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Bahn

VCD: Ab zehn Minuten Geld zurück

Der Verkehrsverband fordert, dass das Land Fahrgäste bei Zugverspätungen entschädigt. Pendler finden den Vorstoß gut. Das zuständige Ministerium will ihn sorgfältig prüfen.

27.02.2018

Von DAVID NAU

Wenn's mal wieder länger dauert: Ginge es nach dem Verkehrsverband VCD, würden Pendler öfter entschädigt. Foto: Lino Mirgeler/dpa

Stuttgart. Die Tabelle, die Matthias Lieb mit dem Beamer an die Wand wirft, hat ziemlich viele rote Flächen. Darin hat der Landeschef des Verkehrsverbands VCD die Pünktlichkeit des Regionalverkehrs in den vergangenen 37 Wochen erfasst. Rot bedeutet, die Züge fuhren in weniger als 85 Prozent der Fälle pünktlich. „Die Pünktlichkeitswerte sind immer noch niedrig“, klagt Lieb. Die Bahn halte die vereinbarte Pünktlichkeitsquote von meist 94 Prozent nicht ein. Vor allem die Werte der Filstalbahn und der Frankenbahn sind fast durchgängig rot eingefärbt. Betroffen von den vielen Verspätungen seien vor allem die Fahrgäste, sagt Lieb: „Die Kunden leiden.“ Verschiedene Maßnahmen des Landes hätten zwar teilweise Verbesserungen gebracht, die Probleme seien aber noch immer da.

Der VCD fordert deswegen eine Entschädigungsregelung für Pendler, die von verspäteten Zügen betroffen sind. Bisher können Bahnkunden erst ab 60 Minuten Verspätung eine Entschädigung geltend machen, außerdem muss für jede Fahrt ein Antrag gestellt werden. Das Land bekomme hingegen regelmäßig Strafzahlungen von den Verkehrsunternehmen, die die Pünktlichkeitsquote nicht einhalten. Jüngst musste etwa die Deutsche Bahn wegen verspäteter Regionalzüge eine Rekordsumme von elf Millionen Euro an das Land zurückzahlen. Der VCD fordert, dass das Land künftig einen Teil dieser Strafzahlungen an die Fahrgäste weitergibt. „Das Land kann seine Klimaschutzziele nur erreichen, wenn die Fahrgastzahlen signifikant steigen“, sagt Matthias Lieb. Dazu sei eine hohe Kundenzufriedenheit notwendig. „Die ist aktuell nicht gegeben“, so der VCD-Landesvorsitzende.

Der Verband schlägt vor, Bahnkunden mit einem Einzelfahrschein künftig ab einer Verspätung von mehr als zehn Minuten den vollen Fahrpreis zu erstatten. Für Pendler fordert Lieb eine Entschädigung von zehn Prozent des Ticketpreises in jedem Monat, in dem die Bahn die Pünktlichkeitsvereinbarung nicht eingehalten hat. In anderen Ländern gebe es solche Regelungen bereits.

Einer der verspätungsgeplagten Pendler ist Jürgen Oßwald. Er pendelt jeden Tag mit der Filstalbahn von Ebersbach im Kreis Göppingen nach Stuttgart zu seinem Arbeitsplatz. Er findet: „Eine Entschädigung vom Land wäre eine gute Geschichte“. Es könne nicht sein, dass die Pendler für eine Dienstleistung der Bahn bezahlten, das Land aber die Strafzahlungen erhalte, wenn die Leistung nicht erbracht werde. „Ich habe nicht viel davon, wenn wegen ausgefallener Züge auf der Filstalbahn irgendwo im Land eine kaputte Weiche repariert wird“, sagt Oßwald.

Eine Entschädigung fordert auch die Landtagsabgeordnete Nicole Razavi. Die CDU-Politikerin kennt die Situation auf der Filstalbahn aus ihrem Wahlkreis Geislingen. Sie wolle in Kürze mit den Grünen und Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) beraten, „wie ein Teil der Mittel den Fahrgästen zugutekommen kann. Sie sind schließlich die Leidtragenden der Verspätungen und Ausfälle“, teilt Razavi schriftlich mit. Dem Vorschlag des VCD erteilt sie allerdings eine Absage. Er gehe zu weit und sei „weder realisierbar noch finanzierbar“.

Das Verkehrsministerium äußert sich zu den Forderungen nur kurz. Der Sprecher von Verkehrsminister Hermann teilt schriftlich mit, man nehme „den Vorstoß des VCD angesichts zahlreicher Verspätungen und Zugausfällen auf einzelnen Nahverkehrsstrecken ernst“ und werde ihn „sorgfältig prüfen“.

Verspätungsgeplagt ist auch der VCD-Landesvorsitzende Lieb. Am Ende der Pressekonferenz hat er noch etwas länger Zeit, um Fragen zu beantworten: Die Bahn-App hat ihn informiert, dass sein Zug neun Minuten später abfährt.

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Erstellt:
27. Februar 2018, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
27. Februar 2018, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 27. Februar 2018, 06:00 Uhr

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