Tübingen

„Übrigens“: Vom Wert des Gebens und Nehmens

Lisa Maria Sporrer dankt den Spenderinnen und Spendern.

11.02.2022

Von Lisa Maria Sporrer

Glaube, Liebe, Hoffnung – aber da gibt es noch so viel mehr. So viele Emotionen, die uns beschäftigen, mit denen wir umgehen müssen. Die uns glücklich machen, die uns belasten, mit denen wir manchmal nicht umgehen können. Die wir uns nicht eingestehen. Die wir noch lernen müssen. An denen wir auch zerbrechen können. Wut. Angst. Ärger. Freude. Trauer. Ekel. Wir alle haben sie. Aber sie laufen nur so mit in unserem Alltag. Weil wir funktionieren müssen. Weil es nicht nur um uns gehen darf. Weil wir etwas wollen vom Leben, von anderen Menschen, Ziele verwirklichen und da eben auch strategisch vorgehen müssen.

Es sind diese Emotionen, die etwas mit uns machen. Im Kleinen und im Großen. Denen wir Raum geben müssen, Beachtung schenken. Die wir ernst nehmen müssen. Die Arbeit von Tima nimmt das ernst. Und sie fängt nicht nur diejenigen auf, die durch sexuelle Missbrauchserfahrungen dringend jemanden brauchen, der ihnen auch bei der Auseinandersetzung mit den eigenen Emotionen hilft. Die Beratungsstelle für Mädchen setzt bei Kindern und Jugendlichen mit Präventionsarbeit schon früh an. Hilft ihnen, eigene Körperbilder zu entwickeln, spricht mit ihnen darüber, dass man Grenzen setzen darf und auch muss – auch bei den eigenen Gefühlen.

Auch psychische Erkrankungen sind ein Thema, über das noch zu wenig geredet wird. Noch immer sprechen Betroffene von Stigmatisierung. Auch hinter solchen Erkrankung stehen oft Emotionen, die nicht mehr zu bewältigen waren. Die einen aus der Bahn geworfen haben. Die das Problem noch verstärkt haben. Wir brauchen dann Hilfe, von Freunden, Familie, Therapeuten, um wieder ins Gleichgewicht zu kommen. Hilfe ist dabei das Stichwort, und die kann auf ganz unterschiedliche Weise geleistet werden. Auch nur das Hinsehen auf etwas kann Hilfe sein. Akzeptanz, die sagt, ich sehe dich in deinen Problemen, und es ist okay wie es ist. Das haben die Menschen in der Gärtnerei des Vereins für Sozialpsychiatrie so empfunden, als sie merkten, dass sich die Kreisbewohner für sie interessieren. Dass sie sogar Geld spenden, damit sie die Gelegenheit bekommen, dort gut weiterarbeiten zu können und mit dieser Tagesstruktur Hilfe für ihre Probleme zu bekommen. Es war allein dieses Gefühl zu wissen, man wird nicht alleingelassen, eine riesige Hilfe, sagte eine Betroffene.

Das ist der Dank an all die zahlreichen Spenderinnen und Spender der diesjährigen TAGBLATT-Weihnachtsspendenaktion: Das Geld bietet den Projekten die Möglichkeit, die Strukturen für ihre Hilfsangebote aufrechtzuerhalten oder auszubauen. Hinter den Strukturen aber stehen Menschen. Und denen geht es nicht ums Geld. Es ist egal, wie hoch die gespendete Summe war, ob jemand 10 Euro gegeben hat, oder 1000 Euro, jeder, wie er es kann und will, nicht das kam bei den Betroffenen an. Der Dank an die zahlreichen Spenderinnen und Spender ist: hingeschaut zu haben. Mit der Spende auch Akzeptanz ausgedrückt zu haben. Das hat die Betroffenen sehr bewegt, und das hat auch die Verantwortlichen sehr gefreut. Vom VSP und von Tima. Denn auch die Präventionsarbeit für junge Menschen ist so enorm wichtig.

Vielleicht könnten wir auch außerhalb von Spendenaktionen an diese kleinen Hilfestellungen denken, die so viel bewirken können – besonders bei denen, die Hilfe benötigen. Hinschauen auf das, was die Menschen bewegt. Und was uns bewegt. Emotionen auch zulassen und versuchen, sich damit reflektiert auseinanderzusetzen. Vielleicht gelingt es uns so besser, gut miteinander umzugehen.

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Erstellt:
11.02.2022, 01:00 Uhr
Lesedauer: ca. 2min 46sec
zuletzt aktualisiert: 11.02.2022, 01:00 Uhr

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