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Kommentar Erdogan

Viele Reibungspunkte

„Übereilt“ kann man den Besuch des türkischen Präsidenten im Vatikan wahrlich nicht nennen. 60 Jahre nach Aufnahme diplomatischer Beziehungen sprach Erdogan nun offiziell bei Papst Franziskus vor. Die Überwindung war vermutlich groß.

06.02.2018

Von ELISABETH ZOLL

Vatikan. Erdogan, der sich als Schutzpatron bedrohter Muslime versteht, nimmt es mit der Fürsorge für christliche Minderheiten in seinem Land nicht sehr genau.

Über zermürbende Prozesse versucht die türkische Justiz, die syrisch-orthodoxe Minderheit im Osten des Landes in die Knie zu zwingen. Angriffe auf Kirchenbesitz und -grund sind auch in anderen Städten der Türkei bekannt. Der ökumenische Patriarch von Konstantinopel, Bartolomäus, kann auf eine lange Liste von Schikanen türkischer Verwaltungen blicken. So wird ihm die Ausbildung von Priestern verwehrt, die für den Fortbestand der Minderheiten wichtig ist. Der Austausch zwischen dem Präsidenten und dem Pontifex war insofern nicht nur erfreulich.

Doch Erdogan braucht den Papst. Innenpolitisch mit seinem Feldzug gegen Gülen-Anhänger und Oppositionelle unter Druck, außenpolitisch wegen des umstrittenen Militäreinsatzes im Norden Syriens, soll der Besuch beim Kirchenoberhaupt auch das ramponierte Image kitten. Franziskus weiß, dass nur Gespräche Fortschritt bringen. In der Flüchtlingsfrage braucht er die Hilfe Ankaras ebenso wie als Mittler in den Krisen des Nahen Ostens.

Auf eine moralische Rehabilitierung jedoch muss Erdogan warten. Die schmallippige Erklärung zum Abschluss des Besuches und die reservierte Mimik des Pontifex bei offiziellen Fotos zeigen, dass weiter massiver Gesprächsbedarf vorhanden ist.

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Erstellt:
6. Februar 2018, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
6. Februar 2018, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 6. Februar 2018, 06:00 Uhr

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