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VW kündigt harte Gangart gegen Lieferstopp an
Volkswagen-Mitarbeiter im Stammwerk in Wolfsburg an der Fertigungslinie für den Golf VII. Foto: dpa
Streit mit Zulieferern führt zu Produktionsengpass – Hintergründe sind verworren

VW kündigt harte Gangart gegen Lieferstopp an

Der Versorgungsstopp zweier wichtiger Zulieferer sorgt bei VW mitten in der Abgas-Krise für die nächste Großbaustelle. Die Lage scheint verfahren.

20.08.2016
  • DPA

Wolfsburg. Im Streit mit zwei Zulieferern will Volkswagen alle rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen, um ein Ende des Lieferstopps bei seinen externen Partnern durchzudrücken. Am Ende könnte also der Gerichtsvollzieher zur Not mit der Polizei im Schlepptau die dringend benötigten Teile vom Lieferanten holen. Der Autobauer sei gezwungen, „die zwangsweise Durchsetzung der Belieferung vorzubereiten, und zwar mit den uns zur Verfügung stehenden gesetzlich vorgesehenen Mitteln. Dazu gehören Ordnungsgeld, Ordnungshaft, Beschlagnahme, die über das Gericht beantragt werden“, sagte ein VW-Sprecher.

Die Ankündigung des Autobauers verwundert nicht. Allein schon zum Wohle seiner Aktionäre muss VW alles tun, um die verfahrene Lage zu entschärfen. Bei dem Autobauer ruhen die Fließbänder teilweise schon, für 7500 Mitarbeiter steht bereits Kurzarbeit an, mehr als 20  000 könnten es noch werden. Die genauen Hintergründe des Streits und der konkrete Auslöser sind weiter unklar.

Allerdings betonte der VW-Sprecher auch, dass der Autobauer die Lage keinesfalls einseitig weiter verschärfen mag. „Parallel versuchen wir weiterhin eine gütliche Einigung mit dem Lieferanten herbeizuführen“, sagte er. VW liegt im Clinch mit zwei Zulieferern. Einerseits ist das der Getriebeteilespezialist ES Automobilguss, andererseits die Car- Trim, ein Experte für Sitzbezüge. Die Hintergründe liegen weitgehend im Dunkeln. Die Absage eines Zukunftsprojektes mit Car-Trim soll zumindest eine Wurzel der Querelen sein. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur war VW prinzipiell zu einem Ausgleich bereit. Aber die Forderungen des Zulieferers sollen unrealistisch gewesen sein. Das lässt sich nicht überprüfen.

„Für die Krise bei VW und die dadurch entstandene Kurzarbeit sind wir nicht verantwortlich“, sagte der Geschäftsführer der ES Automobilguss, Alexander Gerstung, einer Mitteilung zufolge. ES und der Sitzspezialist Car-Trim, eine ES-Schwester, verweigern trotz einstweiliger Verfügungen des Landgerichts Braunschweig dem Autobauer die Lieferung von Sitzbezügen und Getriebeteilen. Dennoch sei man an einer Einigung interessiert. „Wir streben nach wie vor eine einvernehmliche Lösung mit VW an und sind offen für entsprechende Vorschläge.“

Aus Sicht von ES und CarTrim sei die Lage Folge einer frist- und grundlosen Kündigung von Aufträgen seitens VW. Volkswagen habe keinen Ausgleich für die Kündigungen gewährt. Deswegen „sahen sich Car-Trim und ES Automobilguss letztlich zum Lieferstopp gezwungen“, heißt es in der Mitteilung. VW erwirkte dagegen in beiden Fällen einstweilige Verfügungen, die die Firmen zu weiteren Lieferungen verpflichten.

VW-Beschaffungsvorstand Francisco Javier Garcia Sanz gilt als einer der erfahrensten Einkäufer der Branche. Er schrieb den Zulieferern Ende Juni, der Autobauer müsse bei den „Beschaffungskosten deutlich effizienter werden“. Er wolle die Reserven mobilisieren. „Das wollen wir kooperativ erreichen, aber auch mit der notwendigen Konsequenz, um wettbewerbsfähig zu bleiben“, kündigte er an.

Der Sparzwang, befeuert durch die Milliardenkosten des Diesel-Skandals, erhöht den Druck auf das schon länger laufende Effizienzprogramm bei der renditeschwachen VW-Kernmarke rund um Golf und Passat. Dabei erntet VW inzwischen erste Früchte aus dem Kampf gegen die überbordende Teilevielfalt: Mit dem gelichteten Varianten-Dschungel – etwa bei Lenkrädern, Farben oder Tasten – habe die Kernmarke VW-Pkw schon heute gut 700 Mio. EUR Sparvolumen pro Jahr freigelegt, schreibt VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh in dem Haus-Blatt „Mitbestimmen“.

Die Lieferstopps lähmen den Autobauer. In Wolfsburg wird die Golf-Produktion bis zum 29. August ruhen. Auch in den Werken in Kassel, Braunschweig und Zwickau drohen Engpässe.

In Wolfsburg steht das Stammwerk von Europas größtem Autobauer. Es baut fast 4000 Wagen pro Tag, neben Golf auch Tiguan und Touran, deren Bänder aber nicht ruhen müssen. Für Wolfsburg könnten die fünf Werktage Montag bis Freitag nächste Woche über Kurzarbeit laufen.

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20.08.2016, 06:00 Uhr
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