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Die Favoriten für die Präsidentschaftskandidatur holen weitere Stimmen

Viele Siege und ein großes Aber

Hillary Clinton und Donald Trump haben sich bei den US-Vorwahlen weiter von ihren Konkurrenten abgesetzt. Doch ein Durchmarsch blieb aus. Marco Rubio, Ted Cruz und Bernie Sanders geben nicht auf.

03.03.2016
  • PETER DE THIER

Donald Trump war sich seiner Sache so sicher, dass er am bisher wichtigsten aller Wahltage keinen der elf Staaten besuchte, in denen die Menschen vor den Wahllokalen Schlange standen. Stattdessen hielt sich der Immobilienunternehmer und Fernsehstar am "Super Tuesday" zu Wahlkampfzwecken bereits in Ohio auf. Dort und in fünf anderen Staaten werden schließlich am 15. März fast so viele Delegiertenstimmen vergeben wie bei den Vorwahlen an diesem Dienstag. Doch Trumps gut geölte Medienmaschine war präsent. Noch bevor die erste Stimme ausgezählt war, kündigte das Presseteam des New Yorker Milliardärs für den Abend eine Siegesrede mit anschließender Pressekonferenz an.

Als es am Dienstagabend um kurz vor halb zehn Ostküstenzeit so weit war, präsentierte sich Trump, der sich in den vergangenen Wochen den Zorn praktisch aller etablierten Republikaner zugezogen hatte, auf einmal ganz anders: wie ein Staatsmann. In Palm Beach in Florida eingetroffen, sonnte er sich im tosenden Applaus seiner jubelnden Anhänger. Im Hintergrund Sternenbanner an von Goldblatt überzogenen Stangen. Trump hatte professionelle Bühnenbildner angeheuert, um hinter dem Rednerpult jenen Ostraum des Weißen Hauses nachbilden zu lassen, in dem sein Erzfeind Barack Obama Fernsehansprachen hält. Die Inszenierung sollte den Eindruck erwecken, als sei er schon Präsident. Doch anders als sonst blieb der Milliardär sachlich: Er werde die Mauer entlang der mexikanischen Grenze bauen, Handelsabkommen, die der US-Wirtschaft schaden, wieder aufschnüren, die Terrormiliz IS zerstören und Obamacare abschaffen, listete er nüchtern seine politische Agenda auf.

Ebenso selbstbewusst, aber fraglos authentischer feierte die ehemalige First Lady und Außenministerin Hillary Clinton auf der Seite der Demokraten ihren rauschenden Erfolg. "Wir wollen Amerika wieder vereinen", sagte sie und machte deutlich, dass sie sich auf jene persönlichen Beleidigungen, die bei dem Selbstdarsteller Trump den Ton angeben, nicht einlassen wolle. Clintons Berater verfolgen eine dreispurige Strategie gegen den 69-Jährigen, den sie für ihren unausweichlichen Gegner bei der Präsidentenwahl am 8. November halten. Sie wollen Trump als eiskalten, unbarmherzigen Geschäftsmann darstellen, seine verbalen Attacken gegen Frauen thematisieren und insbesondere sein unberechenbares Temperament, das ihn für das Präsidialamt disqualifiziere, in den Mittelpunkt stellen.

Der "Super Tuesday" 2016 war ein Tag großer Siege - und ein Tag großer Aber. Mindestens sieben gewonnene Staaten verleihen Trump noch mehr Macht, auch Clinton ist nach derer sieben weiter voll auf Kurs Richtung Nominierung. Mit drei gewonnenen Staaten ist bei den Republikanern aber auch Ted Cruz ein Sieger, Bernie Sanders mit vier bei den Demokraten ebenso. Und Marco Rubio schnappte sich mit einem Staat das dringend benötigte, letzte Rettungsseil.

So deutlich die beiden Favoriten sich in den meisten Staaten auch durchsetzen konnten, ließen ihre Kontrahenten unmissverständlich durchblicken, dass sie unermüdlich weiterkämpfen werden. Schließlich konnte Sanders sein Konto mit mehreren hundert Delegiertenstimmen auffüllen. Er hielt bereits am frühen Dienstagabend - der haushohe Sieg in Vermont war ihm nicht mehr zu nehmen - eine feierliche Rede. Darin versprach der 74-jährige "Sozialist", der allein im Februar von Anhängern mehr als 40 Millionen Dollar an Wahlspenden sammelte, dass "diese Sache noch längst nicht entschieden ist, entschieden wird sie in Philadelphia". Dort richten die Demokraten im August ihren Nominierungsparteitag aus. An den Delegiertenstimmen gemessen wird es praktisch unmöglich sein, Clinton noch einzuholen. Gleichwohl hat die Ex-Außenministerin das Zwischenziel verfehlt, den linksliberalen Senator am "Super Tuesday" komplett abzuschütteln.

Kampfstark präsentierten sich auch Trumps Rivalen. Rubio holte in Virginia einen starken zweiten Platz und feierte in Minnesota seinen ersten Sieg. Sein Team setzt nun auf einen Sieg in Rubios Heimatstaat Florida sowie anderen bevölkerungsreichen Industriestaaten, in denen Stimmen nicht proportional verteilt werden, sondern das "Winner take all"-Prinzip gilt. Der junge Senator könnte vor allem von der "Stoppt Trump"-Bewegung profitieren, mit der etablierte Republikaner und Spender den Unternehmer ausbremsen wollen. "Ich werde bis zum Parteikonvent weiterkämpfen", versprach Rubio.

Aufwind bekam auch Ted Cruz, der den rechtsgerichteten "Tea Party"-Flügel der Partei vertritt. Er konnte Siege in seinem Heimatstaat Texas, dem benachbarten Oklahoma sowie Alaska verbuchen. Für ihn ist Trump, der ja lange Zeit gebraucht habe, sich vom Ku-Klux-Klan zu distanzieren, als Spitzenkandidat nicht tragfähig . Er rief gemäßigtere Kollegen auf, nun seine Kampagne zu unterstützen, um dem Milliardär das Handwerk zu legen.

Die anstehenden Vorwahlen in Staaten wie Ohio, Florida, Illinois und Michigan werden entscheiden, ob die Anti-Trump-Bewegung wirkt und Rubio sowie Cruz Chancen haben. Clinton wird indes schon deswegen nicht mehr einzuholen sein, weil sie neben den gewählten Delegierten gegenüber Sanders einen Vorsprung von mehr als 400 "Superdelegierten" hat, Politiker und Funktionäre, die an keinen Wählerauftrag gebunden sind und beim Parteikonvent nach ihrer persönlichen Präferenz stimmen können. Dass bei den heillos zerstrittenen Republikanern alles offen ist, dürfte der Demokratin zusätzlich nutzen.

Hintergrund: Wie geht es weiter?

Bis Mitte März könnte sich im US-Wahlkampf abzeichnen, wer bei den Parteien das Rennen um die Kandidatur macht. Die Parteitage sind im Sommer.

Termine:. Die US-Vorwahlen in 50 Bundesstaaten, der Hauptstadt Washington und fünf Außengebieten sollen einen Präsidentschaftskandidaten der beiden großen Parteien herausfiltern. Der März hat es dabei in sich. Aller Voraussicht nach wird er die entscheidenden Weichen dafür stellen, welchen Bewerber Demokraten und Republikaner nominieren werden. Am wichtigsten sind der kommende Samstag mit Vorwahlen in Kansas, Kentucky, Louisiana, Maine und Nebraska sowie die beiden dann folgenden Dienstage (Hawaii, Idaho, Michigan und Mississippi am 8. März sowie Florida, Illinois, Missouri, North Carolina, Außengebiet nördliche Marianen und Ohio am 15. März). Danach sind bei den Demokraten 50 Prozent aller ihrer Delegierten bestimmt. Bei den Republikanern sind es dann bereits 61 Prozent.

Demokraten: Nach den bisherigen Vorwahlen liegt bei den Demokraten derzeit Hillary Clinton mit 467 Delegierten deutlich vor Bernie Sanders, der auf 323 Delegierte kommt. Insgesamt werden auf dem Parteitag in Philadelphia im August 4763 Delegierte die Entscheidung treffen. Notwendig zur Nominierung sind 2382 Delegierte. Auch „Superdelegierte“ sind bei den Demokraten zugelassen - hochrangige oder ehemals hochrangige Parteimitglieder, die nicht durch die Vorwahlen in den Bundesstaaten bestimmt werden und nicht an ein Wahlergebnis gebunden sind.

Republikaner: Donald Trump hat bisher mit 293 Delegierten die Nase vorn. Auf Platz zwei liegt aktuell Ted Cruz (148 Delegierte), gefolgt von Marco Rubio (105 Delegierte). Derzeit noch im Rennen, aber offenkundig ohne Chancen sind John Kasich mit 27 Delegierten und Ben Carson mit 9 Delegierten. Jeb Bush (4), Carly Fiorina (1), Rand Paul (1) und Mike Huckabee (1) sind aus dem Rennen ausgestiegen. Insgesamt werden auf dem Parteitag im Juli in Cleveland 2472 Delegierte den Präsidentschaftskandidaten aufstellen. Notwendig zur Nominierung sind 1237 Delegierte.

Entscheidung: Der neue, 45. Präsident in der Geschichte der USA wird am 8. November gewählt. Der amtierende Demokrat Barack Obama darf nach zwei Amtszeiten nicht erneut antreten.

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03.03.2016, 08:30 Uhr
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