Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Einmal Freiheit und wieder zurück

Vanessa Müller eröffnet ihre Falknerei im Schönbuch

Bonnie, Bruce, Bischu und ein Dutzend andere Greifvögel haben ein neues Zuhause in Weil im Schönbuch: Die junge Falknerin Vanessa Müller hat am Rande des Ortes ihre Falknerei Garuda aufgebaut. Am Donnerstag, 1. Mai, gibt es zur Eröffnung ein kleines Fest für alle Interessierten.

29.04.2014
  • Madeleine Wegner

Weil im Schönbuch. Teddy hat einen unwiderstehlichen Augenaufschlag. Filigrane, fedrige Buschelchen umranden seine Augen. Und diese sind so groß und dunkel, dass es scheint, als könnten ganze Wälder darin versinken. Wie alle Greifvögel ist Teddy ein Einzelgänger. Doch wenn Vanessa Müller seinen Namen ruft und ihren Arm mit dem großen Lederhandschuh ausstreckt, breitet der Milchuhu seine Schwingen aus und fliegt zu seiner Falknerin.

Schnee-Eule und Adler: Die Garuda-Falknerei im Schönbuch

Videoplayer konnte nicht geladen werden.

Die junge Falknerin Vanessa Müller hat am Rande des Ortes Weil im Schönbuch  ihre Falknerei Garuda aufgebaut.

© Video: Madeleine Wegner 03:09 min

Die 29-Jährige ist mit ihren 15 gefiederten Schützlingen nach Weil im Schönbuch gezogen. Ihre Falknerei Garuda eröffnet sie morgen ab 11 Uhr mit einem kleinen Fest samt Flugvorführungen, Falkner-Workshops für Kinder und Eulen-Fotoshooting (siehe Info-Kasten).

Kein Urlaub und jeden Tag Training

„Die Kunst, einen Greifvogel aus freien Stücken zu sich zu holen, liegt darin, ihm immer wieder die Freiheit zu schenken“, sagt die junge Falknerin Vanessa Müller. Genau das macht aus ihrer Sicht den besonderen Reiz an der Falknerei aus. Die Vögel kehren freiwillig zu ihr zurück – auch wenn dabei Kükenbeinchen oder Mäuse eine wesentliche Rolle spielen.

Vanessa Müller eröffnet ihre Falknerei im Schönbuch
Neue Heimat Weil: „Ich wollte im Schönbuch bleiben“, sagt Falknerin Vanessa Müller – hier zusammen mit Bonnie, einem kanadischen Uhu.

Schon mit 15 Jahren hat Müller ihre Leidenschaft für Greifvögel entdeckt. Fünf Jahre später hat sie während ihres Biologie-Studiums die Jagdscheinprüfung abgelegt. Sie ist Voraussetzung für die Anmeldung zum Falknerkurs. Beim Falknerschein, den sie kurz darauf erlangt hat, geht es vor allem um theoretisches Wissen über Greifvögel und ihre Haltung.

Praktische Erfahrung hat Müller bei anderen Falknern in Neuffen, Kiel und am Chiemsee gesammelt. Dort hat sie viel Zeit mit den jungen Tieren verbracht und sie ausgebildet. „Jeder Falkner hat eigene Vorstellungen von der Haltung der Tiere“, sagt sie.

So wuchs ihr Wunsch, sich eine eigene Falknerei aufzubauen. Seit Frühsommer 2012 hat sie mit dem Umbau des Geländes am Rande von Weil im Schönbuch begonnen. 17 Volieren für die Vögel und zwei Pferdeboxen hat sie mit ihrem Mann Pierre Urbanek und vielen Helfern gebaut, dazu das einstöckige Häuschen als winziges Büro-Gebäude renoviert – eine Gesamt-Investition von etwa 150 000 Euro. Bis sich diese rentiert, wird es „eine Weile dauern“, sagt Müller: „Von der Falknerei wird man nicht reich.“

Garuda ist eine mobile Falknerei: Mit ihren Adlern, Eulen, Bussarden und Falken bietet Vanessa Müller Vorführungen auf Märkten und Festen, aber auch für Schulen und Kindergärten an. Vor Ort in der Falknerei soll es keine regelmäßigen Termine geben.

Müller ist froh, in Weil im Schönbuch einen Platz für ihre Falknerei gefunden zu haben: „Ich wollte hier im Schönbuch bleiben.“ In Filderstadt-Bonlanden ist sie geboren, in Pliezhausen hatte sie im Garten ihrer Eltern bis zum Umzug nach Weil ihre ersten Greifvögel untergebracht.

Zur Zeit hat die Falknerin in Weil auch drei Pfleglinge, also verletzte oder schwache Wildtiere, die sie aufpäppelt. Wenn die Vögel wieder stark genug sind, werden sie in die freie Natur entlassen. Die Tiere, mit denen Vanessa Müller jedoch täglich arbeitet und die sie trainiert, sind gezüchtet. Teilweise hat sie die Vögel von Hand großgezogen und bereits deren ersten Flugversuche miterlebt.

Da Greifvögel nun einmal Einzelgänger sind, ist es besonders zeitintensiv, eine Beziehung zu ihnen aufzubauen: „In den Urlaub fahren ist eher weniger – ich muss die Arbeit ja immer selbst machen“, sagt sie.

Speiseplan: Ratten, Hühnerküken, Tauben

Auch das tägliche Training ist zeitaufwendig. Die Schnee-Eule Bischu, der Steppen-Adler Konan, die Weißgesichtseule Bruce und die meisten anderen Vögel trainiert die Falknerin einzeln. „Sonst kommt es schnell zu Eifersucht. Das ist wie beim Menschen“, sagt sie, „jeder will als erster das meiste haben.“ Jedes Tier darf sich jeden Tag gut eine Stunde lang ausfliegen. „Die Tiere bauen sehr schnell Muskeln ab, wenn sie sich nicht bewegen“, so Müller. „Als Falkner aber möchte man ja einen kräftigen und erfolgreichen Vogel haben.“

Die mittelgroßen Vögel leben 25 Jahre, Eulen und Adler hingegen können bis zu 60 Jahre alt werden – jedoch nur, wenn sie beim Menschen leben. In freier Natur, sagt die Expertin, werden sie maximal halb so alt. „Die natürliche Auslese in der Natur ist sehr groß.“ Denn das Jagen ist gefährlich. Wenn sich die Tiere verletzen, sind sie meist nicht mehr in der Lage, sich Nahrung zu beschaffen und müssen verhungern. Vanessa Müller hingegen hat für die Greifvögel immer Nahrung parat: Mäuse, Ratten, Wachteln, Tauben und Hühnerküken.

Die Falknerin verbirgt in ihrer Hand ein totes Küken. Während sie den kanadischen Uhu Bonnie beim Namen ruft, zeigt sie ihm den Leckerbissen. Der Uhu stellt die Ohren auf, beugt sich vor, scheint einen Moment lang abzuwägen, ob sich der Kraftaufwand lohnt und fliegt auf seine Beute zu und verschlingt sie in einem Rutsch.

„Der Unterschied zur Dressur ist, dass die Vögel hier nichts machen, was sie nicht auch in der freien Natur machen“, sagt Müller. Die Falknerei im eigentlichen Sinne ist eine Jagdmethode, vor allem mit Habicht, Adler und Falke. Der Vorteil für die Vögel: Gemeinsam mit dem Menschen können sie größere Beute erlegen.

Vanessa Müller stellt ihre Falken, Eulen und Adler in der neuen Falknerei vor. Ab 11 Uhr am Donnerstag, 1. Mai, gibt es stündlich Flugvorführungen und Vorstellung einzelner Greifvögel. Um 13 Uhr, 15 Uhr und 17 Uhr dürfen sich Kinder als Falkner ausprobieren. Den ganzen Tag über gibt es außerdem Fotoshootings mit Eulen und Falken. Die entstandenen Fotos dürfen gleich mitgenommen werden. Für das leibliche Wohlergehen und Geselligkeit ist mit Speis und Trank sowie Kaffee und Kuchen gesorgt. Die Falknerei liegt in der Lauhwiesenstraße 49 am Ortsrand von Weil im Schönbuch.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

29.04.2014, 12:00 Uhr
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden

Newsletter-bestellen

· Samstags verschicken wir die News der Woche, unser Klassiker: Die wichtigsten Themen und Geschichten direkt im E-Mail-Postfach. So bleiben Sie auch in der Ferne immer informiert, was in und rund um Tübingen passiert.
· Werktags versenden wir um 9 Uhr die News am Morgen mit den wichtigsten aktuellen Nachrichten.
· Sonntagabend kommt unser Sport-Newsletter mit den wichtigsten Lokalsport-Berichten und Ergebnissen vom Wochenende.

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder sich neu als Benutzer registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter (nur falls Sie weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese) verwendet. Ihre Daten werden nicht an andere Unternehmen weitergegeben.
Nachrichten via Messenger
Die wichtigsten Neuigkeiten aus der Region liefern wir Ihnen auch per WhatsApp & Co. aufs Smartphone. Um diesen Service zu nutzen, öffnen Sie tagblatt.de/whatsapp bitte mit einem entsprechenden Mobilgerät.
Heute meistgelesenNeueste Artikel

Nachrichten aus ...
Reutlingen Wannweil Pliezhausen Walddorfh�slach Ammerbuch T?bingen Dettenhausen Kirchentellinsfurt Kusterdingen Gomaringen Dusslingen Ofterdingen Mössingen Nehren Bodelshausen Hirrlingen Neustetten Rottenburg Starzach Horb
Das Tagblatt bei
Facebook Google+ Twitter Instagram
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesen
Wirtschaft im Profil
Neueste Artikel
Anzeige

Themen-Dossiers

Themen-Dossiers
Single des Tages
date-click
Das Tagblatt als E-Paper

Kontakt zum Kundenservice

Abonnement
07071/934-222
vertrieb@tagblatt.de

Anzeigen
07071/934-444
anzeigen@tagblatt.de

Kontakt zu den Redaktionen

Schwäbisches Tagblatt Tübingen
07071/934-0
redaktion@tagblatt.de

Neckar-Chronik Horb
07451/9009-30
nc@neckar-chronik.de

Tagblatt Online         
07071/934-314
online@tagblatt.de

Steinlach-Bote Mössingen
07473/9507-0
sb@tagblatt.de

Rottenburger Post
07472/1606-16
ro@tagblatt.de

Reutlinger Blatt
07121/3259-50
rt@tagblatt.de

Tagblatt Anzeiger
07071/934-344
tagblatt-anzeiger@tagblatt.de

Wirtschaft im Profil
07071/934-166
wip@tagblatt.de


Oder nutzen Sie unser Kontaktformular