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Sonderausstellung über das Bier zu Ehren des 500 Jahre alten Reinheitsgebotes

Vom Brotbrei bis zur Bügelflasche

Dem 500. Jahrestag des Reinheitsgebots des Bieres widmet das Technoseum eine Ausstellung über die Braukunst. In dem Mannheimer Landesmuseum wird sehr viel informiert und nur wenig probiert.

18.02.2016

Von HANS GEORG FRANK

Große Vielfalt, große Auswahl: Die Bier-Ausstellung im Mannheimer Technoseum ist eine gelungene Gratwanderung zwischen Sucht und Bier-Kultur. Foto: dpa

Mannheim. . Bevor an der Theke ein winziges Schlückchen zum Probieren gezapft wird, hat sich der Besucher über die Gefahren des Alkoholkonsums informiert. Ein Pils hat zwar weniger Kalorien als Apfelsaft, und Milch, aber der "Gerstensaft" gehört zum Vorrat der 1,77 Millionen süchtigen Deutschen zwischen 18 und 64 Jahren. Die "Hopfenkaltschale" kann schlimme Folgen im Verkehr haben, wovon Kreuze am Straßenrand zeugen. Alkohol im Übermaß zerstört Gehirnzellen. Schon wegen des Katzenjammers - die studentische Wortschöpfung hieß ursprünglich "Kotzenjammer" - gilt es, bei der Maß das richtige Maß zu finden, was Bierleichen auf den Volksfesten nicht gelingt.

Die Sonderschau des Technoseums in Mannheim zu Ehren des 500. Geburtstags des Gebots für reines Bier ist eine gelungene Gratwanderung. Über Bier und Braukunst, vom Brotbrei bis zur Bügelflasche wird auf 800 Quadratmetern mit über 300 Exponaten bei dieser Zeitreise über 4000 Jahre anschaulich informiert, ohne für die 1350 Brauereien zu werben oder diesen Teil der Trinkkultur zu verherrlichen. Der Überblick an 3289 blauen Bierkisten ist auch für jene vier Prozent interessant, die abstinent leben. Immerhin ist dem Bier die Erfindung des Kühlschranks zu verdanken: Bayerische Brauer beauftragten den Tüftler Carl Linde mit der Konstruktion einer Kältemaschine, damit ihr vergorener Trank länger hält.

"Bier ist ein emotionales Produkt", hat die Kuratorin Anne Mahn erfahren, "jeder hat eine Geschichte und eine Beziehung dazu." Gerne wollte sie in der Ausstellung Bier brauen, "aber das ist nicht so einfach, wie ich es mir vorgestellt habe". Deshalb kann der Besucher nur virtuell die Zutaten anrühren und den Prozess steuern, als stünde er direkt am Kupferkessel.

Das Reinheitsgebot, das die bayerischen Herzöge Wilhelm IV. und Ludwig X. am 23. April 1516 erlassen haben, wird zwar noch immer von 85 Prozent der Deutschen gutgeheißen. Aber bei ihrer Aufzählung - Wasser, Hopfen, Gerste - haben die Puristen einst die Hefe vergessen, weil die wohl als selbstverständlich galt. Seit 1993 gilt ein "vorläufiges Biergesetz", das Klärmittel ebenso zulässt wie Farbstoff und Rohrzucker.

189 Brauereien in Baden-Württemberg füllen jährlich 6,3 Millionen Hektoliter ab. Damit lässt sich, statistisch betrachtet, der Durst im Südwesten zu 60 Prozent stillen. Republikweit ist die Sortenvielfalt so riesig, dass man fast 14 Jahre bräuchte, wollte man jeden Tag eine andere Flasche oder Dose öffnen. Handwerklich hergestelltes "Craft Beer" ist neuerdings auf dem Vormarsch. Dieser Trend hat aber nichts zu tun mit dem "Kraftbier" aus den 20-er Jahren. Letzteres, ein alkoholarmes Erzeugnis, "nahrhaft und haltbar", wurde beworben als "hervorragendes Familiengetränk".

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Erstellt:
18. Februar 2016, 08:34 Uhr
Aktualisiert:
18. Februar 2016, 08:34 Uhr
zuletzt aktualisiert: 18. Februar 2016, 08:34 Uhr

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