Jugend- und Kammerorchester im Doppel

Virtuose Violinen

Die Personalunion macht's möglich: Das unter dem Dach der Volkshochschule herangewachsene Kammerorchester und das in der Jugendmusikschule entstandene, für alle Schulen zuständige Jugendorchester spielen beide unter der gemeinsamen Leitung von Bettina Sommer und Dietrich Schöller-Manno. Gesellen sich dann zum getrennt probenden, gemeinsam konzertierenden Klangkörper noch Kollegen wie Friedemann Treutlein am Cembalo und Familienmitglieder (Iris Manno, Querflöte), wird der musikalische Spaß Generationen verbindend nahezu grenzenlos, wie am Sonntag in der fast vollen Quenstedt-Aula. Mit Dirigierstab klappt der erste Einsatz besser – dachte sich Bettina Sommer und ging noch einmal hinter die Bühne.

21.07.2009

Mössingen. Und sieh? da, die Fagotte tauchen in Fingals Hebriden-Höhle weich zeichnend aus den sanften Wogen des riesigen Streicherapparates auf, eine sauber intonierte Cellokantilene lässt aufhorchen, die große Schar der Violinbögen sammelt sich in strukturiertem Staccato, mutig auftrumpfende Trompeten führen zum befreienden Fortissimo-Ausbruch. Die Soloklarinette drückt Mendelssohns romantische Natursehnsucht vollkommen aus, Sommer hält die wilden Unisoni und den heiklen Pizzicato-Schluss geschickt zusammen.

Traditionsgemäß ist das Sommerkonzert des Jugendorchesters der solistische Höhepunkt für die meist mit Abitur abgehenden, langjährig verdienten Instrumentalisten. Heuer waren Marie Hemmen und Lavinia Mautner an der Reihe, ließen ihre virtuosen Violinen in Bachs Doppelkonzert d-moll tanzen. Hier war das Jugendorchester auf sich gestellt, Dirigent Schöller-Manno konnte sich an den acht konzentriert-gebannt arbeitenden Zweiten Geigen erfreuen, die ihren großen Vorbildern sichtbar nacheiferten.

Und die beiden Solistinnen zeigten, wie man's macht: im forschen Tempo der Ecksätze Parallelstellen gemeinsam beatmen und analog artikulieren, trickreiche Triolen mit Blickkontakt prägnant präzisieren, das melodische Rankwerk des langsamen Satzes sensibel aufeinander abstimmen.

Jubelnder Beifall. Statt Zugabe stellte Lavinia Mautner anschaulich den Spendenzweck vor, eine Kinderbibliothek in Nicaragua, wo die Abiturientin des Firstwald-Gymnasiums ab August selbst mitarbeitet. Eine Zugabe musste Tomislav Baynov, seit 1998 Trossinger Professor, mit Rachmaninows Polichinelle op.3,4, nach nicht enden wollendem Applaus für eine geglückte Interpretation von Beethovens drittem Klavierkonzert geben. Unprätentiös, mit wenig Pedal stellt er die haydnsch-mozartschen Bezüge heraus, dabei blitzt hin und wieder der Furor des Bonn-Wiener Feuerkopfes gehörig auf. Solch musikalische Feinarbeit beflügelte das begleitende Doppelorchester zu adäquater Leistung.

Zum Beschluss vier renaissance-barocke Tanzfolgen des Neoklassizisten Ottorino Respighi mit aparten Holzbläsermixturen, vierhändigem Cembalo, Harfe und Geigen in Lagen im ewigen Eis. Das glitzerte, zupfte, irisierte und fand wieder zu satt homophonem Gesamtklang, trieb Hörner zu Höchstleistungen und Tonleitersport in die rettende Kadenz.

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Jugend- und Kammerorchester, mit Tomislav Baynov als Solist am Klavier gefeiert. Bild: Rippmann

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Erstellt:
21. Juli 2009, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
21. Juli 2009, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 21. Juli 2009, 12:00 Uhr

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