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Über neun Millionen Euro werden investiert

Viel Bauwerk am Schulberg

So viel Umtrieb war lange nicht mehr auf dem Schulberg. Ein Großprojekt und eine Reihe kleinerer Bauvorhaben sollen das verschlafene Quartier über der Mühlstraße beleben. Insgesamt werden dort von Stadt, Land und Privatinvestoren über neun Millionen Euro verbaut.

05.04.2012

Von Sepp Wais

Tübingen. Die Planungen für den Schulberg reichen 15 Jahre zurück. Dabei ging es stets darum, größere Handelsflächen zu schaffen und so mehr Kundschaft in diese Altstadt-Ecke zu locken. Daneben drängte sich ein anderes Problem in den Vordergrund: Die 125 Jahre alten Mauern, die den 30 Meter hohen Hang wie ein steinernes Korsett stützen, drohten einzustürzen. Es musste also gehandelt werden. Das TAGBLATT ließ sich von Bernd Selbmann, dem Leiter des staatlichen Bauamts, und dem städtischen Tiefbau-Chef Albert Füger erläutern, was am Schulberg schon geschehen ist, was derzeit in Arbeit ist und was noch aussteht.

Mühlstraßen-Mauer: Beim Ausbau der Mühlstraße im Jahr 2009 zeigte sich, dass der Hang hinter der Stützmauer noch weicher und breiiger war, als eh schon befürchtet. Deshalb mussten 60 stählerne Gewindestangen 18 Meter tief in den Berg getrieben und einbetoniert werden, um die Mauer zu sichern. Kosten für die Stadt: 300 000 Euro.

Schulberg-Süd: Im Jahr 2010 ließ das staatliche Bauamt die marode Stützmauer an der Südflanke des Bergs sanieren. Das 30 Meter lange und fünf Meter hohe Bollwerk über der Neckargasse wurde ausgebessert, mit Kalkmörtel verfugt und mit neun Meter langen Betonankern befestigt. Kosten fürs Land: 660 000 Euro.

Aussichtsplattform: Mit der Sicherung dieser Mauer ergab sich die Möglichkeit, den dahinter liegenden Garten intensiver zu nutzen und erstmals öffentlich zugänglich zu machen. Ein Teil davon dient inzwischen der im Pfleghof untergebrachten Kita als Spielplatz, eine andere Ecke bleibt für die Beschäftigten des im ehemaligen Abthaus residierenden Insolvenzgerichts reserviert. Dazwischen aber wird es bald einen Durchgang zu einer Plattform geben, die einen weiten Ausblick bis hin zum Albtrauf bietet.

Schulberg-Ost: Im Jahr 2011 gab das staatliche Bauamt die Sanierung der Stützmauern am östlichen Schulberg-Hang in Auftrag. Wenn keine unvorhergesehenen Schwierigkeiten auftreten, kommen auf das Land dafür Kosten in Höhe von 980 000 Euro zu. Ein Teil der Mauern am Osthang, überwiegend im unteren Bereich, gehört der Stadt, die ihren Sanierungsaufwand auf 490 000 Euro beziffert. 295 000 Euro davon schießt das Land aus seinem Fördertopf für das „Sanierungsgebiet Östlicher Altstadtrand“ zu. Im Oktober wollen Stadt und Land mit dem Mauerbau am Schulberg fertig sein.

Treppe zum Schulberg: Bis dahin soll auch die (heiß umstrittene und schließlich per Bürgerbegehren erfolglos bekämpfte) Betontreppe an der Mühlstraße 3 offen sein, die sechs Meter hoch zum neuen Fußweg über der Stadtmauer führt. Nach halbjähriger Bauzeit ist der 130 000 Euro (60 Prozent vom Land) teure Aufgang jetzt bis auf wenige Restarbeiten fertig. Da die Treppe eh noch nicht zu gebrauchen ist, hat es das Tiefbauamt damit nicht eilig.

Treppenvorplatz: Das Gleiche gilt für den 45 000 Euro teuren Vorplatz, der (bis auf eine Pflanzscheibe für einen Schnurbaum) gepflastert wird. Im Übrigen wird der kleine Platz mit zwei Sitzbänken an der Betonwand und 20 Fahrrad-Ständern möbliert.

Fußweg am Schulberg: Kernstück der städtischen Bemühungen zur Belebung des Schulbergs ist der neue Fußweg. Er macht den Hang erstmals öffentlich zugänglich und erfüllt damit eine wesentliche Voraussetzung für die Finanzhilfe des Landes zur Sanierung der städtischen Mauern. Der zwei Meter breite Asphaltweg führt – teils von Sockelmauern, teils von Geländern flankiert – oberhalb der Mühlstraßen-Mauer von der Betontreppe bis zum neuen Abgang durch die (bald renovierte) „Tangente night“ am Lustnauer Tor. Kurz vor dem Abgang gibt es einen Abzweig zur Pfleghofstraße. Die Kosten beziffert Füger auf 520 000 Euro, die wiederum zu einem Gutteil das Land übernimmt.

Grünflächen: Die abschüssigen Terrassen am Schulberg bleiben aus Sicherheitsgründen fürs Publikum tabu. Auf den Grünflächen will Selbmann künftig kein wildes Gestrüpp mehr, sondern nur noch eine kurze Grasdecke und einige wenige Bäume dulden. Zu gefährlich und zu teuer wäre seiner Ansicht nach auch ein direkter Aufstieg zum Pfleghof oder zur Plattform beim Abthaus.

Ein Blick auf die größte Baustelle am Schulberg, wo der Sigmaringer Bauträger Steidle über fünf Millionen Euro in einen teils neuen, teils sanierten Wohn- und Geschäftskomplex investiert. Im Hintergrund zeichnen sich bereits die Ausmaße des rückwärtigen Anbaus an das Haus Pfleghofstraße 6 ab. Links im Vordergrund plant auch der Tübinger Geschäftsmann Otto Mayer einen einstöckigen Anbau an sein elterliches Haus. Vorerst hat er sein Grundstück aber den Bauarbeitern der Firma Steidle überlassen. Bild: Metz

Die größte Baustelle am Schulberg wurde im Herbst 2011 vom Sigmaringer Bauträger Steidle aufgemacht. Sein auf 5,3 Millionen Euro veranschlagtes Projekt beinhaltet zum einen die Sanierung und rückwärtige Erweiterung des Hauses Pfleghofstraße 6. Zum anderen wird das (bereits abgerissene) Nachbarhaus Pfleghofstraße 8 durch einen größeren, bis zur Mühlstraßen-Mauer reichenden Neubau ersetzt. Dadurch wird Platz für einen 600 Quadratmeter großen Alnatura-Laden geschaffen, der im Dezember eröffnet werden soll. Die neun Wohnungen darüber sollen Ende des Jahres bezugsfertig sein.
Nebenan plant der Geschäftsmann Otto Mayer einen rückwärtigen Anbau an sein elterliches Haus in der Pfleghofstraße 4/1. Er möchte dort ein Café oder einen Laden einquartieren, hat bisher aber noch keinen Pächter gefunden. Kommentar: Fehlt noch die Serenade im Pfleghof 05.04.2012

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Erstellt:
5. April 2012, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
5. April 2012, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 5. April 2012, 12:00 Uhr

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