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Verkehrsminister Hermann mahnt mehr Geschwindigkeit bei Elektromobilität an
Will den Verkehr im Südwesten umbauen: Winfried Hermann. Foto: Will Baden-Württemberg zum Mobilitätsland formen: Winfried Hermann. Oliver Schulz
Von Tempolimits und Transformationen

Verkehrsminister Hermann mahnt mehr Geschwindigkeit bei Elektromobilität an

Klimaneutral Fahren, das ist Winfried Hermanns Ziel. Dafür müsse etwa bei der Elektromobilität enger und schneller zusammengearbeitet werden.

20.08.2016
  • TOBIAS KNAACK

Ulm. Es ist schon gut, dass das Gespräch mit dem baden-württembergischen Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) etwas länger dauert. Einerseits natürlich, weil mehr Themen in einem der facettenreichsten Landesressorts diskutiert werden können. Andererseits ist so mehr Zeit, um des Ministers Dienstfahrzeug nochmal richtig aufzutanken – an einer Ladestation für E-Autos in der Neuen Mitte in Ulm. Auf dem Weg zum Besuch bei der SÜDWEST PRESSE hat der Wagen am Albaufstieg viele Körner gelassen.

Elektromobilität: Genau mit diesem Thema ist Hermann unterwegs. Später am Tag weiht der Minister an der Raststätte Gruibingen an der A 8 eine Elektro-Schnellladesäule ein. Und selbstverständlich ist er deshalb mit dem E-Auto unterwegs – wie allgemein die Fahrzeugflotte nach und nach umgestellt wurde und wird. Der Minister will Baden-Württemberg in dieser Frage, die er zum Erreichen der verabredeten Klimaziele als einen wichtigen Baustein erachtet, zum Vorreiter machen. Und da fängt man eben am besten bei sich selber an. Bis 2017 sollen die rund 40 Tank- und Rastanlagen an Autobahnen in Baden-Württemberg mit mindestens einer Schnellladesäule für Elektrofahrzeuge ausgestattet werden, 2000 Ladestationen sollen es im gesamten Südwesten nach Plan des Ministers werden: „Das Ziel ist es, dass man es im ganzen Land nicht weiter als zehn Kilometer zur nächsten Ladestation hat.“

Es geht Hermann darum, vermehrt Anreize zum Kauf von elektrisch betriebenen Fahrzeugen zu schaffen. Die notwendige Infrastruktur ist einer der entscheidenden Aspekte. Wichtig ist aus seiner Sicht die Zusammenarbeit von Bund, Land und Kommunen. Zudem nimmt er aber auch die hiesigen Autobauer und -zulieferer in die Pflicht, mehr Tempo bei der Entwicklung der Technologie zu machen. „Natürlich ist es verführerisch, beim Alten zu bleiben, wenn das Neue noch nicht so rentabel ist. Aber es ist wichtig, bei den Entwicklungsprozessen in der Spitze mit dabei zu sein.“ Schuldzuweisungen aber brächten in dieser Phase nichts. „Wir alle sind für die Zukunft verantwortlich. Jeder in seinem Bereich.“ Denn der Zeitdruck wird größer: „Bis Mitte des Jahrhunderts müssen wir auf klimaneutrales Fahren umstellen.“

Ohnehin wünscht er sich eine schnellere Taktung bei der Transformation. Etwa bei der Verschiebung der Verkehrslast von der Straße auf die Schiene. Als Bremser nimmt er in dieser Hinischt Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) wahr – zuletzt wieder beim Bundesverkehrswegeplan (BVWP). Bei den Straßen seien „alle Wünsche erfüllt worden und noch mehr“. Anders bei den Schienen: Murrbahn, Bodenseegürtelbahn, Gäubahn. Die Liste der nicht im „Vordringlichen Bedarf“ gelandeten, vom Land angemeldeten Projekte ließe sich fortsetzen. Ein Drittel aller Schienenwege im Land sei noch nicht elektrifiziert. Als Beispiel nennt Hermann den Streckenabschnitt zwischen Öhringen und Schwäbisch-Hall. So sei kein durchgehender elektrifizierter Güterverkehr in Richtung Nürnberg und in der Verlängerung nach Tschechien möglich, er bleibe auf der Straße: „Wir stecken im Schienenverkehr tief im 20. Jahrhundert.“

Für eine innige Männerfreundschaft taugt die Beziehung von Hermann und Dobrindt wohl in der Tat nicht mehr. Dafür ist die Liste der Streitthemen zwischen dem baden-württembergischen Verkehrsminister und seinem Pendant auf Bundesebene zu lang: Abgesehen vom BVWP haben sie sich zuletzt auch beim Tempo 120 auf Teilen von A 81 und A 96 sowie der Blauen Plakette in Umweltzonen gezankt. Deren Einführung hält Hermann nach wie vor für wichtig und bleibt bei seinem Standpunkt: „Wer gegen die Blaue Plakette ist, ist für ein allgemeines Fahrverbot.“ Hinsichtlich eines teilweisen Tempolimits habe er nicht erst seit dem Scheitern seines angedachten Modellversuchs auf den beiden Autobahnen „keine Freude mehr an dem Thema“. Derzeit werde aber geprüft, ob auf einigen Passagen von A 81 und A 96 zur Risikominimierung dennoch Tempo 120 eingeführt werden könne.

Weit mehr Freude machte dem Minister da abschließend doch die Ankündigung, dass das Eisenbahnbundesamt (EBA) die Genehmigung für den Bahnhalt in Merklingen erteilt hat. Die Kosten lägen demnach bei knapp 44 Millionen Euro – zu Beginn waren 26 Millionen veranschlagt worden. Dort seien aber etwa die Planungskosten nicht eingepreist gewesen, zudem seien noch signaltechnische Verbesserungen auf der Südbahn Friedrichshafen–Ulm hinzugekommen. Die Kommunen tragen 13 Millionen Euro der Kosten, das Land den Rest. Durch sei das Thema mit der Plangenehmigung des EBA noch nicht, aber ein weiterer Schritt sei getan, der eine große Chance eröffne: „Es ist ein Beitrag zur Entwicklung des ländlichen Raumes.“ Denn das ist ja schließlich sein Ziel: Baden-Württemberg als „Mobilitätsland“ zu entwickeln. Sagte es und setzte sich in sein frisch aufgeladenes E-Auto nach Gruibingen.

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20.08.2016, 06:00 Uhr
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