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Jettenburg · Gemüsebau

Vom Glück mit einem großen Garten

Der Garten von Carsten Göhner in Jettenburg ist mehr als ein Hobby. Ob die Fernsehrealität die Arbeit auf dem Stückle umfassend einfängt, ist fraglich.

20.08.2019

Von Mario Beißwenger

Carsten Göhner, ambitionierter Hobby-Gärtner mit Fernseh-Erfahrung, zeigt in seinem Garten bei Jettenburg auf die gerade aufgelaufenen Winterrettiche. Links und rechts davon keimt der Ackersalat und zuvor standen dort Kartoffeln. Bild: Mario Beißwenger

Zwölf Kohlrabi sollte Carsten Göhner vergangenes Jahr durch die Saison bringen. Zwölf? Göhner könnte Dutzende in seinem zehn Ar großen Garten kultivieren, wenn es sein müsste auch Hunderte. Aber das will er gar nicht. Er will aus seinem Garten die Familie mit Gemüse versorgen und in Ruhe seine langen Erddämme kultivieren.

Das Format, das er vom SWR-Fernsehen vorgegeben bekam (siehe Infobox), passt nicht zu seiner Art der Gartenarbeit. „Das ist etwas schwierig, einen Garten nach einem einzigen Gemüse zu beurteilen.“ Er arbeitet auf dem Feld zwischen Jettenburg und Kusterdingen schon seit 2001, als er das Stück von seinem Schwiegervater Willi Gutbrod übernahm, der auch immer noch draußen ist.

Er bewirtschaftet den Garten biologisch, düngt nur mit dem kompostierten Pferdemist vom nahen Pferdehof und Brennnesseljauche, achtet auf die förderliche Nachbarschaft von Gemüsearten in Mischkulturen und lässt auch die Sonnenblumen wachsen, wie es ihnen gefällt.

„Im Prinzip ist ein Garten ein Kunstwerk“, sagt der 47-Jährige. Er komponiert auf den Beeten mit Gemüse, mischt sich Farben an, indem er eben nicht nur grüne Stangenbohnen sät sondern auch blaue, freut sich am roten Amaranth und am Gelb der Sonnenblumen. Am liebsten ist es ihm, wenn er den ganzen Samstag im Garten verbringen „und ich dann nach Hause zotteln kann, wenn es dunkel wird“.

Da ist es gut, wenn zu Hause eine Frau ist wie Jutta Göhner, die etwas mit dem Gemüsesegen anfangen kann. „Ich brauch mich nie zu fragen, was ich kochen soll“, sagt die Musiklehrerin. Gekocht wird, was der Garten liefert und das macht mehr als drei Viertel ihres Gemüsebedarfs aus.

Wenn es mal von einem Gemüse zu viel gibt, freuen sich Verwandtschaft und Freunde. Die fünfköpfige Familie isst auch exotische Varianten mit bekanntem Gemüse. So gibt es etwa Rote-Rüben-Chips, wenn mal zu viel von den Beeten wachsen.

Göhner zeigt die entspannte Haltung eines Gärtners, dem mit großer Schaffensfreude dann auch viel gelingt. Der Sellerie, ja der sei halt etwas mimosenhaft als Lichtkeimer. Vergangenes Jahr wollte er nicht recht. Dafür gab es enorm viel Lauch. Kohl war auch schon mal zu viel. „Das Kraut ist mir aus den Ohren raus gekommen“, sagt Jutta Göhner. „Es gelingt etwas, etwas gelingt nicht. Obwohl ich das mit gleicher Leidenschaft mache.“

Sich deshalb auf die Fernseh-Kohlrabi kaprizieren, kam gar nicht infrage. „Ich hab die so behandelt, wie alles andere auch.“ Die Sorte Superschmelz kann auch fußballgroß werden. Göhner, selbst Hobbymusiker, braucht das nicht. 2018, als das Fernsehteam im Garten war, hatten die Göhners „viel Spaß beim Lernen, wie ein Film funktioniert“. Zuschauer sollten nun aber nicht glauben, dass die Darstellung die ganze Wirklichkeit auf dem Acker einfängt.

Neben den Kohlrabis ging es noch um ein Gartenprojekt, bei dem sich Göhner, als Leiter des Kusterdinger Bauhofs gelernter Bautechniker, eine neue Wasserversorgung aufbaute mit recycelten Randsteinen für den Brunnen und einer Tröpfchenbewässerung aus altem Schlauchmaterial.

Für den Bau der Anlage gilt bei Göhner wohl das gleiche wie für die Arbeit im Garten. „Ich mach das aus Freude am Tun.“ Ob das eine Fernsehkamera einfangen kann? Die Begeisterung am mit Humus angereicherten Lößboden, an der Arbeit auf dem kleinen Schlepper mit dem alten Pflug, an Kompostbereitung, Aussaat und Ernte? Verstehen können so einen Göhner-Satz wie: „Ich brauch einfach meine langen Reihen“ vielleicht nur Gärtnerinnen und Gärtner.

Die Kohlrabi-Challenge

Die Garten-Doku „Mein leckerer Garten“ mit dem Jettenburger Carsten Göhner läuft am morgigen Mittwoch, 21. August, von 21 Uhr an, im SWR-Fernsehen. Online ist sie schon unter www.ARDMediathek.de zu sehen. Die Aufgabe im Vergleich mit fünf anderen Hobbygärtnern war, zwölf Setzlinge der Kohlrabisorte „Superschmelz“ durchzubringen, ein Projekt im Garten zu verwirklichen und ein Essen aus der Ernte zu kochen.

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Erstellt:
20. August 2019, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
20. August 2019, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 20. August 2019, 01:00 Uhr

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