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Vom Pechvogel zum Silber-Gewinner
Ausgelassene Freunde nach dem Zieleinlauf: Die Mannschaftskameraden ließen Simon Schempp hochleben. Foto: Franck Fife/afp
Biathlon

Vom Pechvogel zum Silber-Gewinner

Im letzten Einzelrennen muss sich Simon Schempp nur Martin Fourcade geschlagen geben. Den Olympiasieg im Massenstart verpasste er um 14 Zentimeter.

19.02.2018
  • MANUELA HARANT

Pyeongchang. Simon Schempp ist einer, der es offenbar gerne spannend macht. Erst wollte ihm krankheitsbedingt eine WM-Medaille lange nicht vergönnt sein. Dann, im letzten Rennen bei der Weltmeisterschaft in Hochfilzen sicherte sich der damals 28-Jährige Gold – im Massenstart. Doch bei Olympia hatte der Schwabe bis gestern auch noch nichts geholt. Bis kurz vor dem Abflug war Schempps Teilnahme wegen Rückenproblemen offen. Letztlich schaffte er es nach Pyeongchang. Der Pechvogel der Saison schrammte in Sprint und Verfolgung erneut an den Medaillenrängen vorbei, und nach seinem 36. Rang im Einzelrennen glaubte kaum noch jemand an einen Olympia-Coup.

Doch einen Simon Schempp muss man immer bis zum letzten Meter im letzten Rennen auf der Rechnung haben. Das bekam auch Martin Fourcade zu spüren, als er mit einem Hauch Vorsprung im Massenstart Olympiasieger wurde – vor jenem Simon Schempp, der lief, als hätte es die Probleme im Vorfeld nie gegeben. Ein Simon Schempp, der im Getümmel der 30 gleichzeitig startenden Biathleten Übersicht und Nerven bewahrte und letztlich als einziger dem erfolgreichsten Olympioniken Frankreichs bis zum Schluss Paroli bieten konnte.

Ein Märchen wäre nun mit einem Olympiasieg des Biathleten von der Ski-Zunft Uhingen ausgegangen. Und selbst Fourcade dachte, er sei wie in Sotschi 2014 auf den letzten Metern geschlagen worden. Entsprechend wütend schlug der Franzose in den Schnee. Doch das Zielfoto sagte etwas anderes: 18 Tausendstel früher überquerte der Franzose die Ziellinie als Simon Schempp – umgerechnet sind das 14 Zentimeter. „Erstmal dachte ich ,Shit', weil es einfach so knapp war“, gab Schempp später Einblicke in sein Gefühlsleben: „Aber im zweiten Moment ist mir dann bewusst geworden: Das ist meine erste Medaille in einem olympischen Einzelwettkampf, und ich bin wirklich total glücklich mit Silber.“

Dass er der Mann für die großen Dramen im deutschen Biathlon-Team ist, das weiß der Massenstart-Weltmeister inzwischen auch: „Irgendwie muss ich immer bis zur letzten Einzelentscheidung warten, aber das macht es umso schöner“, meinte Schempp, dem gestern noch gar nicht bewusst war, welch historisch spannendes Rennen er da den deutschen Zuschauern auf die Bildschirme in den heimischen Wohnzimmern geliefert hatte.

In dem Wettbewerb, den bislang Michael Greis 2006 in Turin als einziger Deutscher gewinnen konnte, waren nach zwei Schießeinlagen noch 20 der insgesamt 30 Läufer fast gleichauf. Immer vorne dabei: Ein deutsches Trio aus Schempp, Erik Lesser und dem Schwarzwälder Benedikt Doll. Letzterer musste nach einem Fehler im dritten Schießen etwas abreißen lassen, doch dann versagten den Topleuten die Nerven: In der letzten Einlage schossen erst Schempp und Lesser daneben, dann Fourcade. Weil Lesser noch einmal nicht traf, musste er die Spitze ziehen lassen.

Taktik im Zielsprint

Der Uhinger und der Franzose gingen auf ihre legendäre Schlussrunde. Schempp wählte auf der Zielgeraden bewusst spät seine Spur („weil er sonst auch rübergezogen wäre“), griff Fourcade aus dem Windschatten heraus an und schob den Skischuh nach vorne – mit bekanntem Rückstand. „Wär's noch fünf Meter weitergegangen, hätte es vielleicht gereicht“, meinte Schempp. Doch all das wird den Uhinger heute Abend schon nicht mehr ärgern, wenn er seine lang ersehnte Medaille überreicht bekommt. Deshalb betonte Schempp gestern schon: „Ich habe nicht Gold verloren, sondern Silber gewonnen.“ Unter den schwierigen Umständen erst recht.

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19.02.2018, 06:00 Uhr
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