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Wanninger-Krimi

Verbrechen erster Klasse

Klaus Wanninger schreibt seit 20 Jahren Romane mit regionalem Bezug, einer ökologischen Grundeinstellung und einem bahnfahrenden Kommissar.

02.02.2018
  • HELMUT PUSCH

Ulm. Ein Reihenhaus in einer Kleinstadt nahe Stuttgart. Zwei Katzen liegen gemütlich auf der Couch, der Blick von der Terrasse zeigt ein weites Tal – unverbaubar. Die S-Bahn ist nur wenige Minuten entfernt, ein Stück den Hang hinab liegt ein zweiter Garten. Idyllisch. Und doch ist das die Schmiede, in der seit 20 Jahren Verbrechen entstehen – am Fließband. Denn hier wohnt Klaus Wanninger. Bislang hat er 19 Schwaben-Krimis geschrieben, die insgesamt rund 650 000 Mal verkauft worden sind.

Der jüngste Roman trägt den Titel „Schwaben-Fest“ und spielt damit auf den Cannstatter Wasen an, der in diesem Jahr seinen 200. Geburtstag feiert. Auf dem Volksfest wird die Leiche eines Mannes gefunden, der den Ruf eines Blumenfreundes hat. Allerdings findet sich bei der Leiche, über die ein pinkelnder Kommunalpolitiker gestolpert ist, ein Zettel mit der Aufschrift „Menschenschinder“. Die Stuttgarter Kommissare Steffen Braig und Katrin Neundorf nehmen ihre Ermittlungen auf. Als nur wenige Tage später bei einem toten Chefarzt ein ähnlicher Zettel gefunden wird, ist klar: Der Täter hat noch weitere Opfer im Visier.

Der Name Klaus Wanninger ist ein Pseudonym, ein altgedientes: „Ich habe schon als Schüler unter diesem Namen geschrieben“, sagt der 64-jährige ehemalige Gymnasiallehrer für Religion und Erdkunde. Erst für Zeitungen, später auch politische Bücher, etwa die „Predigt für Ronald Reagan“, Reiseführer oder das von der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur ausgezeichnete „Inter-Rail-Reisebuch“. Insgesamt 17 Bücher, für namhafte Verlage wie Rowohlt und Fischer. Wanninger begann 1999 mit Krimis, die beim kleinen KBV-Verlag erscheinen. Der residiert in der Eifel und gibt auch die Bücher von Jacques Berndorf heraus, einem der Väter des deutschen Regionalkrimis.

„Mit so einem kleinen Verlag im Rücken schafft man es nicht auf die Bestsellerlisten“, sagt Wanninger. „Aber als ich bei Rowohlt wegen der Schwaben-Krimis anfragte, sagten die: ,Wir haben schon den Bienzle.' Ich könne ja Heidelberg-Krimis schreiben.“ Nur, das wollte Wanninger nicht. „Als ich mit den Krimis anfing, gab es fast nur in den USA oder in Skandinavien spielende Romane. Ich wollte Krimis schreiben, die hier bei uns spielen, wo ich mich auskenne und weiß, wie die Leute ticken. Und ich glaube, dass eine bekannte Umgebung das Lesevergnügen steigert“, erklärt der gebürtige Karlsruher.

Karlsruhe? Dort ist Wanninger aufgewachsen und zur Schule gegangen. Ein waschechter Badener, der Schwaben-Krimis schreibt, die den Regionalbezug auch noch offensiv („Schwaben-Fest“, „Schwaben-Sumpf“, „Schwaben-Filz“) in ihren Titeln tragen? „Ich entspreche eher den Klischees, die es über Schwaben gibt. Ich sehe nicht den blauen Himmel, den ein Rheinläder sieht. Ich sehe am Horizont schon die Wolken, die übermorgen für Regen sorgen. Für mich ist das Glas halbleer, und ich bin eher ein Grübler“, sagt er. Ein ökologisch lebender Grübler mit christlichem Hintergrund. „Ich habe kein Auto, fahre alles mit öffentlichen Verkehrsmitteln und dem Zug.“ Und das propagiert Wanninger auch in seinen Romanen, lässt seinen Kommissar Braig mit der S-Bahn und dem Zug ermitteln. Der genießt das ebenso wie sein Autor – holt sich in der Bahn seine Aufschnaufphasen.

Viele Szenen sind geradezu auf der Schiene entstanden. „Ich habe eine Erste-Klasse-Bahncard 100“, sagt Wanninger. „Manchmal setze ich mich in den Zug, fahre nach Hamburg und wieder zurück. Unterwegs schreibe ich dann.“ Sozusagen Verbrechen erster Klasse.

Das Arbeiten im Zugabteil hat sich Wanninger noch zu seinen aktiven Zeiten als Studienrat angewöhnt. „Ich hab das gerne gemacht, wenn ich eine Klassenarbeit korrigieren musste. Da ist es gut, wenn man aus dem Fenster schauen kann, sonst wird man doch wahnsinnig, wenn man 30 Mal das Gleiche lesen muss.“ Und weil das so ist, hat Wanninger die letzten 19 Jahre nur noch ein halbes Deputat erfüllt. „Sonst hätte ich das mit dem Schreiben nicht machen können.“

Dabei sind seine ehemaligen Schüler auch ein Grund für Wanningers Schwaben-Krimis. Ihnen wollte er mit seinen Romanen Werte mitgeben, „weil sie von den modernen Medien allein zum Konsumbürger erzogen werden. Geld, Karriere, protzige Reisen, Besitz als Ziel und Sinn einer egomanischen Existenz werden unterschwellig immer noch als Ideale deklariert“, sagt er. In seinen Krimis ist das ganz eindeutig anders.

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02.02.2018, 06:00 Uhr
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