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Jungen vor der Mutter versteckt

Vater wird drei Jahre nach Verschwinden entdeckt und festgenommen

Um ihn nicht an die Mutter zu verlieren, hat ein Franzose seinen Sohn jahrelang festgehalten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Entführung vor. Der Anwalt des Mannes stellt das völlig anders dar.

12.10.2015
  • SEBASTIAN KUNIGKEIT, DPA

Mulhouse Ein Vater hat seinen Sohn in Frankreich jahrelang vor der Mutter versteckt und in einer "abstoßend schmutzigen" Wohnung von der Außenwelt abgeschirmt. Die Polizei befreite den Jungen jetzt, drei Jahre nach dem letzten Kontakt zur Mutter, in Mulhouse im Elsass.

Der Junge ist offensichtlich im Grundschulalter, sei jedoch weder in der Schule gewesen, noch zum Arzt gegangen, sagte Staatsanwalt Dominique Alzeari. Seine Tage habe er größtenteils auf sich allein gestellt in der Wohnung verbracht. Der Junge habe schwere körperliche und psychologische Mangelerscheinungen, es gebe aber keine Anzeichen von Gewalt.

Gegen den 37 Jahre alten Vater wurde ein Verfahren wegen Entführung, Freiheitsberaubung und Vernachlässigung der elterlichen Sorge eröffnet. Der letzte Punkt wiegt aus Sicht des Staatsanwalts am schwersten.

"Es gab weder Entführung noch Freiheitsberaubung", sagte der Anwalt des Vaters, Jean-Marc Fuchs. "Mein Mandant hat seinen Sohn nach den Ferien aus Gründen behalten, die zu einem Familienstreit gehören." Er bestritt gesundheitliche Probleme. Nach Angaben der Behörden ist der Junge acht Jahre alt, Fuchs sprach von neun Jahren.

Die Eltern hatten sich 2010 getrennt. Im Oktober 2012 verließ der Vater mit seinem Sohn die Côte d'Azur. Der Anwalt sagte, damals habe die Mutter keine richtige Unterkunft gehabt und der Sohn bei seinem Vater leben wollen.

Recherchen der Regionalzeitung "L'Alsace" zufolge hat die Mutter 2013 die erste Anzeige erstattet, ein Gericht sprach ihr Anfang 2014 das Sorgerecht zu. Davon habe der Mann laut seinem Anwalt nichts gewusst. Fuchs: "Die Situation ist nicht richtig angegangen worden, aber das ist ein liebender Vater."

Die Polizei hat den 37-Jährigen mit Hilfe eines ehemaligen Arbeitgebers aufgespürt. Nur selten habe der Junge die Wohnung verlassen und den Vater zum Einkaufen begleitet, sagte Staatsanwalt Alzeari. Der Mann habe ihm beigebracht, leise zu sprechen, damit die Nachbarn nichts merken.

Nicht vollständig geklärt ist, wie die beiden die drei Jahre verbracht haben. Sie sollen zeitweise im Burgund gelebt haben, der Mann habe häufig seine Handynummer gewechselt.

Der Junge ist jetzt in einer Pflegefamilie untergebracht. Er zeigte zunächst nicht den Wunsch, seine Mutter nach der langen Trennung wiederzusehen. Den Vater erwarten dem Bericht der "L'Alsace" zufolge bis zu 30 Jahre Gefängnis, er sitzt in Untersuchungshaft.

Vater wird drei Jahre nach Verschwinden entdeckt und festgenommen
Die Tür des Hauses in Mulhouse, das ein acht- oder neunjähriger Junge nicht allein verlassen durfte. Foto: afp

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12.10.2015, 12:00 Uhr
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