Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden

Video: Familienministerin von der Leyen besuchte das Mössinger Mehrgenerationenhaus

Zwei Minuten vor zehn Uhr stoppte die silberblaue Limousine in der Mössinger Falltorstraße. Die Bundesfamilienministerin war überpünktlich. Ursula von der Leyen besuchte am Donnerstag das Mehrgenerationenhaus.

05.02.2009

Mössingen. Bevor die Familienministerin anrollt, ist für Renate Butt schon „der Supergau“ passiert. Die ehrenamtliche Geschäftsführerin des Mehrgenerationenhauses hat irgendwo den Zettel mit ihrer Rede verloren. Ohnehin darf sie die Gäste nur eine Minute begrüßen. Die Redezeit ist vom Ministerium genau vorgegeben. „Ich freue mich unheimlich, dass Sie da sind“, sagt sie zu Ursula von der Leyen in dem kleinen Veranstaltungsraum unter dem Dach des Mehrgenerationenhauses, wo sich Besucher, Mitarbeiter, Land- und Bundestagsabgeordnete drängen.

Die Familienministerin hat ihre Rede im Kopf, nur die Hände halten sich am Manuskript fest. Stattdessen lächelt sie unentwegt ins Publikum und die Kameras. Klein ist sie und sehr schlank, sie trägt einen dunklen Hosenanzug und Perlenohrringe. So wie man sie zumeist im Fernsehen sieht. „Die Familie hat sich verändert, sie ist kleiner geworden, hat sich weit entfernt von der Großfamilie“, sagt von der Leyen, die siebenfache Mutter.

„Aber die Werte und die Sehnsucht danach haben sich nicht verändert.“ Deshalb sollten die Mehrgenerationenhäuser Orte sein, wo Menschen jeglichen Alters ihren Alltag gestalten, ohne verwandt zu sein. Vor allem die Älteren, „die mehr Zeit haben und fitter sind wie nie zuvor“, könnten hier ihre Erfahrungen weitergeben.

Junge Menschen seien doch nicht anders als früher, findet von der Leyen, oft hätten sie jedoch kein älteres Vorbild. Und die mittlere Generation, die Hilfe brauche bei der Erziehung und bei der Pflege der Älteren habe früher im Haus „geklönt“, heute könnten sie sich im Mehrgenerationenhaus austauschen.

„Nicht jede Generation sollte unter sich bleiben. Lasst sie uns mischen!“ Je mehr man miteinander umgehe, desto weniger Vorurteile gebe es. „Gute alte Werte weiterzutragen, muss das Prinzip eines modernen Landes sein. Fest verwurzelt, aber offen für das, was die Zukunft bringt.“ Mehrgenerationenhäuser seien keine Problemlöser, sondern eine Chance, sagte sie und wünschte viele helfende Hände.

Dass das Engagement der ehrenamtlichen Mitarbeiter mit dem Besuch einer Ministerin gewürdigt wird, dafür hat die CDU-Bundestagsabgeordnete Annette Widmann-Mauz gesorgt, die von der Leyen nach Mössingen eingeladen hat. „Wir haben es lange versucht. Aber was man mal anmeldet, wird nicht vergessen.“

Die SPD-Bundestagsabgeordnete und Patin des Mössinger Mehrgenerationenhauses Herta Däubler-Gmelin hat aus terminlichen Gründen abgesagt und ihre Bundestagskollegin Heike Hänsel (Linke) hat sich wegen Krankheit entschuldigen und ein Fax verlesen lassen.

Landrat Joachim Walter, der mit Hans-Jürgen Stiller vom Kreisseniorenrat nach vorne tritt und dem zwei Minuten Redezeit bleiben, verspricht, mit den Mitteln aus Berlin die Angebote weiter zu vernetzen. „Wir machen was draus!“

Oberbürgermeister Werner Fifka sagt in drei Minuten, das Mehrgenerationenhaus sei ein Beispiel dafür, „dass die Stadt nicht nur vom Ehrenamt redet und ans Geldsparen denkt“. Er erinnert, wie die Stadt vor acht Jahren das Haus kostenlos dem damaligen Mütterzentrum übergeben hat. Nach dem Eigenlob lobt er die Ministerin und überreicht ihr die Siegermischung aus der Mössinger Kaffeerösterei. „Sie haben das Thema Kinder und Familie in Deutschland auf die Siegerstraße gebracht.“ Und von der Leyen fragt: „Woher wissen Sie, dass ich eine Kaffeetante bin?“

Bevor die Ministerin einen Stock tiefer eine Tasse Kaffee serviert bekommt, hockt sie sich zwischen Vorschulkinder auf einen kleinen Stuhl und schaut einen Film von Erich Niethammer, Mitglied im Agendakreis „Anders älter werden“ und dem Netzwerk Streuobst, an. Er zeigt Kinder, wie sie mit einer alten Presse Apfelsaft herstellen. Dann entdeckt sie auf einem Tisch kleine Apfelschnitzmaschinen. „Zeigt mir mal, wie das geht. Wo tue ich den Apfel rein?“, ruft von der Leyen und kurbelt und schält. „Habt ihr schon mal was von Vitaminen gehört, die sitzen hinter der Schale“, sagt sie und schiebt die Schale in den Mund. Das gefällt den Fotografen, das weiß sie.

Danach positioniert sie sich auf einem Sofa neben Ingeborg Bornhak, einer ehrenamtlichen Mitarbeiterin, die gerade Kleinkindern vorliest. „Darf ich mich zu euch setzen?“, hat von der Leyen gefragt. Später singt sie fröhlich mit ihnen „Alle meine Entchen“. Im Second-Hand-Laden des Mehrgenerationenhauses betont sie, wie unverwüstlich doch manches Holzspielzeug sei und über Generationen halte und sie staunt wie „hoch professionell hier gearbeitet wird“.

Zu einer Mitarbeiterin sagt sie: „Vielen Dank für Ihren Einsatz.“Mit einer Mutter tauscht sich von der Leyen über schlaflose Nächte aus. „Beim siebten Kind habe ich gedacht, oh Gott. Aber auch: Es kommt eine Zeit, da wirst du nachts nicht mehr geweckt.“ Ein kleines Mehrgenerationenhaus hat sie selbst zu Hause. Vor einem Jahr ist die Familie zu ihrem kranken Vater gezogen. „Die Erfahrung hat mir gezeigt, dass man den Alltag besser schafft, wenn er auf mehrere Schultern verteilt ist“, sagt sie zu unserer Zeitung. „Jeder hat seinen Platz, wird gebraucht und man lernt voneinander.“ Ihr Vater habe immerhin 30 Enkel.

Ursula von der Leyen sagt, eine Tochter lebe in Süddeutschland. Diese hat sie am Vorabend besucht. Von Mössingen aus fährt sie nach Tuttlingen, Kirchheim und Stuttgart, am folgenden Tag nach Bayern und zurück nach Hannover. „Mehr als zwei Nächte kann ich nicht von meinen Kindern getrennt sein, sonst schmerzt mir das Herz.“ Eineinhalb Stunden war sie in Mössingen. Renate Butt hat das gereicht: „Es macht Lust weiterzumachen, wenn man so gewürdigt wird.“

Über das Mössinger Mehrgenerationenhaus

Deutschlandweit gibt es inzwischen 500 Mehrgenerationenhäuser. Mindestens eines in jedem Landkreis. Im Aktionsprogramm des Bundesfamilienministeriums erhält jedes Haus über einen Zeitraum von fünf Jahren jährlich 40.000 Euro an Förderung aus dem Europäischen Sozialfond. Das Mehrgenerationenhaus in Mössingen besteht seit über 20 Jahren als Mütter- und Familienzentrum. Es bietet soziale Dienstleistungen, Rechts- und Geburtsberatung, ein Second-Hand-Laden, Hausaufgaben- und Kinderbetreuung. Durch ihre Arbeit werden regionale Netze geknüpft.

Familienministerin von der Leyen in Mössingen

Videoplayer konnte nicht geladen werden.

Familienministerin von der Leyen in Mössingen --

02:44 min

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

05.02.2009, 12:00 Uhr
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden

Newsletter-bestellen

· Samstags verschicken wir die News der Woche, unser Klassiker: Die wichtigsten Themen und Geschichten direkt im E-Mail-Postfach. So bleiben Sie auch in der Ferne immer informiert, was in und rund um Tübingen passiert.
· Werktags versenden wir um 9 Uhr die News am Morgen mit den wichtigsten aktuellen Nachrichten.
· Sonntagabend kommt unser Sport-Newsletter mit den wichtigsten Lokalsport-Berichten und Ergebnissen vom Wochenende.

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder sich neu als Benutzer registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter (nur falls Sie weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese) verwendet. Ihre Daten werden nicht an andere Unternehmen weitergegeben.
Nachrichten via Messenger
Die wichtigsten Neuigkeiten aus der Region liefern wir Ihnen auch per WhatsApp & Co. aufs Smartphone. Um diesen Service zu nutzen, öffnen Sie tagblatt.de/whatsapp bitte mit einem entsprechenden Mobilgerät.
Heute meistgelesenNeueste Artikel

Nachrichten aus ...
Reutlingen Wannweil Pliezhausen Walddorfh�slach Ammerbuch T?bingen Dettenhausen Kirchentellinsfurt Kusterdingen Gomaringen Dusslingen Ofterdingen Mössingen Nehren Bodelshausen Hirrlingen Neustetten Rottenburg Starzach Horb
Das Tagblatt bei
Facebook Google+ Twitter Instagram
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesen
Wirtschaft im Profil
Neueste Artikel
Sozialwohnungen Offensive mit einem Haken
Angelika Bachmann über eine Erkenntnis 30 Jahre nach dem Abitur Sechs Algorithmen in einem karierten Schulheft
Anzeige

Themen-Dossiers

Themen-Dossiers
Single des Tages
date-click
Das Tagblatt als E-Paper

Kontakt zum Kundenservice

Abonnement
07071/934-222
vertrieb@tagblatt.de

Anzeigen
07071/934-444
anzeigen@tagblatt.de

Kontakt zu den Redaktionen

Schwäbisches Tagblatt Tübingen
07071/934-0
redaktion@tagblatt.de

Neckar-Chronik Horb
07451/9009-30
nc@neckar-chronik.de

Tagblatt Online         
07071/934-314
online@tagblatt.de

Steinlach-Bote Mössingen
07473/9507-0
sb@tagblatt.de

Rottenburger Post
07472/1606-16
ro@tagblatt.de

Reutlinger Blatt
07121/3259-50
rt@tagblatt.de

Tagblatt Anzeiger
07071/934-344
tagblatt-anzeiger@tagblatt.de

Wirtschaft im Profil
07071/934-166
wip@tagblatt.de


Oder nutzen Sie unser Kontaktformular