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„Ich interessiere mich für ein gutes Leben, nicht für ein langes“, sagte Christine Kaufmann einst in einem Interview. Foto: Imago




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29.03.2017

Von GUDRUN SOKOL

München. Als „Rosen-Resli“ wurde Christine Kaufmann 1954 schon mit neun Jahren zum Kinderstar. Im US-Film „Stadt ohne Mitleid“ (1961) spielte sie als 15-Jährige an der Seite von Kirk Douglas. Dafür bekam sie den Golden Globe als beste Nachwuchsdarstellerin. In Hollywood machte sie in den 60ern vor allem als Ehefrau des 20 Jahre älteren Tony Curtis von sich reden, bekam mit ihm zwei Kinder. Die Ehe scheiterte, Kaufmann kehrte zurück nach Deutschland. In ihrem letzten Film „Stille“ 2013 von Xaver Schwarzenberger spielte sie nur noch eine kleine Rolle. Tatsächlich ist es zuletzt still geworden um Christine Kaufmann. In der Nacht zum Dienstag ist die Künstlerin an Leukämie gestorben.

Töchter wuchsen beim Vater auf

Ihre letzten Tage hatte die 72-Jährige im Koma in einer Münchner Klinik verbracht. Ihre Töchter Allegra (50) und Alexandra (52) waren aus den USA angereist, um an der Seite ihrer Mutter zu sein. Dabei waren sie es, die Christine Kaufmann in jungen Jahren großen Kummer bereiteten. Wuchsen die Schwestern doch gegen den Willen ihrer Mutter beim berühmten Vater in Hollywood auf. Als die Ehe 1968 nach nur fünf Jahren geschieden wurde, nahm sie ihre Töchter zwar mit nach Deutschland, doch die Mädchen landeten nach einem erbitterten Sorgerechtsstreit wieder in Los Angeles. Selbst von Entführung war damals die Rede.

„Es ist eine Wunde, mit der man zu leben lernt“, sagte Kaufmann 2013 als Studiogast in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY?.?.?.“ zum Thema „Vermisste Kinder“. Umso mehr genoss sie ihre Rolle als Großmutter: „Enkel sind die Belohnung dafür, dass man die eigenen Kinder ausgehalten hat.“

Beruflich gelang Kaufmann nach ihrer Rückkehr aus den USA ein Comeback: Sie war in TV-Serien wie „Der Kommissar“ und „Derrick“ zu sehen, glänzte in der bayerischen TV-Kultserie „Monaco Franze“ und gewann mit namhaften Regisseuren des neuen deutschen Films Profil. Sie spielte in Werner-Schroeter-Filmen und drehte 1981 mit Rainer Werner Fassbinder „Lola“ und „Lili Marleen“.

1974 und noch einmal 1999, mit Mitte 50, posierte Christine Kaufmann nackt für den „Playboy“, was ihr den Titel „schönste Großmutter Deutschlands“ einbrachte. Überhaupt spielte gutes Aussehen auch in ihrem Leben jenseits der 50 eine große Rolle. Von Botox und Lifting halte sie wenig, ließ sie mit fast 70 den „Focus“ wissen. „Gewisse Fältchen sind wichtig, sie verleihen Patina.“ Dennoch: „Ich glaube, dass 90 Prozent der Alterserscheinungen mit Nachlässigkeit mit sich selbst zu tun haben.“

Aussagen, die auch von Geschäftstüchtigkeit geprägt waren. Hatte die bis zuletzt außergewöhnlich frisch und jung wirkende Schauspielerin doch jahrelang in diversen Teleshopping-Sendern ihre eigene Kosmetik- und Wellness-Produktreihe präsentiert. Das habe sie gemacht, um von der Schauspielerei unabhängig zu sein, rechtfertigte sich Kaufmann später gegenüber der Zeitschrift „Bunte“. „Es hat mir sehr viel Geld gebracht.“ Allerdings sei davon wenig übrig. „Dafür ist es zu schnell verdient und zu schnell ausgegeben gewesen.“

Finanziell zu kämpfen hatten auch Christine Kaufmanns Töchter. Nach dem Tod ihres Vaters 2010 kam es zum erbitterten Streit um das Erbe der mit 85 Jahren verstorbenen Hollywood-Legende. Den Großteil des auf 60 Millionen Dollar geschätzten Vermögens bekam laut „Bunte“ Tony Curtis‘ letzte Ehefrau Jill; seine Töchter hatte er enterbt.

Mit dem Erbe ihrer Mutter dürften die es leichter haben. Schließlich lebte Kaufmann, die nach der Ehe mit Tony Curtis noch dreimal verheiratet war, zuletzt alleine, hatte Engagements an verschiedenen Theaterbühnen, pendelte zwischen München und Mallorca und schrieb Bücher zu Liebes-, Gesundheits-, Wellness- und Lifestyle-Themen.

Mit dem Alleinsein habe sie kein Problem, ließ Kaufmann anlässlich ihres 70. Geburtstags wissen. Mit Leidenschaft pflege sie das Familienleben mit den zwei Töchtern, vier Enkeln und einem Urenkel. Uralt zu werden, sei nicht ihr Wunsch, sagte sie in einem Interview der Zeitschrift „Woman“. „Ich interessiere mich für ein gutes Leben, nicht für ein langes.“

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Erstellt:
29. März 2017, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
29. März 2017, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 29. März 2017, 06:00 Uhr

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