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Fluch der niedrigen Zinsen

Versprochene Pensionslasten werden zur tickenden Zeitbombe für viele Unternehmen

Als es noch höhere Zinsen gab, haben viele Unternehmen großzügigere Pensionszusagen an ihre Mitarbeiter gemacht. Das kann ihnen jetzt bei den andauernd niedrigen Zinsen zum Verhängnis werden.

17.10.2015
  • DPA

Frankfurt Es sollten eigentlich paradiesische Zeiten für die Finanzchefs: Schulden machen und dafür kaum noch etwas bezahlen. Doch die historisch niedrigen Zinsen sind nicht nur ein Segen. Dort, wo es um die langfristige Anlage von Vermögen geht, sind sie nicht nur für Kleinsparer zu einem Fluch geworden. Zu einem Problem haben sich die Pensionsversprechen entwickelt, die die Konzerne ihren Mitarbeitern gemacht haben.

Experten befürchten schlimme Folgen bis hin zu Unternehmenspleiten. Die Zinsschmelze lässt die Pensionslasten sprunghaft steigen. "Je niedriger der Zins, desto höher die anzusetzenden Rückstellungen", sagt der Rentenexperte Mark Walddörfer von der Beratungsfirma Longial. "Die Faustformel sagt: Sinkt das Zinsniveau um einen Prozentpunkt, müssen die Unternehmen ihre Pensionsrückstellungen um 20 Prozent erhöhen", ergänzt der Vorstandssprecher des Instituts der Wirtschaftsprüfer (IDW), Klaus-Peter Naumann.

Das Risiko trifft weniger die Beschäftigten. Einmal gemachte Zusagen sind auch im Fall einer Insolvenz sicher, betonen die Fachleute.

Rückstellungen für Betriebsrenten sind ein Stück weit virtuell. Die Unternehmen halten das Geld nicht einfach auf dem Girokonto vor, sondern legen es an, oft in Betriebsvermögen wie den eigenen Fabriken. Dennoch müssen sich die Rückstellungen am Zinsniveau orientieren. "Das kann also dazu führen, dass die Unternehmen in ihrer Bilanz eine Verschlechterung ihrer wirtschaftlichen Lage darstellen müssen, obwohl es de facto keine Veränderung gibt und die Geschäfte gut laufen."

Die niedrigen Zinsen ließen die Pensionsverpflichtungen allein der Dax-Konzerne laut der Beratungsgesellschaft Towers Watson 2014 um ein Viertel auf 372 Mrd. EUR steigen. Die größten Probleme gibt es oft bei Traditionsunternehmen, die ihren Mitarbeitern üppige Versprechungen gemacht haben. So musste ThyssenKrupp seine Pensionsrückstellungen in der ersten Hälfte des gerade abgelaufenen Geschäftsjahres um fast 1,2 Mrd. EUR erhöhen. Das ließ das Eigenkapital des hochverschuldeten Unternehmens deutlich schmelzen. Der Strumpfhersteller Kunert meldete wegen seiner Pensionslasten schon 2013 Insolvenz an.

Während die nach internationalen Regeln bilanzierenden Dax-Konzerne die Zinssenkungen schon großteils in den Bilanzen eingearbeitet haben, kommt das dicke Ende auf viele Mittelständler noch zu. Sie bilanzieren nach deutschem HGB-Recht. Um Stichtagsschwankungen zu vermeiden, müssen bei der Berechnung ihrer Rückstellungen den durchschnittlichen Marktzins der vergangenen sieben Jahre anwenden. Die Folge: Der Zinsverfall schlägt sich erst mit Verzögerung nieder. Falls der Gesetzgeber nicht gegensteuert, rechnet das IDW 2015 mit einem Rückgang des Rechnungszinses von 4,5 auf 3,9 Prozent.

Der Zeitraum von sieben Jahren wurde erst 2009 ins Handelsgesetzbuch aufgenommen, denn das war der Rahmen für einen Zinszyklus. Der hat sich aber mit der neuen Geldpolitik der Notenbanken verschoben. Der Bundestag hat die Regierung bereits aufgefordert, den Bezugsrahmen zu erweitern.

Das Problem mildern könnten auch die Unternehmen, in dem sie keine konkreten Leistungen mehr für ihre Pensionäre versprechen, sondern lediglich zusagen, einen bestimmten Betrag pro Monat in Vorsorgekassen einzuzahlen.

Versprochene Pensionslasten werden zur tickenden Zeitbombe für viele Unternehmen
Renten: Für viele Firmen ein teures Versprechen. Foto: © Gina Sanders/fotolia.com

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17.10.2015, 12:00 Uhr
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