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KARLSRUHE

Urteil wegen versuchter Anstiftung zum "Ehrenmord" rechtskräftig

(tol). Das Landgericht Limburg/Lahn hatte einen 47-jährigen Türken unter anderem wegen versuchter Anstiftung zum Mord aus niedrigen Beweggründen zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von fünf Jahren und sechs Monaten verurteilt. Er legte Revision unter anderem wegen Verfahrensfehler ein. Das Karlsruher Bundesgericht verwarf sie. Somit ist das Urteil rechtskräftig.

02.11.2007

Der aus Anatolien stammende Angeklagte, selbst als Imam tätig und den heimatlichen Wertvorstellungen eng verbunden, hatte beschlossen, eine seiner Töchter, die 21 Jahre alte Gülperi, im Sommer 2006 in die Türkei zu schicken und dort mit einem seiner Neffen, den Gülperi nicht kannte, zu verheiraten.

Noch während der Verlobungsfeier verliebte sich Gülperi jedoch in einen anderen ihrer Cousins; dem von ihrem Vater für sie ausgesuchten Mann brachte sie dagegen keine Zuneigung entgegen. Dennoch schloss Gülperi mit diesem eine so genannte "Imam-Ehe". Das hieß aber, dass sie nach den örtlichen Wertvorstellungen nicht mehr ohne Begleitung ihres Mannes das Haus verlassen oder sich einem anderen Mann zuwenden durfte.

Gülperi weigerte sich jedoch, auch die standesamtliche Ehe mit diesem Mann einzugehen. Stattdessen zog sie in das Haus der Mutter ihres Geliebten und lebte dort bis zu ihrer Rückreise nach Deutschland. Noch vor ihrer Abreise löste sie das eingegangene Verlöbnis und später – mit der Zustimmung ihres Verlobten - auch die geschlossene "Imam-Ehe".

Der Vater wollte sich mit der Weigerung seiner Tochter, den von ihm bestimmten Mann zu heiraten, und ihrer Zuwendung zu einem anderen Mann während der bestehenden "Imam-Ehe" nicht abfinden. Das Verhalten Gülperis stellte für den in seinen heimatlichen Wertvorstellungen verwurzelten Angeklagten eine schwere Verletzung der Familienehre dar.

Der Imam fesselte Gülperi in der Wohnung an einen Heizkörper und drohte ihr mit dem Tod, falls die Hochzeit nicht doch noch stattfinden werde. Gülperi erklärte sich in Todesangst bereit, floh jedoch mit der Hilfe ihrer ehemaligen Arbeitgeberin, der sie sich anvertraut hatte, in die Türkei, um dort bei der Familie ihres Geliebten Zuflucht zu suchen.

Telefonisch erklärte sie dem Angeklagten, sie lebe jetzt mit ihm zusammen und werde ihn heiraten. Nach den Wertvorstellungen des Angeklagten konnte die Verletzung der Familienehre allein durch Gülperis Tod wieder gutgemacht werden. Der Angeklagte versuchte, seinen zweitältesten Sohn dazu zu bewegen, Gülperi in die Türkei zu folgen und sie dort zu töten.

Der Sohn war als "Vollstrecker" vom Angeklagten ausersehen worden, weil er die "Unbotmäßigkeiten" seiner Schwester, die er auf ihrer Reise in die Türkei begleitet hatte und die er dabei nach dem Willen des Angeklagten zu beaufsichtigen hatte, zugelassen hatte. Zudem ging der Angeklagte davon aus, dass der noch minderjährige Ruhi eine geringere Strafe zu befürchten habe.

Doch der Sohn offenbarte sich seinem Lehrer, der die Polizei verständigte. Das Landgericht Limburg verurteilte den Imam zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von 5 Jahren und 6 Monaten. Er aber legte Revision ein. Nun hat der Bundesgerichtshof die auf die Verletzung materiellen Rechts sowie auf behauptete Verfahrensfehler gestützte Revision des Angeklagten verworfen. Die Verurteilung ist damit rechtskräftig.

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02.11.2007, 12:00 Uhr
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