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Nahverkehr

VCD fordert: Schluss mit dem Ticket-Chaos

Ein Tageskarten-Vergleich der 22 Verkehrsverbünde im Südwesten zeigt große Unterschiede. Das geht einfacher und billiger, sagt der ökologische Verkehrsclub.

23.08.2019

Von Alfred Wiedemann

Straßenbahn in Karlsruhe: Mit Tagestickets fährt man in großen Verbünden günstig, sagt der VCD. Kleine Verbünde bieten dagegen oft wenig attraktive Preise. Foto: ©Little Adventures/Shutterstock.com

Mit einer Tageskarte sind in den Ferien eine Menge Leute in Bussen und Bahnen unterwegs. Die meisten machen ihre Ausflüge aber nach wie vor mit dem Auto. Gut fürs Klima und die Umwelt wären mehr Umsteiger in öffentliche Verkehrsmittel. Besonders nützlich im Freizeitverkehr sind Tageskarten, die für beliebig viele Farten in einem bestimmten Geltungsbereich gelten. Aber wie sehen da die Tarife aus? Sind sie benutzerfreundlich, billig oder teuer?

Die Unterschiede bei den insgesamt 22 Verkehrsverbünden in Baden-Württemberg seien groß, sagt Matthias Lieb, Landesvorsitzender des ökologische Verkehrsclubs. Der VCD hat Konditionen und Preise aller Verbund-Tageskarten und beim Landestarif verglichen.

Die Vielfalt ist verwirrend, sagt Lieb: Es gibt 24-Stunden-Karten, Gruppenkarten, die erst ab 9 Uhr gelten, welche für Familien oder fünf Personen. „Wer weiß, wie er in einem Verbund zum besten Ticket kommt, blickt einen Landkreis weiter schon nicht mehr durch“, sagt Lieb. So bringe man Autofahrer nicht in Busse und Bahnen. „Eine Harmonisierung der Bestimmungen wäre dringend notwendig.“

Und ein Ticket, das vom Kauf an 24 Stunden gültig ist. Das bringe dem Fahrgast mehr als Tageskarten, die weniger bringen, je später gegen Abend man sie kauft, sagt Lieb.

Bei den Preisen bemängelt der VCD große Unterscheide. Die großen Verkehrsverbünde sind eher günstig, kleine Verbünde fallen mit unattraktiven Tageskarten auf. Das beste Preis-Leistungsverhältnis biete das Baden-Württemberg-Ticket, ob für eine Person oder für fünf Personen. Bei den Single-Tickets folgen die Tageskarten im Rhein-Neckar-Verbund VRN und das Metropol-Tagesticket für die Region Stuttgart, dann die Ortenau-Tageskarte.

Vergleicht man die Angebote für fünf Personen, listet der VCD die VRN-Tageskarte im Rhein-Neckar-Verbund und die Ulmer Ding-Tageskarte auf Platz 2 und 3, gefolgt von der Stuttgarter VVS-Tageskarte.

Am teuren Ende findet sich der Rottweiler Verkehrsverbund VVR mit 28,80 Euro fürs Fünf-Personen-Tagesticket. „Der VVS verlangt fürs fast fünfmal größere Stuttgarter Verbundgebiet 19,50 Euro“, sagt Lieb. Vergleichsweise teuer sei auch Pforzheim mit 18,80 Euro für ein ebenfalls kleines Verbundgebiet.

Calw, Freudenstadt oder Konstanz bieten nur Familienkarten an, keine Gruppenkarte. Machen sich dort mehr als zwei Erwachsene zusammen auf, werde es „unverhältnismäßig teuer“, findet der VCD. „Auffällig hoch“ seien die Preise der Tageskarten im Freiburger Verkehrsverbund: 30 Prozent mehr als vergleichbar große Verbünde werden hier für die Gesamtnetz-Gruppentageskarte kassiert. „Freiburg setzt mehr auf Monatskarten“, sagt Lieb. Dabei seien Tageskarten wichtig, „als Impuls, damit Autofahrer auch mal Bus und Bahn testen“, sagt Lieb.

Von denen, die regelmäßig unterwegs sind, nutzten fast 90 Prozent regelmäßig das Auto, nur zehn Prozent den öffentlichen Nahverkehr. Fürs Umsteigen böten sich Tageskarten an: „Zum Testen kauft sich doch kein Autofahrer ein 365-Euro-Jahresticket“, sagt Lieb, „er will erst einmal ausprobieren, wie das funktioniert, mal mit der Bahn ans Ziel kommen.“

Höchstens 3 Euro fürs Ticket

Maximal 3 Euro sollte eine 24-Stunden-Karte für eine Person in Städten unter 100 000 Einwohnern kosten, sagt der VCD. 5 Euro sei die Obergrenze in Städten mit mehr als 100 000 Einwohnern. 7 Euro dürften es in kleinen Verbünden sein, 13 Euro in großen. Für Kleingruppen seien landesweit verbundüberschreitende Tageskarten nötig nach dem Vorbild der Karlsruher RegioX-Karte und dem Stuttgarter Metropol-Ticket.

VCD-Fazit: Tageskarten sind ideal für Wenignutzer und Kleingruppen, viele große Verbünde haben günstige Angebote. „Den kleinen Verkehrsverbünden sind Zeitkarten und Schülertickets oft wichtiger“, sagt Lieb. „Da wird das Potential zum Ansprechen neuer Fahrgäste mit Tageskarten nicht gesehen, leider.“

Von ganz klein bis riesengroß

22 Verkehrsverbünde gibt es im Südwesten. Der kleinste ist der Heidenheimer htv mit 627 Quadratkilometer Fläche, der größte der Verkehrsverbund Rhein-Neckar VRN mit der Zentrale in Mannheim und 12 103 Quadratkilometer Fläche. 8,50 Euro kostet zum Beispiel das htv-Tagesticket für eine Person laut VCD. 19 Euro sind es beim VRN, 14,80 Euro beim Donau-Iller-Nahverkehrsverbund, 14,90 Euro bei Naldo, 13 Euro bei VVS Stuttgart und Ostalbmobil und 9 Euro beim Kreisverkehr SHA.

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Erstellt:
23. August 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
23. August 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 23. August 2019, 06:00 Uhr

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