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Hirschauer Bürgerversammlung

Viel Stoff, viel Zoff

HIRSCHAU (eik). Baggersee, B 28, Baugebiete: Gleich alle drei B-Themen der Gemeinde kamen am Freitagabend auf der Bürgerversammlung zur Sprache. Zuviel für einen kurzen Abend, zu unterschiedlich die Interessen. Spannend war?s trotzdem: Der Baggersee bekommt ein verändertes Antlitz, neue Baugebiete werden wohl beschlossen und langfristig soll auch der Verkehr beruhigt werden.

22.10.2007

Basisdemokratie kann anstrengend sein: Das zumindest kann Ulrich Latus als Ergebnis der ersten Bürgerversammlung in Hirschau seit zwölf Jahren festhalten. „Sie haben doch gar kein Interesse, sich die Meinung der Leute hier anzuhören!“, war es einem gereizten Hirschauer zu später Stunde am Freitag in Richtung des Ortsvorstehers entfahren.

Langer Atem war erforderlich

Die rund 250 interessierten Bürger waren jedoch an diesem Abend nicht Opfer eines diktatorischen Ortsvorstehers, sondern Zeugen der komplizierten Interessenmischung in Hirschau. Mindestens drei Gründe gab es, dass in der Hirschauer Turn- und Festhalle regelmäßig die Emotionen hochkochten: Die Auswahl der Themen, die schiere Länge des Abends und nicht zuletzt die unglückliche Dramaturgie der Veranstaltung. Erst wurden langjährige Mitarbeiter gewürdigt, dann erschienen für eine gute Stunde Bebauungspläne auf dem Bildschirm, gefolgt von einem Referat über den Baggersee, seine „Neophyten“ und seine „Limnologische Situation“. Anstrengend.

Die Details der Kindergarten-Misere im Ort waren genauso Thema wie die Sanierung der Trockenmauern, die die Hänge des Spitzbergs zieren. Dabei wollten die meisten Hirschauer doch nur eines: Konkret wissen wie's weitergeht mit Baggersee und B 28 und endlich drüber diskutieren.

Oberbürgermeister Boris Palmer aber warb erst noch für ein Wachstum der Gemeinde nach innen. Sein Rezept: Baulücken an Häuslebauer verkaufen, die zahlreichen Scheunen zu Wohnraum machen und hässliche Garagenflächen durch Mehrfamilienhäuser ersetzen. Der Appell kam grundsätzlich gut an, auch wenn seine sehr konkrete Berechnung des Wohn-Potentials für Belustigung sorgte: Die 54 Baulücken böten demnach Raum für 170 zusätzliche Hirschauer. Die 20 Scheunen sollten 40, die hässlichen Garagenflächen sogar 45 neuen Nachbarn Platz bieten. „Und wo stell' dann ich dann meinen Traktor hin?“, grübelte einer während des Vortrags.

Detailreiches Grobkonzept

Vorerst also wird wohl die Erschließung der Käppelesäcker für Wohnraum sorgen, während am Rittweg Gewerbefläche entsteht. Wiederholt wurden die Redner von engagierten Hirschauern unterbrochen, die dann ihr je eigenes Thema besprochen haben wollten: „Ich will nicht bis zehn Uhr warten!“ schallte es etwa aus einer Ecke, die die verkehrsreiche Dorfstraße endlich beruhigt sehen mochte.

Zur Zukunft des Baggersees stellte Ute Krommes vom städtischen Planungsamt ihr Detail-strotzendes „Grobkonzept“ vor. Von Vogelschutz und Wasserqualität bis zur Wegeführung reichen ihre Vorschläge (das TAGBLATT berichtete mehrfach). Als in Krommes Konzept auch Projekte wie ein „Vogel-Beobachtungsturm“, die „Gestalterische Einbindung des Kiesabbaus“ und die Aufwertung des Platzes durch die „recht nett anzuschauenden“ vorhandenen Industrieanlagen zum Thema wurden, mussten viele Hirschauer lächeln angesichts von so viel gestalterischem Ehrgeiz.

Das Wort vom „Seepark“, das Krommes benutzte, klang den einen zu utopisch, während andere eine Über-Regulierung des See-Betriebs fürchteten: „Wir wollen doch alle Menschen bleiben!“ gab ein Hirschauer zu bedenken.

Menschlich und vor allem lärmarm soll in ferner Zukunft auch die Ortsdurchfahrt Hirschaus werden. Palmer und Latus versprachen, sich weiter dafür einzusetzen. „Aber einfach wird das nicht“, betonte der OB.

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Erstellt:
22. Oktober 2007, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
22. Oktober 2007, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 22. Oktober 2007, 12:00 Uhr

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