Hochwasser

Versicherung gegen Starkregen für unter 100 Euro im Jahr

Viele der Gebäude im Katastrophengebiet sind nicht gegen Elementarschäden abgesichert. Angesichts des Klimawandels gewinnt das Thema an Bedeutung.

24.07.2021

Von D. Keller & D. Torebko

In den Katastrophengebieten sind viele Bahngleise in Mitleidenschaft gezogen. Foto: Oliver Berg/dpa

Berlin. Sorgenvoll blicken viele in den Katastrophengebieten in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen zum Himmel. Denn am Wochenende droht in der Region erneut Starkregen – wo genau, kann der Deutsche Wetterdienst erst kurzfristig sagen. Bei der Katastrophe vor einer Woche kamen mindestens 175 Menschen ums Leben.

Unterdessen gewinnt die Diskussion über eine Versicherungspflicht für Wohnhäuser gegen Elementarschäden an Fahrt. Die deutschen Versicherer lehnen sie nicht grundsätzlich ab. Sie könne aber allein die Folgen des Klimawandels nicht tragen, sagte der Hauptgeschäftsführer des Branchenverbands GDV, Jörg Asmussen, im Deutschlandfunk. „Wir brauchen vor allen Dingen mehr Prävention, beispielsweise weniger Versiegelung von Flächen.“ Derzeit seien 99 Prozent der Gebäude versicherbar – und auch zu akzeptablen Kosten. Abgesichert sind aber nur 46 Prozent.

Der Elementarschutz ist schon für unter 100 Euro pro Jahr zu haben, ergab im März eine Untersuchung der Stiftung Warentest. Das gilt für die niedrigste der vier Gefährdungsklassen, in die 92 Prozent aller Gebäude eingestuft sind. Der größte deutsche Versicherer Allianz nennt als Beispiel für ein Einfamilienhaus in München mit 150 Quadratmetern Wohnfläche 91 Euro im Jahr. In der höchsten Gefahrenklasse vier sind es 581 Euro. In diese Klasse sind 0,4 Prozent aller Gebäude eingestuft, weil sie statistisch mindestens einmal in zehn Jahren von Hochwasser betroffen sind. Schäden am Hausrat müssen extra im Rahmen der Hausratversicherung abgedeckt werden. Gemessen daran, was eine Kfz-Versicherung koste, sei das relativ wenig, sagte Asmussen. Das Problem sei das eine Prozent der Gebäude, das nicht versicherbar sei. Dafür müsse man sich gesamtgesellschaftlich eine Lösung überlegen.

Die Deutsche Bahn ist für solche Katastrophenfälle gar nicht versichert. Deshalb ist sie auf Hilfe von Bund und Ländern angewiesen. Den Schaden schätzt sie auf 1,3 Milliarden Euro. 600 Kilometer Schienenweg, 180 Bahnübergänge, 1000 Oberleitungs- und Signalmasten sowie 40 Stellwerke müssen wieder in Gang gebracht werden. „In dieser Dimension wurde unsere Infrastruktur noch nie auf einen Schlag zerstört. Wir stehen vor einem gewaltigen Kraftakt“, sagte der zuständige Vorstand der DB Netz, Volker Hentschel. Bis Jahresende sollen die Strecken wiederaufgebaut werden. Für die Bahn geht es auch darum, die Infrastruktur auf den neuesten Stand zu bringen und widerstandsfähiger gegen Stürme und Fluten zu machen. So prüft sie beim Wiederaufbau, ob Strecken elektrifiziert oder Brücken mit größerer Spannweite wiedererrichtet werden können. Dann kann sich Treibgut nicht so leicht stauen. „Aber klar ist auch: Einen hundertprozentigen Schutz wird es nicht geben. Deshalb ist es wichtig, den CO2-Ausstoß zu vermeiden“, sagte Hentschel.

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Erstellt:
24. Juli 2021, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
24. Juli 2021, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 24. Juli 2021, 06:00 Uhr

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