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Luftreinhalteplan bremst Pendler

Von April an langsamer durch den Schlossbergtunnel

Die Tübinger Luft ist alles andere als gut: In ihr ist zu viel Feinstaub und vor allem zu viel Stickstoffdioxid. Das Regierungspräsidium stellte gestern vor, was es dagegen tut. Jetzt und in der Zukunft.

24.03.2012

Von sabine lohr

Tübingen. Langsamer fahren, teurer parken und schadstoffreiche Fahrzeuge aus bestimmten Stadtgebieten verbannen – das sind die wesentlichen Inhalte des Luftreinhalteplans, die teilweise schon umgesetzt wurden. Autos mit roter Umweltplakette sind in entsprechend ausgeschilderten Stadtgebieten nicht mehr erlaubt. Und in zwei Wochen gelten Tempo 30 statt 50 durch Unterjesingen und rund um den Botanischen Garten sowie Tempo 50 statt 60 im Schlossbergtunnel.

Dass das alles nicht reicht, um die von der Europäischen Union festgesetzten Grenzwerte für Feinstaub und Stickstoffdioxid zu erreichen, ist im Regierungspräsidium klar: „Luftreinhaltung ist eine Daueraufgabe“, sagte Regierungspräsident Hermann Strampfer gestern bei einem Pressegespräch. Zu dem war auch Staatssekretärin Gisela Splett gekommen, die bemängelte, dass es in Tübingen und in Reutlingen „nach wie vor hohe Messwerte“ gibt. Sie setzt darauf, dass die Autobauer Fortschritte in Sachen Umweltschutz machen. Noch umweltverträglicher sollen die Autos werden, noch weniger Feinstaub und Stickstoffdioxid auspusten.

Und sie setzt auf verstärkte Kontrollen in den Umweltzonen. Zwar schaut die Polizei, wenn sie einen Autofahrer in einer solchen Zone anhält, auch darauf, welche Plakette auf der Windschutzscheibe klebt, doch bei parkenden Autos wird nach wie vor nicht kontrolliert. Zuständig für solche Kontrollen ist die Stadt. Doch weder in Tübingen noch in Reutlingen klemmen die Büttel Knöllchen hinter die Scheibenwischer, wenn auf der Scheibe die rote Plakette klebt.

Regionalbahn senkt Luftverschmutzung

Der Grund: Nicht der Autohalter, sondern der Autofahrer wird belangt. Und wer letzterer ist, kann nur festgestellt werden, wenn er gerade ein- oder aussteigt. „Wir hatten 2011 eine zweistellige Einnahme aus den Umweltzonen“, sagt Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer, „das hilft der Stadtkasse nichts.“

Ebenso wenig, wie seiner Ansicht nach der Luftreinhalteplan nichts hilft. „Brauchen wir weitergehende Maßnahmen? Ja“, sagte er. Als solche nannte er die Nachrüstung der Busse der Deutschen Bahn mit Schadstoff-Filtern. Die städtischen Busse seien alle freiwillig umgerüstet worden, die der Bahn immer noch „dreckig“. Und weil auch die so genannte Hintergrundbelastung, also die Luftverschmutzung abseits der viel befahrenen Straßen, gesenkt werden müsse, brauche man die Regionalstadtbahn. Zudem müsste es Bürgertickets für Bahnen geben, damit mehr Leute umsteigen. „Wir brauchen eine Verkehrswende“, forderte er. Und räumte ein, dass die „gesetzlich nicht möglich und nicht finanzierbar“ sei.

Das Regierungspräsidium geht kleinere Schritte, als Palmer es gerne hätte. Es prüft nun, wohin die Umweltzonen ausgeweitet werden und ob auch Bundesstraßen Umweltzonen werden können. Auch die Sperrung der Eber hardsbrücke für den Individualverkehr ist immer noch ein Thema. Bei dem ist nun die Stadt am Zug. Sie soll, so Regierungspräsident Hermann Strampfer, bald ein neues Verkehrskonzept vorlegen. „Das gebe ich gerne an den Gemeinderat weiter“, sagte Boris Palmer.

Der Stadtgraben gehört zu den Straßen, auf denen ab April nur noch 30 Stundenkilometer schnell gefahren werden darf. Das schreibt der neue Luftreinhalteplan vor, der gestern im Regierungspräsidium vorgestellt wurde. Bild: Sommer

Die Messwerte aus Unterjesingen, der Mühlstraße und Derendingen zeigen die Belastung mit dem Reizgas (in Mikrogramm pro Kubikmeter). Die rote Linie ist der Grenzwert.

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Erstellt:
24. März 2012, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
24. März 2012, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 24. März 2012, 12:00 Uhr

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