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Tübingen

Versuche an Affen sind weiter möglich

Wissenschaftler Logothetis will nicht mehr an Affen forschen. Die Tübinger Max-Planck-Gesellschaft erwägt eine komplette thematische Neuausrichtung.

06.05.2015

Von MADELEINE WEGNER

Tübingen Der Tübinger Neurowissenschaftler Nikos Logothetis hat angekündigt, nach dem Auslaufen der aktuell genehmigten Versuche nicht mehr an Affen, sondern nur noch an Nagetieren zu forschen. Die Entscheidung sei allerdings aus rein persönlichen Gründen gefallen, stellte der Direktor des Max-Planck-Instituts für Biologische Kybernetik gestern klar. Verzichtbar seien die Versuche an Primaten keineswegs. "Ich bin der festen Überzeugung, dass die menschliche Kognition und damit auch das Wissen über neurologische und psychiatrische Krankheiten nur an Primaten erforscht werden kann", sagt Nikos Logothetis. Nur Primaten hätten vergleichbare Verknüpfungen der Hirnareale und dieselbe Organisation der Hirnrinde wie der Mensch.

Die "Soko Tierschutz" verbuche den Rückzug Logothetis' als "Teilerfolg", wie der Vereinsvorsitzende Friedrich Muelln gestern sagte. Die Organisation hatte im Herbst 2014 über "Stern TV" Filmmaterial ausstrahlen lassen, das ein als Mitarbeiter ins Tübinger Max-Plank-Instituts (MPI) eingeschleuster Tierschützer gemacht haben soll. Darauf sind Rhesus-Affen mit blutenden Köpfen, Tiere in Panik und sich erbrechende Affen zu sehen. Das MPI und die Tierversuche an Primaten stehen seitdem stark in der Kritik. Viele MPI-Mitarbeiter und vor allem Logothetis erhielten Drohbriefe von radikalen Tierschützern.

"Er leidet darunter, dass man ihn als Tierquäler an den Pranger stellt", sagte Christina Beck, Sprecherin der Max-Planck-Gesellschaft in München. Mit den Behörden müsse man nun abstimmen, wie lange die bis 2019 genehmigten Versuche noch laufen sollen. Bauarbeiten am MPI wurden vorerst gestoppt: Zwei Affenhäuser sollten für vier Millionen Euro modernisiert, eine Tierpflegestation für neun Millionen Euro neu gebaut werden.

Bald würden an drei Tübinger Instituten leitende Stellen frei. Daher erwäge die Max-Planck-Gesellschaft eine Neuausrichtung des ganzen Forschungsgebiets. Aber: "Natürlich kann es weiter auch Primatenforschung geben", so Beck. Bundesforschungsministerin Johanna Wanka (CDU) und Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) bedauerten Logothetis' Entscheidung und unterstrichen die Notwendigkeit von Versuchen an Primaten.

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Erstellt:
6. Mai 2015, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
6. Mai 2015, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 6. Mai 2015, 12:00 Uhr

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