Stuttgart

Verstärkte Präsenz nach Krawallnacht

Für das kommende Wochenende kündigt Innenminister Strobl ein großes Polizeiaufgebot an. Auch der Landtag befasst sich mit der Krawall-Nacht – und fordert weitere Aufklärung.

25.06.2020

Von AXEL HABERMEHL

Innenminister Thomas Strobl (CDU) sitzt im Innenausschuss neben Thomas Berger, Polizeivizepräsident von Stuttgart. Foto: Marijan Murat/dpa

Stuttgart. Nach den schweren Ausschreitungen der vergangenen Samstagnacht bereitet sich Stuttgart auf ein möglicherweise turbulentes Wochenende vor. Bei einer nichtöffentlichen Sondersitzung des Landtags-Innenausschuss am Mittwochvormittag kündigte Innenminister Thomas Strobl (CDU) eine deutliche Erhöhung der Polizeipräsenz an.

In den bevorstehenden Nächten und voraussichtlich auch an kommenden Wochenenden werde das Polizeipräsidium Stuttgart, unterstützt vom Präsidium Einsatz, mit mehr Beamten im Einsatz sein. Wie der Ausschussvorsitzende Karl Klein (CDU) berichtete, habe Strobl mehrere Einsatzhundertschaften, Polizeireiter und Hundeführer angekündigt. Zuletzt waren an Wochenenden bereits rund 200 Polizisten in der Innenstadt präsent.

Nicht nur werden die Beamten besonders an Plätzen im Stadtzentrum präsent sein, wo sich an Wochenenden abends Jugendliche und junge Erwachsene niederlassen. Auch sind bisher drei Demonstrationen angekündigt, die abgesichert werden müssen, darunter eine der AfD.

15-Jähriger festgenommen

Strobl berichtete dem Innenausschuss auch von der Festnahme eines weiteren Tatverdächtigen. Dieser sei durch Bildmaterial identifiziert worden. Am Mittwochnachmittag bestätigten Polizei und Staatsanwaltschaft, bereits am Dienstag in Stuttgart einen 15-Jährigen festgenommen zu haben. Er stehe im Verdacht, sich an Plünderungen beteiligt zu haben. Der deutsche Jugendliche sollte im Laufe des Mittwochs einem Haftrichter vorgeführt werden. Damit sind bisher insgesamt 26 Tatverdächtige festgenommen worden.

In der Nacht zum vergangenen Sonntag hatten bis zu 500 Menschen in der Innenstadt randaliert, Polizisten angegriffen, Schaufenster zerstört und Geschäfte geplündert. Weil die Menge an Videos und Fotos von den Krawallen so groß ist, wurde die zuständige Ermittlungsgruppe nun von 40 auf 75 Personen erweitert. Wie berichtet, kommen zur Auswertung des Bildmaterials neben einer Software zur Gesichtserkennung auch besonders begabte und geschulte Beamte, sogenannte „Super Recogniser“, zum Einsatz.

Polizei und Staatsanwaltschaft bestätigten gestern überdies die Echtheit eines im Internet verbreiteten und viel diskutierten Tondokuments. Ein Stuttgarter Polizist hatte darin während der Krawallnacht vom Geschehen berichtet, unter anderem bezeichnete er die Randalierer als „nur Kanacken“. Ein Polizeisprecher sagte dazu auf Anfrage: „Natürlich ist der Begriff Kanacke keineswegs der Stil des Polizeipräsidiums Stuttgart oder der Polizei überhaupt.“ Der Beamte sei identifiziert, Polizei und Staatsanwaltschaft prüften, ob ein Fehlverhalten vorliege. Ein Ermittlungsverfahren sei bisher nicht eingeleitet worden.

Die Krawalle beschäftigten gestern auch das Landtagsplenum. In einer von der SPD beantragten aktuellen Debatte sicherten Redner aller Fraktionen der Polizei Rückhalt und Unterstützung zu. SPD-Fraktionschef Andreas Stoch dankte den Beamten für deren Besonnenheit. Nun müsse aufgeklärt werden. Er warnte vor „billigen politischen Schuldzuweisungen oder einfachsten Erklärungsmustern“. Grünen-Fraktionschef Andreas Schwarz legte sich fest: „Diese Ausschreitungen besoffener junger Männer hatten keinen politischen Hintergrund.“

Der CDU-Innenpolitiker Thomas Blenke forderte „umfassende Aufklärung“. Er möge nicht glauben, „dass hunderte Menschen quasi auf Knopfdruck von fröhlicher Partystimmung in Bürgerkriegsmodus umstellen können“. Der AfD-Fraktionschef Bernd Gögel sprach von „extremistischen Gewalttaten“. FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke warnte vor Verharmlosung des Geschehens. „Diese Subjekte sind kriminelle Schwerverbrecher“, sagte er über die Täter.

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Erstellt:
25. Juni 2020, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
25. Juni 2020, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 25. Juni 2020, 06:00 Uhr

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