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Mit Hans, Emma, Karle, Alaa und Fatima

Viel unterwegs, zuhause im Glück und mit offenen Türen: Spielzeitbilanz in Melchingen

Was das LTT neuerdings nicht mehr hinkriegt nach der Spielzeit, der Lindenhof schafft es spielend: Zahlen zur zurückliegenden Saison. Insgesamt waren es 19 000 Besucher in Melchingen. In Spitzenspielzeiten waren es auch schon mal über 20 000. Aber tausend weniger sind immer noch gut.

12.08.2016
  • Peter Ertle

Melchingen. 234 Vorstellungen schlugen zu Buche, das ist richtig gut. Und geradezu aufsehenerregend ist die Zahl von Lindenhof in der Region: 125 Gastspiele gab man – da lag der Spitzenwert bis dato bei knapp über 100. Zu tun hat das mit der diesmal erstaunlichen Anzahl kleiner, mobiler 1- oder 2-Personenstücke. Sie machten es möglich, dass an manchen Abenden zwei, ja mitunter sogar drei Stücke parallel zu sehen waren.

Insgesamt 40 000 Zuschauer sahen den Lindenhof unterwegs – ein Regionaltheater, das diesen Namen verdient. Und immer häufiger von Städten und Gemeinden angefragt wird, wenn es um Sommertheater geht. Und die Melchinger sagen gerne ja und transportieren heute sozusagen ihren eigenen Theatergründungsgedanken in die Welt. War man doch Anfang der achtziger Jahre auf Laienbasis, aber Schauspiel-fasziniert und immer mit gesellschaftspolitischen, emanzipativen, Selbst- und Welterkundungsambitionen angetreten.

Entwicklungshilfe, Identitäts-Anstiftung

Und heute? Stellen sie einer Stadt gern einen Autor, der ein Stück zur Stadtgeschichte schreibt, stellen einen Regisseur und Knowhow von Maske bis zur Bühne. Und studieren dort das Stück dann aber mit den Leuten vor Ort ein. Das schafft eine unvergleichliche Identifikation. Das Stettener Modell, nennt Intendant Stefan Hallmayer das, nach dem erfolgreichen Theater-Kooperieren mit der Stetten. In der zurückliegendnen Spielzeit gelang ihnen das mit Riedlingen, die Regisseure Carola Schwelien und Peter Höfermeyer konnten gewonnen werden. Während in Rottenburg Dietlinde Ellsässer Sebastian-Blau nahe brachte.

In beiden Fällen ein Theater-Stadtspaziergang samt mitwandernder Zuschauer: Auch das eine gute Lindenhof-Theatersommer-Tradition. „Davon haben Gemeinden mehr als wenn wir ein paar mal Shakespeare spielen“, sagt Hallmayer. Der in seiner Eigenschaft als gelegentlicher Volkstheater-Juror allerdings auch merkt, dass sich das hauseigene Theaterverständnis allmählich auch durchsetzt, ein Trend der Zeit. Der Gedanke, „dass Volkstheater ist, wenn auf der Bühne noch stärker schwäbisch gesprochen wird als im wahren Leben“ sei allmählich auf dem Rückzug.

Und wohl gemerkt: Weder im Fall Riedlingen noch im Fall Rottenburg ging die Initiative von Melchingen aus. Der Lindenhof mit seinem Status Theater zum Anfassen fällt den Menschen der Region einfach häufig ein, auch für Geburtstage, Betriebs- und Trauerfeiern werden sie angefragt.

Zurück auf die Bühne in Melchingen: Da gab es in der zurückliegenden Spielzeit drei Stücke, die aufgrund ihrer Besonderheit nochmal extra zu erwähnen wären: Erstens „Wohin des Weges“, ein Stück mit Flüchtlingen, das unter der Regie von Oliver Moumouris ganz besonders gelang, ständig ausverkauft ist, was fast auch schon wieder für die drei bevostehenden Auftritte im Oktober gilt (also sputen!). Das Stück lockte ein ganz eigenes Publikum in den Lindenhof, nämlich viele erst in zweiter Linie Theaterinterssierte, in erster Linie aber der Flüchtlingsarbeit entstammenden Menschen. Und viele Flüchtlinge selbst, die ja via Handy gut vernetzt sind und sehen wollen, was ihre Kollegen und Freunde da auf der Bühne machen. Sie müssen keinen Eintritt zahlen, wie Hallmayer nochmal betont.

Flüchtlinge zahlen keinen Eintritt

Da einige der Flüchtlinge weiterziehen, wird es schwierig, das Stück weiterzuspielen, im Einzelfall werden aber Lösungen gefunden: Die musizierenden Kinder Javan und Jian Haj Suleiman zum Beispiel ziehen nach Essen, „sie haben mir gesagt, sie wären weiterhin dabei, wenn wir den ICE nach Tübingen zahlen. Und ich hab es ihnen versprochen“ lacht Hallmayer.

Besonderes Stück Nummer 2: Berthold Biesinger als Bauer Karle Hofreiter in Dietlinde Ellsässers „Der Feierabendbauer“ unter der Regie Hallmayers. Und zwar deshalb, weil dieser als Wirtshausstück konzipierte Monolog über das Schicksal des heutigen Bauern tatsächlich landauf, landab in dörflichen Wirtshäusern gespielt wird. Wo Biesinger dann schon mal ein „Das stimmt überhaupt nicht!“ entgegengeschleudert wird oder ein „Wird das auch noch lustig?“ Was dann doch darauf schließen lässt, dass das Melchinger Volkstheaterverständnis nicht von allen Bauern geteilt wird. Jedenfalls wird hier Theater teils wieder als Direktkommunikation ohne die Vermittlung des Fiktiven aufgefasst oder, anders, als reiner Amüsierapparat verstanden.

Besondere Inszenierung 3: Christoph Küsters mit vielen Videosequenzen versehenes Brecht-Fragment „Hans im Glück“. Weil es vom Stück wie von der Regie-Stückästhetik her etwas ganz besonderes war, an das man sich noch lange erinnern wird – wie man das Ergebnis insgesamt auch bewerten mag. Aber solche Stücke haben es gewohnheitsmäßig schwer. Das Publikum war gespalten. Vielen war es von der Grundstimmung her einfach zu düster. Auf die Frage „Wird das auch noch lustig?“ kann hier also getrost geantwortet werden: Nein.

Mit Emmas Glück im Glück

Muss man alle Stücke hier durchgehen? Gewiss nicht. Publikumsrenner mit 3000 Zuschauern war „Emmas Glück“, das sollte man erwähnen. Nicht nur weil der Erfolg wegen des Kinofilms erwartbar war. Sondern weil Heiner Kondschak es spielend schaffte, eine Kinogeschichte auf die Bühne zu holen, in einer ganz erstaunlichen Kreuzung aus einfachen, konventionellen Theaterelementen und wohl dosierter, knitz-schräger Kondschak-Ästhetik. Ein Glücksfall.

Kondschak wird es auch sein, der am 15. September mit der Premiere von „We shall overcome“ die Spielzeit eröffnet – und zwar in der Pausa. Das als erster Appetitanreger der neuen Saison, auf die wir an gleicher Stelle Mitte September vorausblicken werden.

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12.08.2016, 01:00 Uhr
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