Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Vermögensrechnung mit 160-Milliarden-Loch
Auch der Staatswald zählt zum Landesvermögen. Sein Wert wird auf mehrere Milliarden Euro geschätzt.⇥Foto: Patrick Seeger/dpa
Armer reicher Südwesten

Vermögensrechnung mit 160-Milliarden-Loch

Baden-Württemberg steht laut Landeshaushalt gut da. Doch die erste Vermögensrechnung ergibt ein ganz anderes Bild.

14.02.2018
  • ROLAND MUSCHEL

Stuttgart. Das Land Baden-Württemberg trägt 2018 und 2019 mit je 250 Millionen Euro erstmals ein Stück des Altschuldenbergs ab, der über die Jahrzehnte auf rund 47 Milliarden Euro angewachsen ist. Laut dem Doppelhaushalt 2018/19, der vor allem die Geldflüsse abbildet – Steuereinnahmen hier, aktuelle Ausgaben da – steht der Südwesten also ordentlich da: Das Land nimmt so viel ein, dass es damit nicht nur die laufenden Kosten decken, sondern auch Rückstellungen bilden und sogar Altschulden tilgen kann.

Stellt man indes das Vermögen des Landes seinen Verpflichtungen gegenüber, ergibt sich ein anderes Bild. Es sieht nicht rosig, sondern ziemlich düster aus.

Die jüngst vom Kabinett verabschiedete „Vermögensrechnung Baden-Württemberg“ ist ein Novum fürs Land. Der Bund und Länder wie Hessen arbeiten bereits mit diesem Zusatzinstrument, das laut Finanzministerin Edith Sitzmann (Grüne) helfen soll, mehr Transparenz zu schaffen. So werden nun erstmals Pensionsverpflichtungen auf der Passiv- und der Wert des Infrastrukturvermögens auf der Aktivseite abgebildet. Dazwischen klafft ein riesiges Loch: Auf knapp 160 Milliarden Euro summiert sich der Negativ-Saldo.

48.000 Grundstücke

Auf der Habenseite stehen Vermögenswerte von 70 Milliarden Euro. Das sind zum einen Sachanlagen. Dazu zählen etwa 48.000 Grundstücke und 7800 Gebäude in Landesbesitz mit einem Gesamtwert von 14,6 Milliarden Euro. Dazu kommt die Infrastruktur: 9400 Kilometer Landesstraßen, Geh- und Radwege, Brücken, Tunnel, Verkehrstechnik, zusammen auf 13,4 Milliarden Euro taxiert. Auf 5,3 Milliarden Euro werden die 324.000 Hektar Staatswald und der Nationalpark Schwarzwald geschätzt, die Sammlungen der Landesmuseen auf 5,8 Milliarden Euro.

Zum anderen verfügt das Land auch noch über Finanzanlagen von 17,3 Milliarden Euro. Dazu zählen Landesbetriebe, Anstalten und Hochschulen, aber auch Beteiligungen wie die mit 3,3 Milliarden Euro bewertete an der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Zu den Aktiva zählt ebenfalls das mit 12,1 Milliarden Euro angegebene Umlaufvermögen, also etwa Forderungen oder Bankguthaben.

Vermögensrechnung mit 160-Milliarden-Loch
Foto: SWP GRAFIK

Dagegen stehen knapp 230 Milliarden Euro Verbindlichkeiten. Die 47 Milliarden Euro Kreditmarktschulden sind bekannt. In die Vermögensrechnung werden aber auch Verpflichtungen aufgenommen, die bis zum Bilanzstichtag wirtschaftlich verursacht worden sind. Dazu zählen noch offene Steuererstattungen, vor allem aber die Pensions- und Beihilfeansprüche aller aktiven Landesbeamten und Versorgungsempfänger, die sich allein auf 170 Milliarden Euro summieren. Dafür bildet die Politik erst seit einigen Jahren Rücklagen; die bisher erreichten 6,5 Milliarden Euro reichen aber hinten und vorne nicht aus. „Das macht einmal mehr deutlich, wie wichtig die Vorsorge für die Verpflichtungen ist“, sagt Sitzmann. „Wenn wir jetzt dafür Geld zurücklegen, erhalten nachfolgende Generationen finanzielle Spielräume.“ Momentan werden für alle neu eingestellten Beamten monatlich je 500 Euro in einen Versorgungsfonds abgeführt, ab 2020 soll der Betrag auf 750 Euro erhöht werden.

Die erste Vermögensrechnung des Landes enthält noch nicht alle Positionen, so waren dafür zum Stichtag 1. Januar 2017 erst 18 Prozent des Kunstbestandes des Landes erfasst. Künftig soll die Vermögensrechnung immer zum Jahresende erstellt werden. Vom Vergleich verspricht sich Edith Sitzmann einen Überblick über die tatsächliche Vermögensentwicklung des Landes – über die reine Schuldenbetrachtung hinaus. So werden sich die im Doppelhaushalt 2018/19 vorgesehenen Investitionen für Landesstraßen und Liegenschaften positiv auf den Vermögenswert auswirken, während Nichtstun zu einem Wertverlust führen würde.

Flächenländer mit relativ kleinem Anlagevermögen

Im Gegensatz zu den Stadtstaaten verfügen Flächenländer wie Baden-Württemberg über ein relativ geringes Anlagevermögen. Denn ein großer Teil der Infrastruktur sowie der Liegenschaften wie etwa Schulgebäude gehören den Kommunen und werden in deren Bilanzen abgebildet.

Die Vermögensrechnung umfasst zwar in der Zukunft liegende Verpflichtungen wie Pensionsansprüche. Nicht erfasst werden dagegen künftige Steuereinnahmen oder staatliche Leistungen, etwa für die ebenso kosten- wie zukunftsträchtigen Bereiche Bildung und Wissenschaft. ⇥rol

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

14.02.2018, 06:00 Uhr
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden

Newsletter-bestellen

· Samstags verschicken wir die News der Woche, unser Klassiker: Die wichtigsten Themen und Geschichten direkt im E-Mail-Postfach. So bleiben Sie auch in der Ferne immer informiert, was in und rund um Tübingen passiert.
· Werktags versenden wir um 9 Uhr die News am Morgen mit den wichtigsten aktuellen Nachrichten.
· Sonntagabend kommt unser Sport-Newsletter mit den wichtigsten Lokalsport-Berichten und Ergebnissen vom Wochenende.

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder sich neu als Benutzer registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter (nur falls Sie weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese) verwendet. Ihre Daten werden nicht an andere Unternehmen weitergegeben.

Nachrichten aus ...
Reutlingen Wannweil Pliezhausen Walddorfh�slach Ammerbuch T?bingen Dettenhausen Kirchentellinsfurt Kusterdingen Gomaringen Dusslingen Ofterdingen Mössingen Nehren Bodelshausen Hirrlingen Neustetten Rottenburg Starzach Horb
Das Tagblatt bei
Facebook Google+ Twitter Instagram
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesen
Wirtschaft im Profil
Wirtschaft im Profil

Die aktuelle Ausgabe unseres Business-Magazins Wirtschaft im Profil
Neueste Artikel
Anzeige

Themen-Dossiers

Themen-Dossiers
Single des Tages
date-click
Das Tagblatt als E-Paper

Kontakt zum Kundenservice

Abonnement
07071/934-222
vertrieb@tagblatt.de

Anzeigen
07071/934-444
anzeigen@tagblatt.de

Kontakt zu den Redaktionen

Schwäbisches Tagblatt Tübingen
07071/934-0
redaktion@tagblatt.de

Neckar-Chronik Horb
07451/9009-30
nc@neckar-chronik.de

Tagblatt Online         
07071/934-314
online@tagblatt.de

Steinlach-Bote Mössingen
07473/9507-0
sb@tagblatt.de

Rottenburger Post
07472/1606-16
ro@tagblatt.de

Reutlinger Blatt
07121/3259-50
rt@tagblatt.de

Tagblatt Anzeiger
07071/934-344
tagblatt-anzeiger@tagblatt.de

Wirtschaft im Profil
07071/934-166
wip@tagblatt.de


Oder nutzen Sie unser Kontaktformular