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Verwirrender Tropfen
Um ihn geht es: Eine Flasche des „Glen Buchenbach.“ Foto: Gabriel Habermann/ZVW
EuGH

Verwirrender Tropfen

Darf ein schwäbischer Whisky „Glen“ heißen oder täuscht das eine schottische Herkunft vor? Seit Jahren gibt es Streit um ein Nischenprodukt.

23.02.2018
  • CAROLINE STRANG

Berglen. Das Problem ist nicht die Flasche und nicht der Inhalt, ein Whisky der Waldhornbrennerei Klotz aus Berglen bei Stuttgart, sondern das, was darauf steht: Glen Buchenbach. Die Familie Klotz mochte das Wortspiel. „Glen“ ist ein gälisches Wort für Tal und passe gut zum nahe gelegenen Buchenbachtal, außerdem ist es im Ortsnamen „Berglen“ enthalten.

Die Scotch Whisky Association (SWA) fand das nicht gut und geht seit 2013 gegen die Verwendung des Wortes „Glen“ für den schwäbischen Whisky vor. Die Namenswahl sei „ein Versuch, das Ansehen der registrierten geografischen Herkunftsangabe Scotch Whisky auszunutzen“. Die Lobbyvereinigung der schottischen Whiskyhersteller, von denen ein Viertel den Begriff „Glen“ im Namen trägt wie Glennfiddich und Glen Grant, befürchtet also, dass die Verbraucher durch diesen Namen davon ausgehen, einen schottischen Whisky zu kaufen.

100 Brenner im Land

Whisky aus Baden-Württemberg ist ein Nischenprodukt. Es gibt mehr als 14 000 aktive Kleinbrennereien im Land, aber nur rund 100 davon brennen nach Schätzungen auch Whisky. Trotzdem ist das Bundesland Spitzenreiter im Brennwesen, was mit der kleinstrukturierten Landwirtschaft zu tun hat, wie Klaus Lindenmann, Geschäftsführer des Verbands der Kleinobstbrennereien erklärt. Jedes Jahr geben aber 1 bis 2 Prozent der Brennereien auf. Andere entdecken neue Möglichkeiten – wie Whisky.

Erleichtert wird das durch die Öffnung der Brennerlaubnis, die in diesem Jahr in Kraft getreten ist. Claudia Metzler vom Verbandsbereich Südwürttemberg und Hohenzollern umschreibt die neuen Möglichkeiten mit: „Jeder darf jetzt alles brennen.“ Ihr Sohn Andreas Metzler, Destillateurmeister, erklärt, dass viele Brenner nach neuen Ideen und Herausforderung suchen. Die Destillerie Immanuel Gruel in Owen/Teck brennt schon seit den 80er Jahren ihren Tecker Whisky, ganz neu gibt es einen derartigen Getreidebrand in Biberach/Riss, wie Metzler erzählt. Für Kleinbrennereien sei es einfacher, auch mal etwas auszuprobieren, sagt Lindenmann.

Allerdings beobachten die Schotten genau, was mit ihrem Nationalgetränk passiert. Dabei ist das Wort „Glen“ selbst nicht als Ursprungsbezeichnung oder geografische Herkunftsangabe geschützt wie Champagner oder Schwarzwälder Schinken.

Sabine Holzäpfel von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg schätzte die Chancen für die SWA deshalb vorab als gering ein. Außerdem: „Auf der Flasche steht direkt im Sichtfeld „Schwäbischer Whisky“, die Kennzeichnung ist auf Deutsch und der Name der Brennerei steht darauf“, erklärt die Expertin. Da sei die Gefahr der Irreführung gering. „Der Verbraucher erfährt eindeutig, dass es kein schottischer Whisky ist.“

Wieviel sie mit dem Whisky im Jahr verdient, kann Gerlinde Klotzvon der Waldhornbrennerei nicht sagen. 50 EUR kostet ein halber Liter, zu haben auf Wochenmärkten, im Hofladen und im Internet. Der Whisky kommt gut an, auch wegen der Aufmerksamkeit durch den Rechtsstreit, sagt sie.

Das Verfahren ist vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) gelandet. Dem Urteil sah Gerlinde Klotz mit Bauchweh entgegen, aber auch mit Hoffnung. „Es gibt ja nicht nur in Schottland Täler, Glens, die Bezeichnung gibt es auch in Irland, Australien, sogar in Schweden.“ Aufgeben kam für sie nicht in Frage, auch wenn die Gegenseite ihren Aussagen nach im Jahr 5 Mio. EUR für Rechtsstreitigkeiten zur Verfügung hat. „Wir müssen die Kosten mit unserer Hände Arbeit erwirtschaften.“

Urteil in einigen Wochen

Der EU-Generalanwalt sah gestern dann doch die Gefahr der Irreführung. Entscheidend sei, ob der durchschnittliche Verbraucher bei „Glen“ automatisch an „Scotch Whisky“ denke. Das Landgericht Hamburg solle das prüfen. Ein Urteil des EuGH wird in einigen Wochen fallen, dann geht es wohl in Hamburg weiter.

Jürgen Klotz war in Luxemburg dabei. Er ist trotzdem optimistisch: „Liest man das ganze 20-seitige Gutachten, erkennt man, dass der Experte eigentlich keine inhaltliche Verwechslungsgefahr sieht.“ Die kleine Brennerei aus Berglen wartet nun ab. Und will bis zum endgültigen Urteil nicht aufgeben.

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23.02.2018, 06:00 Uhr
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