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Vom Privileg,
fliegen zu dürfen
Skifliegen in Perfektion: Die Körperspannung und Flugkontrolle in dieser Position bis zur Landung zu behalten, das können nur ganz Wenige auf der Welt wie hier Andreas Wellinger. Foto: Eibner
Wintersport

Vom Privileg, fliegen zu dürfen

Für die deutschen Skispringer gibt es in der kommenden Saison gleich drei Höhepunkte: Vierschanzentournee, Skiflug-WM und Olympia.

16.11.2017
  • MANUELA HARANT

Ulm. Dass die Skispringer in der nordischen Wintersport-Saison den Anfang machen, das gibt es nicht alle Jahre. Aber diesmal ist der Terminplan auch wirklich dicht gedrängt: Neben den Einzel- und Teamweltcups ist heuer nicht nur die Vierschanzentournee als alljährlicher Saisonhöhepunkt unterzubringen. Diesmal fallen wieder die Skiflug-Weltmeisterschaft im Januar sowie die Olympischen Winterspiele im Februar auf die Zeit zwischen November 2017 und März 2018. Man könnte fast befürchten, es wird eine Skisprung-lastiger Winter, bei dem der eine oder andere Sportler – oder auch Fan – überfordert wird.

Das deutsche Team sieht das anders, zumal neben den Tournee-Orten Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen auch die Skiflug-WM wieder einmal in Deutschland Station macht. „Das ist eine Ausnahmestellung, ein Privileg, das wir genießen dürfen“, findet Andreas Wellinger, der auf der umgebauten Heini-Klopfer-Schanze in Oberstorf den Weitenrekord hält. Dass dabei aus deutscher Sicht nach dem Ausfall von Severin Freund (Kreuzbandriss) nun das ganze Interesse auf den zweifachen WM-Silbermedaillengewinner von Lahti gerichtet ist, will Wellinger ebenfalls in positive Energie ummünzen: „Auch das sehe ich als Privileg: Dass ich hier stehen darf und das Interesse so groß ist. Das ist cool für mich, für unseren Sport und für alle, die das Fliegen lieben.“

Denn darum geht es für den inzwischen 22-jährigen Skispringer: Mit einem positiven Fluggefühl die Rekordweiten „einfach so“ purzeln zu lassen. Das könne man aber nicht trainieren, man könne höchstens die Grundlagen dafür mit einer guten Form legen. Der Rest muss passieren: „Skispringen ist so sensibel. Es sind Hundertstelsekunden, die entscheiden – auf die kann man nicht hintrainieren“, erklärt Wellinger damit unter anderem auch den Totalausfall des „Wunderkindes“ Domen Prevc (inzwischen 18), der vergangenen Winter zunächst alle in Grund und Boden sprang, dann aber wohl sein Fluggefühl verlor und in dieser Saison vorerst nicht einmal im Weltcup-Aufgebot der Slowenen steht.

Deshalb setzt Andreas Wellinger – trotz der späten Medaillenentscheidungen im Januar und Februar – auf Konstanz: „Ich möchte nicht erst von Mitte Januar bis Ende März auf hohem Niveau springen, sondern von Mitte November bis Ende März“, sagt der Ruhpoldinger, dem auch Bundestrainer Werner Schuster eine positive Entwicklung seit seinen jüngsten Erfolgen im vergangenen Winter mit Platz vier im Gesamtweltcup bescheinigt. „Er hat sich persönlich entwickelt – und auch körperlich“, sagt Schuster. „Er steht kompakter da, wenn man die Kraftwerte sieht. Und sein Zugang zum Sport, der ist noch professioneller geworden.“ Beste Voraussetzungen also, um in der neuen Saison wieder in den Top Ten mitzumischen.

Siegel kehrt zurück

Das wird weiterhin auch dem Oberbayern Markus Eisenbichler zugetraut sowie dem sächsischen Dauerbrenner Richard Freitag. Dahinter genießen der im Schwarzwald trainierende Stephan Leyhe, der Oberstdorfer Karl Geiger sowie der im Continental-Cup erfolgreiche Pius Paschke aus Kiefersfelden das Vertrauen des Bundestrainers. Den Kampf um den siebten Platz im Team hat David Siegel aus Baiersbronn gegen Routinier Andreas Wank (Hinterzarten) gewonnen. Nach einer langen Leidenszeit, die mit einer Sprunggelenks-Operation im Frühjahr endete, wäre der 21-Jährige schon froh, zumindest bei einem der drei Saison-Höhepunkte dabei zu sein: „Auf der Schanze klappt noch nicht alles, doch ich freue mich auf die Wettkämpfe. Eine Chance, die ich auf jeden Fall nutzen möchte.“

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16.11.2017, 06:00 Uhr
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