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Speisekarte auf Arabisch

Urlauber aus den Golfstaaten lieben den Ferienort Garmisch-Partenkirchen

Gästeführungen und Speisekarten auf Arabisch – Garmisch-Partenkirchen boomt bei Urlaubern aus den Golfstaaten. Der Ferienort stellt sich auf die Gäste ein.

16.08.2016
  • PAUL WINTERER, DPA

Garmisch-Partenkirchen. Dem Sultan von Oman sei Dank – in Garmisch-Partenkirchen prägen in diesen Tagen wieder Urlauber aus den Golfstaaten das Ortsbild. Wenn der 75-jährige Qabus ibn Said, der milliardenschwere Herrscher des arabischen Sultanats, zu Füßen der Zugspitze Urlaub in seinem prachtvollen Anwesen macht, tun es ihm viele Familien aus arabischen Ländern gleich. Es hat sich herumgesprochen in Oman, Dubai oder Kuwait, dass es sich in dem Alpenort für einige Wochen im Jahr gut leben lässt. „Bild“ titelte unlängst: „Willkommen in Arabisch-Partenkirchen“.

Die Zahlen aus dem Tourismusbüro belegen es: Die arabischen Touristen stellen die größte ausländische Touristengruppe. Mit fast 53 000 Übernachtungen nahmen sie den USA 2015 den Spitzenplatz im Auslandsgeschäft ab. Der Zuwachs gegenüber dem Vorjahr: satte 44 Prozent. Nach den USA mit knapp 49 000 Übernachtungen belegt Großbritannien mit rund 38 600 Platz drei. Entsprechend hat die Gemeinde reagiert. Sie bietet Gästeführungen auf Arabisch an.

Auch die Vermieter haben sich rasch auf den Wandel eingestellt. „Unsere Hoteliers sind megaflexibel, um den Wünschen der arabischen Gäste gerecht zu werden“, sagt Jutta Griess vom örtlichen Hotel- und Gaststättenverband. Das heißt auch, sich besonders der mitreisenden Kinder anzunehmen, die in den Familien einen hohen Stellenwert haben. „Da kommen wir den Gästen mit zusätzlichen Kinderbetten in den Zimmern entgegen“, nennt Griess als Beispiel. Und wenn der Nachwuchs im Speisesaal oder am Swimmingpool etwas lauter ist – macht nichts.

Die Gastronomie hat auf die Essgewohnheiten der arabischen Gäste reagiert. „Das bedeutet nicht, dass wir Schweinefleisch ganz von der Speisekarte nehmen“, sagt Griess. Beim Frühstücksbuffet würden aber entsprechende Produkte eigens gekennzeichnet.

Gerne gehen Familien aus den Golfstaaten ins Akram‘s, das auf euro-asiatische Kost spezialisiert ist. Der Inhaber Mohammad Akram ist Pakistaner und hat jahrelang in Deutschlands höchstgelegenem Restaurant auf der Zugspitze (2962 Meter) gekocht, ehe er sein eigenes Restaurant im Ort eröffnete. „Für unsere arabischen Gäste haben wir eine spezielle Speisekarte“, sagt Akram. „Und allein schon der Gesundheit wegen verwenden wir grundsätzlich kein Schweinefleisch.“

Akrams Frau Christine berichtet, dass in den Sommermonaten ein Großteil der Gäste aus den Golfstaaten kommt. Sie bevorzugten im Juli und August das kühlere Klima hierzulande. Die ganze Familie versammelt sich zum Essen, das durchaus üppig ausfallen kann. „Sie bestellen Suppe, Salat und ein Hauptgericht“, weiß Akram. „Die Speisen kommen in die Mitte des Tisches, und alle essen davon.“

Wenn dabei nicht nur die Kinder die Finger zu Hilfe nehmen, rümpft mancher deutsche Gast freilich die Nase. „Wir mussten uns schon beschimpfen lassen“, berichtet Akrams Frau Christine, die im Service mitarbeitet. Aber es gelte eben auch beim Essen das Motto „andere Länder, andere Sitten“.

Michaela Nelhiebel von der Werbegemeinschaft des örtlichen Einzelhandels kann ein Lied davon singen. „Arabische Damen erfordern ein wenig mehr Aufmerksamkeit“, hat die Vorsitzende und Mitinhaberin eines Optikergeschäfts am Kurpark gelernt. „Sie kommen öfter, bis sie sich entscheiden. Und selbstverständlich wollen sie den Preis runterhandeln.“

Derzeit sind Sonnenbrillen der Renner. „Es soll natürlich das neueste Modell sein“, sagt Nelhiebel. Für verschleierte Araberinnen wurde ein separater Raum eingerichtet, in dem sie diskret und ausschließlich von weiblichem Personal beraten werden und Brillengestelle mit enthülltem Gesicht testen können, ohne dass ihre religiösen Gefühle verletzt werden. Auch die örtlichen Parfümerien, in denen sich die Frauen aus den Golfstaaten mit den gefragtesten Düften versorgen, beraten ihre Kundschaft rücksichtsvoll. Viele Touristen verbinden ihren Urlaub auch mit Klinikbesuchen und Shopping-Ausflügen nach München.

Der schwerreiche Sultan von Oman macht sich indessen bei seinen Besuchen in Garmisch-Partenkirchen rar. Der 75-Jährige taucht so gut wie nie im Ort selbst auf, wie Einheimische wissen. Er bleibt lieber in seinem streng bewachten Refugium. Von seiner Anwesenheit zeugen allenfalls Nobellimousinen mit verdunkelten Scheiben. Zudem ist sein Begleittross recht präsent im Ort. Und auch die Gefolgsleute des Monarchen lassen gutes Geld im noblen Ferienort.

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16.08.2016, 06:00 Uhr
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