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Prozess

Verteidigung will Hirntumor bei „Oma“ ausschließen

Weitere Beweisanträge bringen den Zeitplan des Heilbronner Landgerichts durcheinander.

19.02.2019

Von Hans Georg Frank

Heilbronn. Ein Urteil im Prozess um Oles Tod ist nicht in Sicht. Die für gestern vorgesehenen Plädoyers konnten im Landgericht Heilbronn nicht gehalten werden, weil die Verteidigung neue Beweisanträge stellte. Vor allem soll eingehend überprüft werden, ob die angeklagte Elisabeth S. (70) nicht so schwer erkrankt ist, dass sie schuldunfähig ist.

Der Vorsitzende Richter Roland Kleinschroth reagierte auf Teile der Anträge der Rechtsanwältin Anke Stiefel-Bechdolf sichtlich gereizt. Er verstand manche Passage so, dass behauptet werde, „das Gericht macht wieder alles falsch“. Dabei nutzte die Juristin die Möglichkeit der Strafprozessordnung, den Wiedereinstieg in die Beweisaufnahme zu beantragen. Sie kritisierte die ihrer Ansicht nach völlig unzureichende psychiatrische und medizinische Begutachtung der Ersatz-Oma aus Künzelsau. Deshalb soll sie von Sachverständigen untersucht werden. Selbst eine MRT-Untersuchung sei notwendig, um einen Hirntumor auszuschließen.

Die Witwe, die den Siebenjährigen laut Anklage Ende April 2018 in ihrem Haus im Schlaf erwürgt haben soll, sei „eine Frau, in deren Nähe man sich wohlfühlte“, erinnerte Stiefel-Bechdolf an Zeugenaussagen. Deshalb sei es umso merkwürdiger, dass sie „eine unverständliche Tat“ begangen haben soll. Zwar hatte Elisabeth S. die Verantwortung für den Tod des Buben übernommen. Dies sei eventuell nur unter „dem Druck des Verfahrens“ geschehen. Sie habe stets bestritten, Ole getötet zu haben. „Es sind weitere Untersuchungen notwendig, um das Warum der Tat zu klären.“

Ein Bruder der Angeklagten soll bestätigen, dass er bei seiner Schwester „seit Jahren massive depressive Störungen beobachtet“ habe, die zuletzt „Besorgnis erregend“ gewesen seien. Die Familie habe die Frau zu einer psychiatrischen Behandlung zwingen wollen. Das Gericht weiß davon nichts, weil der Bruder die Aussage verweigert hatte. „Um seine Vernehmung werden wir wohl nicht herumkommen“, sagte der Richter.

Die Anklage lautet zwar auf Totschlag. Aber Staatsanwalt und Nebenkläger gehen von Mord aus, was mit lebenslänglicher Freiheitsstrafe geahndet werden müsste. Der Prozess wird am 26. Februar fortgesetzt. Wird dem Antrag auf Begutachtung stattgegeben, kommt die Strafkammer in Zeitnot. Bis Ostern muss ein Urteil fallen, weil danach nicht mehr in der jetzigen Zusammensetzung verhandelt werden könnte. Eine Richterin ist schwanger.

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Erstellt:
19. Februar 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
19. Februar 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 19. Februar 2019, 06:00 Uhr

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