15 Minuten gespart

VCD: Neubaustrecke nutzt den Fahrgästen auch ohne Tunnelbahnhof

Kostenexplosion, Klagedrohung, Bauverzögerung: Alternativpläne müssen her, für die Neubaustrecke ohne Tunnelbahnhof, fordern S-21-Gegner. Bei Wendlingen muss nicht Endstation sein, sagen sie.

26.02.2013

Von ALFRED WIEDEMANN

Stuttgart Für die Befürworter des Bahnprojekts Stuttgart 21 ist klar: Tunnelbahnhof und Neubaustrecke nach Ulm gehören untrennbar zusammen. Die Gegner des Milliardenvorhabens sind anderer Meinung. Wird nur die Neubaustrecke gebaut, sei bei Wendlingen auf dem Acker nicht Endstation, wie ihnen immer vorgehalten wird. Schließlich sei in der Planfeststellung die Anbindung der Neubaustrecke an die bestehende Bahntrasse vorgesehen - gedacht für Güterzüge, eingleisig, mit Tempo 80 befahrbar.

Diesen Anschluss könnte man nutzen, um die Verbindungen zwischen Ulm und Stuttgart auch ohne Tunnelbahnhof zu beschleunigen, sagt Matthias Lieb, Landesvorsitzender des Verkehrsclubs Deutschlands. Schon mit der Inbetriebnahme der Neubaustrecke Ulm-Wendlingen ohne Realisierung von Stuttgart 21 "können erhebliche Verbesserungen im Fern- und Regionalverkehr umgesetzt werden", heißt es in einem neuen Fahrplankonzept des VCD, das der SÜDWEST PRESSE vorliegt. Die Neubaustrecke allein bringe schon einen "spürbaren Nutzen für den Fahrgast, teilweise sogar mehr als bei Stuttgart 21", sagt Lieb.

Nach den VCD-Fahrplanberechnungen könnten drei Zugpaare pro Stunde - ICE, TGV, IC und IRE - über die Neubaustrecke rauschen. 15 Minuten weniger Fahrzeit zwischen Ulm und Stuttgart seien so möglich. Bei diesem Konzept bleibt der stündliche ICE von Mannheim über Stuttgart nach München. Zusätzlich wird der ICE von Hamburg, der bisher zweistündlich fährt und in Stuttgart endet, nach München verlängert. Im Wechsel mit diesem ICE kommt ein zweistündlich verkehrender TGV Paris-Stuttgart-München hinzu. Der IC Frankfurt-Österreich hält in Plochingen und fährt über die Neubaustrecke, ein IRE Stuttgart-Lindau fährt neu über die Schnellbahnstrecke. So verkürze sich die Fahrzeit zwischen Ulm und Stuttgart von heute 54 auf 39 Minuten. Mit der Neubaustrecke lleine sei Ulm besser in den integralen Taktverkehr eingebunden als mit Stuttgart 21, so dass "die Fahrzeitverkürzungen auch auf Umsteigeverbindungen weitergegeben werden", heißt es in dem Papier. Trotz "nur suboptimaler eingleisiger Anbindung" kommen die VCD-Fachleute auf Fahrzeitverkürzungen, die ähnlich sind wie die mit dem Tunnelbahnhof errechneten. Von Reutlingen nach Ulm seien es dann 72 Minuten - mit S 21 und Neubaustrecke 74 Minuten. Von Stuttgart nach Ulm sollen es allein mit der Schnellbahnstrecke 39 Minuten sein, gegenüber 30 Minuten mit Neubaustrecke und Tunnelbahnhof.

Probleme benennt das VCD-Konzept auch: Die eingleisige Verbindungsstrecke soll laut Planung im Wendlinger Bahnhofsbereich von der Strecke nach Tübingen abzweigen. Die Züge von Stuttgart nach Ulm müssten damit die Strecke Tübingen-Stuttgart kreuzen, im Bahnhof Wendlingen kreuzt außerdem die S-Bahn nach Kirchheim. Zudem ist der Verkehr auf der Strecke Stuttgart-Plochingen-Wendlingen schon heute sehr dicht belegt. Ein Anpassen der Fahrpläne und ein Überprüfen der Signaltechnik sei nötig, um trotzdem kurze Zugfolgezeiten zu erreichen. Die Fahrplankonflikte seien aber zu lösen.

Mit fehlenden Alternativen, sagt VCD-Landeschef Lieb, sei der Weiterbau von Stuttgart 21 damit nicht mehr zu begründen. Der Bahnbetrieb auf der Neubaustrecke funktioniere auch ohne Tiefbahnhof.

Baustelle bei Temmenhausen: Die neue ICE-Strecke von Wendlingen nach Ulm gehört zum Bahnprojekt Stuttgart 21. Foto: dpa

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Erstellt:
26. Februar 2013, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
26. Februar 2013, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 26. Februar 2013, 12:00 Uhr

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