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Verkommenes System

Manche Dinge möchte man sich nicht vorstellen – und doch scheint es sie zu geben.

28.03.2017

Von Bernhard Meyer

Meine Frau spricht oft mit Flüchtlingen und hört viele Geschichten. Manche sind derart, dass sie bei mir abladen muss. Von einer möchte ich den empörenden Kern weitererzählen:

Die Mutter einer bitterarmen Familie hat endlich Arbeit gefunden, sie putzt in einer öffentlichen Einrichtung. Der Träger dieser Einrichtung ist aber nicht ihr Arbeitgeber, sie ist bei einer Reinigungsfirma angestellt. Die Firma war ausdrücklich mit ihrer Arbeit zufrieden. Aber sie erhielt am Ende des Monats kein Geld. Und am Ende des zweiten auch nicht. Dann hat sie gekündigt. Denn man hat ihr erklärt, sie habe einen Vertrag für ein unbezahltes „Praktikum“ unterschrieben. Ein Rechtsanwalt bestätigt das.

Noch einmal: Die Frau hat zwei Monate gearbeitet und die Firma und die öffentliche Einrichtung haben ihre Leistung angenommen und ihr nichts dafür bezahlt. Sie haben von der Unkenntnis und den mangelnden Sprachkenntnissen der Frau profitiert. Kann so ein „Vertrag“ überhaupt gelten, wenn er sittenwidrig ist? Kann sich die Öffentlichkeit, also wir und unsere Verwaltung, einfach wegducken, das sei Sache der Reinigungsfirma? Müssten jetzt nicht die Kirchenglocken läuten und Parteien, die für soziale Gerechtigkeit eintreten, zu den Barrikaden rufen? Schließlich geht es um ein verkommenes System.

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Erstellt:
28. März 2017, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
28. März 2017, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 28. März 2017, 01:00 Uhr

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