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Italienischer geht's nicht

Verdis "Macbeth" open air in Heidenheim

Zugegeben, das ist eine brutale Geschichte. Aber Giuseppe Verdi befeuerte den "Macbeth" durch mitreißende Musik. Bei den Heidenheimer Opernfestspielen ist das alles zu erleben: open air, sehr italienisch.

07.07.2015

Von JÜRGEN KANOLD

Heidenheim Drohte ein Gewitter - also ein echtes? In Giuseppe Verdis mörderischem "Macbeth" kracht's ja sowieso theatralisch, aber Dirigent Marcus Bosch griff am Sonntagabend auf Schloss Hellenstein zunächst nicht zum Taktstock, sondern zum Mikrofon: Falls es blitze und donnere, breche man rechtzeitig ab, man sei in Kontakt mit dem Flughafen. Und er bitte doch, den Rittersaal dann schnell, aber unpanisch zu verlassen: "Die Toten, die auf der Bühne sind, sind genug." Opernfestspiele open air in Heidenheim - aber so extrem dramatisch kam es nicht, wettertechnisch.

Wobei es Tote wirklich viele gibt in dieser durchdachten Inszenierung von Hermann Schneider (Intendant des Würzburger Mainfranken-Theaters): So vergräbt die Hofdame der Lady Macbeth, im schwarzen Lackkostüm und mit Cat-Woman-Maske, gleich anfangs ein Neugeborenes im Schotterboden. Der unerfüllte Kinderwunsch des Ehepaars Macbeth, er wird kompensiert durch gnadenlose Machtgier.

Später mäht Macbeth, der König auf Menschenjagd, vom zentralen Hoch- und Thronsitz aus ein Volk in Plastiksäcken mit dem Maschinengewehr nieder: Kreaturen, nur Müll. Wobei die Menschen dann wunderbar klagend weitersingen von der "unterdrückten Heimat". Und im Finale, wenn Macduff (formidabel: Felipe Rojas Velozo) den Macbeth tötet und Malcolm die Krone Schottlands übernimmt, sorgt die Regie für eine weitere Leiche. Ein Scherge meuchelt den Sohn des bereits erstochenen Banco (Florian Spiess) nieder; dass der Kleine später herrsche, gehörte zu den Hexen-Prophezeiungen, aber das spielt keine Rolle mehr. Alles Schicksal? Regisseur Schneider sagt illusionslos: Die Welt ist grundtief schlecht, und wer da meint, die Vorhersehung habe ihn bestimmt zu Großem, beißt auch nur ins Gras. Auge um Auge.

Eine ganz düstere Oper, dieser "Macbeth" von Verdi nach Shakespeares Drama. Und ein ganz helles Musiktheater. Der Himmel in Heidenheim tobte nicht an diesem heißen Sommerabend, 30 Grad noch um acht in der Freilichtkulisse. Italienische Oper eigentlich wie in Italien: ein Genuss. Marcus Bosch, der künstlerische Leiter des Festivals, dirigierte auch mit Italianità: ohne teutonische Angst vor Verdis schmissigen Orchesterformeln. Der "Macbetto", ja, man darf es italienisch sagen, klang mitreißend, weil er auch detailliert, sehr akkurat, weich, mit großer Pianokultur von den Stuttgarter Philharmonikern erzählt wurde. Und in Heidenheim spielt das Orchester, singt das Ensemble unverstärkt: authentisch.

Großartig die Auftritte des Tschechischen Philharmonischen Chors Brünn - mit der Verpflichtung dieses Ensembles haben die Opernfestspiele noch einmal einen wichtigen Schritt nach vorne getan. Die Solisten? Auch auf sehr gutem Niveau: Antonio Yang, der Wotan vom Nürnberger Staatstheater, glänzte als grüblerischer, getriebener Macbeth mit sehr lyrisch-farbenreichem Bariton. Melba Ramos ist eine Lady Macbeth im Diven-Format. Großer Beifall.

Info Weitere Termine: 10., 11., 17., 18., 25. und 31. Juli; 1. August. Karten: 07321-327 77 77 .

Mitreißend: "Macbeth" in Heidenheim. Foto: Dr. Thomas Bünnigmann

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Erstellt:
7. Juli 2015, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
7. Juli 2015, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 7. Juli 2015, 12:00 Uhr

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