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Kultur

Vom Castingstar zur Päpstin

Sandy Mölling, Ex-Mitglied der Girlband „No Angels“, spielt die Hauptrolle im neuen Musical im Theaterhaus. Ein Gespräch über die Karriere nach der Karriere.

22.08.2019

Von CAROLINE HOLOWIECKI

Drei Perücken trägt Sandy Mölling im Laufe einer Aufführung. Foto: Foto

Gegen den Stuttgarter Stadtverkehr ist auch ein Promi machtlos. Sandy Mölling ist zu spät. Mit wehendem Haar, in der Hand eine große Einkaufstasche eines Discounters, kommt sie ins Theaterhaus gespurtet. Frisch aus Rheinland-Pfalz ist sie hergeflitzt, vom Besuch daheim bei Muttern. Seit die 38-Jährige in den USA lebt, sieht sie die Familie selten. Doch jetzt ist es vorbei mit „essen und chillen“, wie sie es noch davor bei Instagram gepostet hatte.

Die Arbeit ruft. Aktuell steht Sandy Mölling nahezu jeden Abend im Stuttgarter Theaterhaus für „Die Päpstin“ auf der Bühne. Das Musical beruht auf dem gleichnamigen Bestseller von Donna Woolfolk Cross. In der Produktion des Festspielhauses Füssen hat sie die Hauptrolle, die der frommen Johanna, die im Jahr 814 in der Verkleidung eines Mannes in der Kirche Karriere macht und bis zum Papst beziehungsweise zur Päpstin aufsteigt.

Nicht neu in der Musical-Szene

Drei Perücken trägt die zierliche Blondine dafür im Laufe eines Abends. Für den Regisseur Benjamin Sahler, einen gebürtigen Stuttgarter, ist Sandy Mölling „auf jeden Fall eine Traumbesetzung“. Dass sie gut singen könne, das habe er ja gewusst, „aber sie spielt auch super und kommt gut beim Publikum an“. Tatsächlich ist die 38-Jährige eine beliebte Musical-Darstellerin. In diesem Jahr stand sie bereits in Wien für „Jesus Christ Superstar“ auf der Bühne, außerdem in Magdeburg als Roxie Hart für „Chicago“.

Dabei bringen die deutschen Fans Sandy Mölling eigentlich mit ganz anderer Musik in Verbindung. Um die Jahrtausendwende konnte jedermann im Privatfernsehen verfolgen, wie sie in die Girlband „No Angels“ gecastet wurde. Als die deutschen „Spice Girls“ verkauft die Gruppe bis zur Auflösung, einer Wiedervereinigung und dem endgültigen Aus vor rund fünf Jahren mehr als sechs Millionen Alben. Vom jungen Ding von damals ist heute, fast 20 Jahre später, nichts mehr übrig. Sandy Mölling ist ein Profi, lässt sich beispielsweise nicht im Straßenlook, im Top und mit Birkenstocks fotografieren.

Über ihre Girlgroup-Vergangenheit verliert sie kein schlechtes Wort. „Ich finde es schön, dass die Leute mich noch kennen“, sagt sie. Die Zeit als Mitglied einer Teenie-Band sei schön gewesen, „sie ist ein Teil von mir“. Mit zwei der ehemals vier Mitstreiterinnen, mit Jessica Wahls und Nadja Benaissa, stehe sie bis heute in gutem Kontakt.

Dennoch passe das, was sie jetzt mache, besser, sagt sie. Sandy Mölling ist zweifache Mutter, feste Engagements seien da einfacher. Während der Große mit seinen zehn Jahren daheim die Schulbank drückt, ist ihr bald vierjähriger Sohn auch in Stuttgart. „Außerdem reizt mich die Schauspielerei enorm“, sagt sie. Sie nehme Unterricht. Für ihre Karriere nach der Karriere pendelt sie derzeit zwischen Deutschland und Los Angeles, wo sie schon seit vier Jahren mit den Kindern und ihrem Partner, dem kanadischen Musiker Nasri Atweh, lebt.

Sie vermisse Deutschland, immerhin lebten ihre Eltern, die Geschwister, die Neffen und Nichten, die Freunde hier, allein schon deswegen freue sie sich über regelmäßige Buchungen in der Heimat. An der Päpstin habe sie das Thema gereizt. „Es geht um Emanzipation, um eine starke Frau. Es ist eine tolle Rolle.“

Ob sie doch irgendwann noch mal ein Pop-Album aufnehmen werde? Sandy Mölling zuckt mit den Schultern. „Wenn es passt“, sagt sie vielsagend, „ich finde, man muss die Dinge nicht immer komplett entscheiden.“

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Erstellt:
22. August 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
22. August 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 22. August 2019, 06:00 Uhr

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