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Politisches Buch: Norman Ohler

Volk braucht Rausch

Norman Ohler: Der totale Rausch. Drogen im Dritten Reich.

17.10.2015
  • AXEL HABERMEHL

Kiepenheuer&Witsch 2015. 363 Seiten. 19,99 Euro.

Es gibt kein Thema, keinen Zeitraum, der von der Geschichtswissenschaft derart ausgiebig bearbeitet wurde wie der Nationalsozialismus. Generationen von Historikern haben tausende Studien, Aufsätze und Bücher zu fast jedem erdenklichen Detail geschrieben - trotzdem bleibt der NS-Massenmord letztlich unverständlich.

Der Journalist und Autor Norman Ohler hat nun ein Buch vorgelegt, das jenseits aller Detailstudien einen neuen Blick auf die Mentalitäts-, Alltags- und Kulturgeschichte Nazi-Deutschlands ermöglicht: "Der totale Rausch. Drogen im Dritten Reich". Das Thema ist nicht so abseitig, wie es klingt. Der Drogenmissbrauch im NS war enorm. Während die Nazis offiziell "Rauschgiftbekämpfung" betrieben (Stichwort: "gesunder Volkskörper") war das Land völlig drogenverseucht.

Beispiel Militär: Seit langem ist bekannt, dass deutsche Kampfflieger mit Aufputschmitteln, namentlich dem Metamphetamin Pervitin, fit und mutig gedopt wurden. Auch vom Gebrauch als "Panzerschokolade" wusste man. Dass aber die Wehrmacht, als sie 1940 Frankreich überrannte, unter insgesamt 35 Millionen Dosierungen Pervitin stand, ist eine neue Dimension, die das Bild von Armee und Krieg ändert.

Pervitin, heute als Crystal Meth berüchtigt, ist die Leit-Substanz des Buches. Nicht nur Soldaten, etwa Heinrich Böll, nahmen das Mittel, das die Berliner Temmler-Werke 1938 auf den Markt gebracht hatten, auch massenhaft Zivilisten. Pervitin flutete das Land und vergiftete die angeblich so auf Reinheit getrimmte "Volksgemeinschaft". Erst wurde es in Apotheken verkauft (ab 1939 auf Rezept), doch auch nach der Einstufung als Betäubungsmittel 1941 stieg der Konsum. Tausende Deutsche wollten in der Zeit des "Erwachens" ihre Leistung steigern. "Pervitin passte zum Zeitgeist wie die Faust aufs Auge", so Ohler.

Auch der sich immerzu als Asket inszenierende Hitler schätzte Pervitin - und noch Härteres aus den Chemielabors. Ohler zeichnet anhand von Notizen des Leibarztes Theodor Morell nach, dass und wie Hitler sich ab spätestens 1936 regelmäßig für seine Unmenschlichkeiten in Form spritzen ließ.

Viele Detailstudien der vergangenen Jahrzehnte haben vor allem Lücken geschlossen, das Gesamtbild genauer ausgemalt. Ohlers herausragend geschriebenes Werk aber hält, was der große NS-Forscher Hans Mommsen, der das Buch begleitet und ein Vorwort verfasst hat, verspricht: "Dieses Buch ändert das Gesamtbild.

Volk braucht Rausch

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17.10.2015, 12:00 Uhr
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