Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Stuttgart 21

Verbessern statt verdammen

Der BUND stand einst an der vordersten Front der Gegner des Großprojekts. Jetzt schlägt der Umweltverband konstruktiv Veränderungen vor.

11.10.2018
  • ROLAND MUSCHEL

Stuttgart. Lange Jahre hat der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) gegen das Milliardenprojekt Stuttgart 21 gekämpft. Zur Hochzeit des Widerstands war Landeschefin Brigitte Dahlbender eine der Galionsfiguren der S-21-Gegner und Sprecherin des Bündnisses für einen ausgebauten Kopfbahnhof (K21). Schon 2014 hat der BUND das Aktionsbündnis zwar verlassen, sich aber weiter kritisch zu S21 geäußert. Nun, da das Projekt erheblich vorangeschritten ist und mehr als zwei Drittel der Tunnelstrecken gebohrt sind, positioniert sich der Verband neu.

„Die Umweltsünden sind eigentlich schon alle begangen worden, das können wir nicht mehr zurückdrehen“, begründet Dahlbender den Schritt. „Ein Stopp ist nicht mehr realistisch. Das Projekt kommt und wir akzeptieren, dass es kommt“, sagt BUND-Geschäftsführer Gerhard Pfeifer. „Wir wollen kein Zurück auf Los, keinen reinen Kopfbahnhof. Wir müssen jetzt die Diskussion führen, wie wir S21 besser machen.“

Denn der BUND plädiert für einschneidende Änderungen am Konzept, die teils zu Ergänzungen und Zusatzkosten führen, teils aber auch zum Verzicht von Maßnahmen und damit zu Minderausgaben. „Der tiefergelegte Bahnhof allein bringt nicht die notwendigen Verbesserungen für den Schienenverkehr.“ Daher habe die vom BUND initiierte und von der Baden-Württemberg-Stiftung herausgegeben Studie „Mobiles Baden-Württemberg“ klar ergeben, wie notwendig aus Klimaschutzgründen der Umstieg auf die Schiene und damit ein leistungsfähiger Bahnknotenpunkt in Stuttgart seien. Der Verband hat daher ein „Kombi-Modell“ ausgearbeitet, bei dem als zentrales Element trotz des neuen unterirdischen Bahnhofs acht der bislang 16 oberirdischen Gleise erhalten bleiben sollen. „Wir sind in Stuttgart zu Hauptverkehrszeiten jetzt schon am Anschlag. Wir brauchen daher einen Befreiungsschlag“, sagt Pfeifer.

Dreh- und Angelpunkt des Konzepts ist der Erhalt der Gäubahn-Panoramastrecke sowie eine direkte, oberirdische Verknüpfung der Gäubahn mit dem Hauptbahnhof anstelle einer Haltestelle in der Nähe des Nordbahnhofs mit relativ weiten Umsteigewegen. „Der Erhalt oberirdischer Gleise hätte drei Vorteile: Wir hätten mehr Kapazitäten und damit eine leistungsfähige Schieneninfrastruktur im Herzen der Landeshauptstadt. Wir könnten eine Frischluftschneise für das neue Rosensteinquartier erhalten. Und wir würden das Eidechsenproblem durch die Sicherung eines Teils ihres Lebensraums minimieren“, wirbt die BUND-Landeschefin für das Modell.

Ergänzend sieht das Konzept auch die Beseitigung eines Engpasses der Neubaustrecke Mannheim-Stuttgart durch den Bau von zwei zusätzlichen Gleisen auf einer acht Kilometer langen Strecke zwischen den Stuttgarter Stadtteilen Feuerbach und Zuffenhausen vor.

Im Gegenzug will der BUND entgegen den S-21-Planungen auf den Bau eines Flughafen-Tiefbahnhofs in 27 Metern Tiefe verzichten und so rund 750 Millionen Euro an Kosten sparen. „Die Verkehrsdrehscheibe in der Region soll der Hauptbahnhof sein, nicht der Flughafen. Es kann nicht sein, dass das umweltfreundliche Verkehrsmittel Schiene den Steigbügelhalter für das relativ umweltschädliche Verkehrsmittel Flugzeug macht“, sagt Pfeifer. Als Fernverkehrshalt am Flughafen reiche ein oberirdischer Haltepunkt an der Neubaustrecke. Beim Kombi-Modell würde die Gäubahn auch nicht über den Flughafen führen.

Zum Konzept gehört auch, dass die Neubaustrecke Wendlingen-Ulm, die drei Jahre vor dem Tiefbahnhof fertig sein soll, gleich in Betrieb genommen und an das bestehende Schienennetz angeschlossen wird. So könnte die Fahrzeit nach Ulm schon ab 2022 um etwa 20 Minuten verkürzt werden, sagt Dahlbender.

Mit dem nun vorgelegten Kombi-Modell greift der BUND ein Modell aus den 1990er Jahren auf, das der Verband mit dem Verkehrsclub Deutschland (VCD) und der Fahrgastverband Pro Bahn aus verkehrspolitischen Gründen ins Spiel gebracht hatten. Sie verwarfen es dann aber mit Blick auf die durch S21 bedingten Baumfällungen im Schlossgarten. Die sind indes Geschichte und die S-21-Arbeiten weit fortgeschritten, sodass der BUND die Zeit gekommen sieht, die alte Idee neu zu beleben.

Während die alten K21-Mitstreiter dem BUND Verrat vorwerfen, lehnen die harten S-21-Befürworter jegliche Änderungen ab. Es gibt hinter den Kulissen aber auch Signale der Gesprächsbereitschaft von Seiten relevanter Akteure.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

11.10.2018, 06:00 Uhr
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden

Newsletter-bestellen

· Samstags verschicken wir die News der Woche, unser Klassiker: Die wichtigsten Themen und Geschichten direkt im E-Mail-Postfach. So bleiben Sie auch in der Ferne immer informiert, was in und rund um Tübingen passiert.
· Werktags versenden wir um 9 Uhr die News am Morgen mit den wichtigsten aktuellen Nachrichten.
· Sonntagabend kommt unser Sport-Newsletter mit den wichtigsten Lokalsport-Berichten und Ergebnissen vom Wochenende.

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder sich neu als Benutzer registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter (nur falls Sie weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese) verwendet. Ihre Daten werden nicht an andere Unternehmen weitergegeben.
Nachrichten via Messenger
Die wichtigsten Neuigkeiten aus der Region liefern wir Ihnen auch per WhatsApp & Co. aufs Smartphone. Um diesen Service zu nutzen, öffnen Sie tagblatt.de/whatsapp bitte mit einem entsprechenden Mobilgerät.
Heute meistgelesenNeueste Artikel

Nachrichten aus ...
Reutlingen Wannweil Pliezhausen Walddorfh�slach Ammerbuch T?bingen Dettenhausen Kirchentellinsfurt Kusterdingen Gomaringen Dusslingen Ofterdingen Mössingen Nehren Bodelshausen Hirrlingen Neustetten Rottenburg Starzach Horb
Das Tagblatt bei
Facebook Google+ Twitter Instagram
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesen
Wirtschaft im Profil
Neueste Artikel
Anzeige

Themen-Dossiers

Themen-Dossiers
Single des Tages
date-click
Das Tagblatt als E-Paper

Kontakt zum Kundenservice

Abonnement
07071/934-222
vertrieb@tagblatt.de

Anzeigen
07071/934-444
anzeigen@tagblatt.de

Kontakt zu den Redaktionen

Schwäbisches Tagblatt Tübingen
07071/934-0
redaktion@tagblatt.de

Neckar-Chronik Horb
07451/9009-30
nc@neckar-chronik.de

Tagblatt Online         
07071/934-314
online@tagblatt.de

Steinlach-Bote Mössingen
07473/9507-0
sb@tagblatt.de

Rottenburger Post
07472/1606-16
ro@tagblatt.de

Reutlinger Blatt
07121/3259-50
rt@tagblatt.de

Tagblatt Anzeiger
07071/934-344
tagblatt-anzeiger@tagblatt.de

Wirtschaft im Profil
07071/934-166
wip@tagblatt.de


Oder nutzen Sie unser Kontaktformular