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Wahl in Isny: Rathaus statt Schlager

Volksmusik-Barde macht Bürgermeister das Amt streitig

Peter Rist möchte Isny "zu neuem Glanz verhelfen". Der Schlagersänger, früher Finanzbürgermeister in Reutlingen, will Rainer Magenreuter aus dem Sattel heben, seit acht Jahren Rathauschef in Isny.

02.10.2015
  • ALFRED WIEDEMANN

Isny. Ein Ort, der glücklich machen kann: gute Luft, seit die Laster draußen auf der Umgehungsstraße lärmen, Altstadt-Idyll und Park-Grün an der Stadtmauer, bevölkert mit Gästen in Urlaub oder Reha. Und drumherum Berge, Wälder, Kühe, Bayern ist nicht weit. Isny hat 14 500 Einwohner, München und Zürich sind hier, im württembergischen Allgäu, im südöstlichen Zipfel des Landes, näher als Stuttgart.

Im Lokalblatt stehen gerade mehr Leserbriefe aus dem benachbarten Leutkirch. Sonst schreiben die Isnyer viel mehr. Dabei ist am 8. November Bürgermeisterwahl in Isny. Die Ruhe vor dem Sturm?

Amtsinhaber Rainer Magenreuter hat Konkurrenz bekommen. Vor acht Jahren setzte er sich gegen vier Mitbewerber im ersten Durchgang durch. Jetzt will ihn Peter Rist beerben, bis 2013 Finanzbürgermeister in Reutlingen, davor Kämmerer in Isny, seit zwei Jahren allerdings Profi-Schlagersänger.

Ende August hat Rist mit Beginn der Bewerbungsfrist seine Unterlagen im Rathaus eingeworfen. Bürgermeister Magenreuter war auch schnell. Jetzt entscheidet das Los über die Stimmzettel-Plätze. Ob zum Duo noch mehr Kandidaten kommen, steht erst am 12. Oktober fest, dann ist Bewerbungsschluss.

"Das Allgäu ist meine große Liebe und Isny im Allgäu ist ein echtes Juwel", sagt Rist. "Dieses Juwel hat die vergangenen acht Jahre an Glanz verloren." Um "Wohl oder Wehe" der Stadt gehe es bei der Bürgermeisterwahl am 8. November. Von den Freien Wählern zur Kandidatur aufgefordert, sieht sich Rist als politisch völlig unabhängig.

Aus Reutlingen sind versteinerte Mienen bei Rathauschefin Barbara Bosch und einigen Gemeinderäten überliefert, als Rist im November 2012 zum Haushaltsentwurf Zeilen von Udo Jürgens, Peter Alexander und Nena trällerte - den Abschied vom Rathaus und Schlagerkarriere schon fest im Blick.

2013 ging es zurück in die Allgäu-Heimat. Rists Frau betreibt das Ausflugscafé der Familie bei Isny. Die Mission: kein Rathaus mehr, dafür die Leute glücklich machen mit Musik. Drei Alben hat der 46-Jährige veröffentlicht, "Das sind wir uns wert" ist das neueste. "Mit ganz viel Gefühl!" Einen Fanclub gibt es auch. Der muss tapfer sein, weil Rist nun künstlerisch Pause macht.

Er mache keine halben Sachen, weil ein erneutes Bürgermeisteramt eine große Veränderung für sich und seine Familie bedeute, "haben meine Frau Monika, unsere drei Kinder und ich uns diesen Schritt gründlich überlegt", sagt Rist. Klar sei, dass er im Fall der Wahl viel weniger Zeit für Musik haben werde. "Isny braucht mich zu 100 Prozent."

Rainer Magenreuter, 49, Bauingenieur, verheiratet, vier Kinder, seit acht Jahren Chef im Isnyer Rathaus und zuvor Regierungsbaumeister im Stuttgarter Regierungspräsidium und im Umweltministerium, möchte sich über seinen Mitbewerber nicht äußern. Dass ausgerechnet die Freien Wähler im Ort nach Rist gerufen haben, hat ihn geärgert. Magenreuter ist für sie im Kreistag, nun aber aus dem Stadtverband ausgetreten. Bei der Wahl will er mit seiner Bilanz überzeugen. Isnys Glanz müsse nicht erst aufpoliert werden: "In den letzten acht Jahren ist hier so viel angepackt worden wie in vielen vergleichbaren Städten in 20 Jahren nicht." Beispiel Bauland: So viele Grundstücke wie seit Jahrzehnten nicht habe die Stadt zuletzt kaufen und ausweisen können. Oder die Altstadtsanierung: Nach viel Streit und einem Bürgerentscheid 2014 läuft sie nun - Wohnhäuser kommen, zwei Hotels, Gastronomie. "So bekommt Isny noch bessere Perspektiven", sagt Magenreuter - und stellt sich fürs Foto gern vor die Baufläche.

Der lange Kampf fürs Isnyer Krankenhaus blieb allerdings erfolglos. Eine Bauchlandung gab's für den Rathauschef 2012: Da fiel im Bürgerentscheid ein millionenteures Glasturm-Projekt nach Plänen von Stararchitekt Peter Zumthor durch. Streit gibt es noch um Windkraft in einem Isnyer Teilort und Pläne für eine Land-Rover-Teststrecke.

Aber Streit ist normal in Isny. Uralte Konflikte zwischen evangelischer Reichsstadt und katholischem Kloster rumoren bis heute. Unregierbar, wie manche unken, sei Isny aber nicht, findet Magenreuter. Schließlich seien ihm wichtige Entscheidungen für die Stadt gelungen. "Es wird eben intensiver und länger diskutiert, denn Isnyer sind anspruchsvoll und kritisch."

Volksmusik-Barde macht Bürgermeister das Amt streitig
Isnys Bürgermeister Rainer Magenreuter, 49, geht mit breitem Kreuz in die Wahl im November. Foto: Alfred Wiedemann

Volksmusik-Barde macht Bürgermeister das Amt streitig
Vom Rathaus auf die Schlagerbühne und wieder zurück? Peter Rist, 46, will Chef im Isnyer Rathaus werden. Foto: PR

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02.10.2015, 12:00 Uhr
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