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Diven auf zwei Rädern

Volker Sichler ist Weltmeister im Bau einzigartiger Motorräder

In Horgen, einem Dorf bei Rottweil, können sich Motorrad-Fans ihr Bike nach Wunsch bauen lassen. Volker Sichler kreiert die Maschinen zum Genießen. Mit den ausgefallensten hat er viele Preise abgeräumt.

01.03.2014

Von PETRA WALHEIM

Horgen Volker Sichler wirft die schwarze "Victory" an, die in seiner Werkstatt steht. Das satte, raue Motorengeräusch erfüllt den Raum. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass Elektro-Motorräder je eine Chance haben werden", sagt er. Ohne diesen typischen Sound sei ein Motorrad doch kein Motorrad mehr. Der 48-Jährige weiß, was ein Bike ausmacht und dass der Klang des Motors ein wichtiges Kriterium ist. Schließlich entwirft und baut er seit fast 20 Jahren in seiner Motorrad-Manufaktur "Hollisters MotorCycles" in Horgen bei Rottweil die ausgefallensten Zweiräder.

Sie heißen Megasmile, Champ, Adrenalin, Bahrain oder Gorgeous. Jedes Bike ist ein Unikat, jeden Namen vergibt er nur einmal. "Das sind alles Diven", sagt Sichler. So sollten sie seiner Ansicht nach auch behandelt werden. "Meine Motorräder haben eine Seele. Wenn ich merke, dass einer meine Maschinen nicht versteht, empfehle ich ihm eine Serienmaschine von Victory oder Indians."

In den Bikes, die er baut, stecken Leidenschaft, Herzblut und Perfektionismus. Das macht ihn so erfolgreich. Jahrelang hat er bei den größten Wettbewerben die ersten Plätze belegt. Inzwischen hat er aufgehört, zu Wettbewerben zu gehen. Ihm ist es wichtiger, Liebhaber für seine Kreationen zu finden, die seine Arbeit zu schätzen wissen - und sie bezahlen können. Die Preise beginnen bei 30 000 EUR und sind nach oben hin offen. Deshalb ist das Gros der Kunden eher im gestandenen Alter. "Das fängt bei 35 Jahren an und endet bei über 70." Damit bestätigt er, was in der Branche Trend ist: Immer weniger junge Leute steigen aufs Bike, dafür immer mehr ältere. "Ich baue keine Motorräder zum Heizen", sagt Sichler. Seine Maschinen seien zum Genießen.

Angefangen hat alles damit, dass er 1985 eine Harley Davidson FLH in seiner Garage über den Winter komplett zerlegte und zu einem "Schmuckstück" umbaute. "Zuerst haben mich alle für verrückt erklärt." Aber als er die Maschine im Frühjahr aus der Garage schob, gab es Beifall. Bei Ausfahrten zog er neidische Blicke auf sich. Dann kamen die Anfragen. Er fing an, Harleys "für n Appel und n Ei" umzubauen. Damals war er bundesweit einer der ersten, der Harleys "zu spektakulären Motorrädern" umgebaut hat.

Doch es gab Probleme: Den Bikes, die er aus den USA importierte, fehlte hierzulande die Zulassung. Mit dem Tüv Stuttgart hat er das geändert: "Das war Pionierarbeit."

1995 begann er damit, eigene Motorräder zu entwickeln und zu bauen. Den Antrieb ließ er sich zuliefern, alles andere machte er selbst. Drei Jahre hat es gedauert, bis er die 17-stellige Hersteller-Nummer und den offiziellen Status als Motorradbauer hatte.

Sichler wollte mehr. Er wollte wissen, wo er mit seinen Bikes steht und hat 2002 an der Weltmeisterschaft für "Custom Bikes" in Daytona Beach in Florida teilgenommen. Custom Bikes sind nach dem Wunsch des Kunden umgebaute oder gebaute Motorräder. Um gegen die Weltelite bestehen zu können, baute er die "Phantom" - "ein total abgespacetes Bike", sagt er. So abgefahren, dass er in Florida den ersten Preis gewann - und in Europa jede Bike-Show. Es folgte die "Excite", ein völlig anders gestaltetes Motorrad. Auch damit hat er in Florida den Weltmeister-Titel ge-holt. Und gleich noch den internationalen Design-Preis "Balance", den ihm das Land verliehen hat. Ein Jahr später gewann er den deutschen Design-Preis und bekam den Red Dot Award verliehen.

Während er das erzählt, schweift Sichlers Blick ab auf die "Excite", die in seinem Ausstellungsraum in Horgen zwischen vielen anderen Kreationen steht. Die meisten davon sind verkauft. Sichler baut nach Auftrag. In seiner Werkstatt sind die Stadien des Werdens zu sehen: vom Metallrahmen bis zum fertigen, chromglänzenden Bike vergehen in der Regel drei Monate. Mit seinen drei Mitarbeitern und zwei Aushilfen kann er zehn, maximal 15 Fahrzeuge pro Jahr bauen.

Seit wenigen Jahren ist Sichler auch Vertragshändler für die Marke "Victory", erst seit Dezember 2013 für die "Indians", die lange nicht mehr produziert wurden. Aber am liebsten baut er die Bikes selbst. "Wir sind noch lange nicht am Ende", sagt er und dreht am Gashahn der "Victory", die in der Werkstatt steht. Der Motor heult auf. "So muss ein Motorrad klingen."

Das Modell Gorgeous Foto: Crossmark

Stolz präsentiert Volker Sichler eine seiner Motorrad-Kreationen. Foto: Petra Walheim

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Erstellt:
1. März 2014, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
1. März 2014, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 1. März 2014, 12:00 Uhr

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