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Leitartikel Euro

Unvernünftig

Vielleicht werden die Geschichtsschreiber dereinst von der Zeit vor und nach der Juncker-Rede sprechen. Vorher herrschte Übereinstimmung darin, dass eine Aufstockung des Euro-Clubs der 19 nicht zur Debatte stehe – zu stark seien die Fliehkräfte, die nationalen Egoismen und die finanziellen Belastungen. Den Euro auch in den EU-Staaten einzuführen, die ihn noch nicht haben – also etwa in Bulgarien oder Rumänien? Keiner, der sich für seine Worte auch verantworten müsste, wäre darauf gekommen.

21.09.2017
  • HELMUT SCHNEIDER

Ulm. Europa und der Euro spielen bezeichnenderweise bei keiner Partei im Bundestagswahlkampf eine Rolle. Und jetzt kommt Jean-Claude Juncker, der EU-Kommissionschef, mit diesem kühnen Entwurf daher. Hat er damit Recht?

Zunächst muss die politische Vision von der praktischen Umsetzbarkeit, das langfristige Ziel also von den aktuellen politischen Barrieren abgegrenzt werden. Juncker, der überzeugte Europäer, hat den großen Wurf skizziert, um den Kontinent nach Jahren der Finanz-, Staatsschulden- und Flüchtlingskrisen wieder mit einem Selbstbewusstsein auszustatten, die dem arg lädierten Gemeinschaftsgeist neuen Schwung verleihen soll. Das ist grundsätzlich richtig. Seine Ruck-Rede enthält auch eine Reihe richtiger Reformen. Aber sein „Euro für alle“ ist allenfalls als hehres Signal zu begrüßen. Im Europa der Gegenwart wirkt es deplatziert.

Ein einheitlicher Währungsverbund zieht zwangsläufig ökonomische Folgerungen größter Wirkung nach sich. Das war bei der deutschen Wiedervereinigung ebenso wie bei Gründung der Gemeinschaftswährung. Der politische Wille war hier wie dort teilweise stärker als die ökonomische Vernunft. Erst Jahre später zeigte sich, dass der Euro in Griechenland ganz gewiss und in dem einen oder anderen Land womöglich zu früh gekommen ist. Seither hangelt sich der Euro-Verbund mehr schlecht als recht am Rande eines immer wieder mal denkbaren Kollapses entlang.

Um nicht falsch verstanden zu werden: Europa ist eine großartige Idee, der Euro die stärkste Kraft, die der Idee Ausdruck verleiht. Der Euro ist auch eine ausgesprochene Erfolgsgeschichte, die ihm keiner der Kassandras zu Beginn zugetraut hätte.

Aber der Euro steht noch immer nicht auf gesichertem Fundament. An diesem Fundament wird seit geraumer Zeit gearbeitet. Das ist alles richtig und alles schwierig, unter den einen Hut der 19 Länder zu bringen.

Die ökonomische Achillesferse einer Gemeinschaftswährung wird immer dann sichtbar, wenn die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit zu weit auseinanderklafft – im Falle Rumäniens oder Bulgariens ist das ohne Zweifel so. Deshalb kommt der Euro auch nur dort in Frage, wo die Kriterien erfüllt sind. Sie sollten nicht erneut im Dienste politischen Wunschdenkens überdehnt werden.

Der Euro für alle ist eine gute Vision am fernen Horizont. Ihn vorher einzuführen wäre aber riskant und unvernünftig. Man baut auf ein Gebäude mit 19 Etagen erst dann weitere Stockwerke, wenn das Fundament repariert und stabil ist.

leitartikel@swp.de

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21.09.2017, 06:00 Uhr
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