehen. "Und die spirituelle Dimension des Kölner Doms ist ja mindestens genauso wichtig wie die bauliche."

Aus diesen Überlegungen entstand bereits um die Jahrtausendwende die Idee, nicht-dingliche Ausdrucksformen der Kultur zu würdigen und ihren Erhalt zu fördern. 2003 verabschiedete die Unesco das Übereinkommen zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes; inzwischen sind der Konvention mehr als 160 Staaten beigetreten. Deutschland ist erst seit 2013 dabei. Hier werde, so die DUK, noch debattiert, was lebendige Kultur ausmache - und diese Debatte könne durchaus noch breiter geführt werden.

Denn nicht nur Althergebrachtes kann immaterielles Kulturerbe der Menschheit werden: Ein Beispiel für moderne Kulturgüter ist das Poetenduell "Tsiattista" aus Zypern, vergleichbar mit den hiesigen Poetry Slams. Bekanntere Traditionen auf der weltweiten Unesco-Liste sind Tango oder Caporeia, die Peking-Oper oder das Kunsthandwerk des japanischen Büttenpapiers Washi. Ziel sei es auch, Abseitigeres einem breiten Publikum zugänglich zu machen, sagt Hanke. "Bauwerke bleiben, aber wenn der einzige Mensch verstirbt, der noch einen speziellen Tanz beherrschte, dann verschwindet gleich eine ganze Tradition."

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01.12.2015, 08:30 Uhr
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