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Hochwasser

Venedig wieder überflutet

Der Wind drückt neues Hochwasser schneller als erwartet auf den Markusplatz. Jetzt treiben sogar die Holzstege auf.

16.11.2019

Von Bettina Gabbe

Jetzt geht im Herzen Venedigs nichts mehr. Der Markusturm spiegelt sich im Hochwasser, das den Markusplatz bedeckt. Foto: Luca Bruno/dpa

Venedig. Am Morgen machen Touristen noch in knallbunten Einweg-Gummistiefeln begeistert Fotos von riesigen Wasserlachen vor der malerischen Kulisse des Markusdoms, da künden Alarmsirenen in der ganzen Stadt das nächste Hochwasser für Venedig an. Kurz darauf werden die Holzstege, über die Bewohner und Besucher trockenen Fußes über den Markusplatz gelangten, abgebaut, weil sie beginnen, auf der steigenden Wasseroberfläche zu schwimmen.

Für die Nacht war eine mit 145 Zentimetern außergewöhnlich hohe Flut angekündigt, doch der Pegel steigt rascher als erwartet. Der Wind drückt das Meerwasser in die Lagune und von dort auf den Markusplatz.

Während die Wasserfläche sich immer weiter ausbreitet und in die umliegenden Gassen läuft, lässt Bürgermeister Luigi Brugnaro den Platz vorsorglich absperren. Aufgetürmte Stühle der beiden einander gegenüber liegenden berühmten Cafés Quadri und Florian versinken immer mehr unter der vom Wind gekräuselten Wasseroberfläche.

Kein Laden in der Umgebung des Platzes öffnet, zu beschäftigt sind die Besitzer, das einlaufende Wasser mit Gummischabern zu den Pumpen zu schieben, die es auf die Gassen befördern. Nur eine einzige Bar in der Nähe des Markusplatzes versorgt Schaulustige und Venezianer mit dem Nötigsten. Frische Hörnchen kommen am dritten Tag in Folge aber nicht.

Als die Flut ihren höchsten Stand erreicht, geben auch die beiden Frauen, die ihre Stammkunden mit dem vertraulich ironischen „Amore“ anreden, klein bei. Nichts geht mehr, denn auch sie stehen auf ihrem Podest hinter der Theke mehr als knöcheltief im Wasser.

Ex-Innenminister Matteo Salvini besucht demonstrativ die Krypta des Markusdoms und kritisiert die Regierung. Seine Lega habe mehrere Vorschläge, um das seit 15 Jahren in Bau befindliche mobile Dämme-System endlich fertigzustellen, das Venedig vor Hochwasser schützen soll.

Kulturminister Dario Franceschini versichert der Stadt bei einem Besuch des Markusplatzes mit besorgter Miene, die Regierung werdeVenedig nicht im Stich lassen. Als er wie viele seiner Vorgänger unter den Arkaden am Markusdom seine Versprechungen macht, schwimmen Möwen ungerührt vorbei. Mülltüten und leere Weinflaschen treiben auf dem Wasser, von wo aus Touristen sonst die prächtige Fassade des Markusdoms mit seinen orientalisch anmutenden Kuppeln und den davorliegenden Platz, das Wohnzimmer der Lagunenstadt, fotografieren.

Für das Wochenende wird weiterhin mit Hochwasser gerechnet. Es soll niedriger ausfallen als an den Vortagen, doch bereits am Freitag hatten sich die Experten geirrt. Erst am Wochenbeginn soll sich die Lage entspannen.

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Erstellt:
16. November 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
16. November 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 16. November 2019, 06:00 Uhr

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