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Wetterextreme

Venedig: Auf die große Flut folgt Rekord-Ebbe

Nach dem Hochwasser im November sind in Venedig jetzt viele Kanäle trocken.

11.01.2020

Von Bettina Gabbe

Gondeln liegen in einem Kanal auf Grund. Hochdruckwetter und extreme Pegelschwankungen begünstigten das Niedrigwasser. Foto: Luigi Costantini/AP/dpa

Nachdem Acqua alta Venedig im vergangenen November unter Wasser gesetzt hatte, liegen die eleganten schwarzen Holzboote jetzt schwermütig auf Grund. Das Niedrigwasser wird bis mindestens Sonntag mit mehr als 50 Zentimetern unter dem Meeresspiegel Kanäle rund um die berühmte Rialto-Brücke zeitweise trockenlegen. Zuletzt wurden in der Lagunenstadt vor zwölf Jahren so niedrige Wasserstände gemessen.

Touristen genießen die im Januar weniger überlaufene Stadt bei schönem Winterwetter und freuen sich über den ungewohnten Anblick. Neben melancholisch im Schlick auf die Seite geneigten Gondeln und Motorbooten, fotografieren sie begeistert die Fundamente von Palazzi, die normalerweise auch über eine Bootszufahrt direkt ins Innere verfügen. Doch auch an der Gondelstation nahe der Rialtobrücke gegenüber des Rathauses, in dem gern Stars wie George Clooney heiraten, geht zeitweise nichts mehr. Die Wintersonne taucht die von Algen bedeckten Stufen beim Gondel-Anleger am Canal Grande ebenso in warmes Licht wie den freigelegten Schlick in Seitenkanälen. Venezianer klagen, dass die Kanäle bei Niedrigwasser nicht tief genug seien, da sie nicht regelmäßig gereinigt würden. Nur so sei zu erklären, dass manche Wasserstraße bei Ebbe in diesen Tagen vor dem Karneval nicht befahrbar sei.

Müll aus Jahrhunderten

„Es ist wirklich lächerlich“, sagt Mattia Baseggio, der Besitzer des kleinen Hotels Ponte Chiodo. Vor einem Monat haben sie über Hochwasser geklagt, jetzt über Niedrigwasser.“ Während Touristen im November den malerischen Anblick des zeitweise überschwemmten Markusplatzes genossen hätten, machten sie jetzt eifrig Fotos von scheinbar Trauer tragenden Gondeln, die auf der Seite auf dem Trockenen liegen. „Venezianer klagen einfach gern“, lacht Baseggio. Einen Spaziergang auf dem Grund eines Kanals kann er trotzdem nicht empfehlen. Der bis vor wenigen Jahren über Jahrhunderte ins Wasser geworfene Müll, in dem man auch antike Scherben finden könne, würde jeden Gummistiefel zerreißen, warnt er. Als vor rund zehn Jahren der Kanal unter der Brücke Ponte Chiodo ausgebaggert worden sei, habe man nicht nur ein in Venedig eher ungebräuchliches Fahrrad, sondern auch eine Waschmaschine zutage gefördert.

Venedigs Bürgermeister Luigi Brugnaro kündigte ausgerechnet während der Rekord-Ebbe-Periode an, das seit Jahrzehnten im Bau befindliche mobile Dämme-System Mose, das Venedig vor Hochwasser schützen soll, sei ab Sommer im Notfall einsatzbereit.

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Erstellt:
11. Januar 2020, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
11. Januar 2020, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 11. Januar 2020, 06:00 Uhr

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