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Unterschriften-Aktion gegen die Bohlstraßen-Sperrung zwischen Schwanen und Bürgerhaus
Fast schon ein Platz, die Nehrener Bohlstraße Anfang Dezember: Rechts ist der Schwanen, links das Bürgerhaus. Bild: Rippmann
Anwohner wehren sich: Die Nehrener Bohlstraße polarisiert

Unterschriften-Aktion gegen die Bohlstraßen-Sperrung zwischen Schwanen und Bürgerhaus

„Wir waren geschockt, als wir aus der Zeitung davon erfuhren“: Das sagten Anwohner am Montagabend in der Sitzung des Gemeinderats Nehren zu dem Thema, das den Ort gerade ganz besonders beschäftigt: Die Bohlstraße zwischen Gasthaus Schwanen und Bürgerhaus soll dauerhaft gesperrt werden.

20.12.2017
  • Jürgen Jonas

Laut einem Beschluss des Gemeinderats vom Anfang des Monats. Die mit neun gegen fünf Rats-Stimmen gefällte Entscheidung löste bei manchen Anwohnern Unmut aus, der sich auch in Leserbriefen im TAGBLATT-Bürgersprachrohr Luft machte.

Die Besucherstühle im Ratssaal waren deshalb alle besetzt. Für den Gesprächsbedarf hatte Bürgermeister Egon Betz eine „Extra-Bürgerfragestunde“ angesetzt – normalerweise gibt es nur eine pro Monat.

Ja, so Betz, eine „deutliche Mehrheit“ im Rat habe sich dafür ausgesprochen, das Straßenstück zu einem Platz zu gestalten: im Einverständnis mit dem Landratsamt, sogar auf dessen Vorschlag. Das relativ geringe Verkehrsaufkommen habe zur Entscheidung geführt. Außerdem sei ein bloß verkehrsberuhigter Bereich, wie er ursprünglich ins Auge gefasst worden war, auf den wenigen Metern dort nicht zu kontrollieren – was auch die drei Polizisten im Gremium so gesehen hatten.

Manche Anwohner sehen sich mit der Entscheidung vor vollendete Tatsachen gestellt. Sie befürchten unter anderem, dass sich der Verkehr störend in die Dußlinger Straße verlagert. Ein Anwohnerin sagte, mit der Entscheidung falle auch „rechts vor links“ weg, also „ein Dran-Denkerle“, dass hier eine Ausfahrt und die Geschwindigkeit zu reduzieren sei. In der Dußlinger Straße sammle sich derweil der Autoverkehr, etwa bei Arzt und Kindergarten, dort vor allem zu Abholzeiten. Und Durchgangsverkehr gebe es auch zuhauf. Fahrer, die „durchheizen“, mit Geschwindigkeiten teilweise deutlich über 50, ja bis zu 80 Stundenkilometer. Dazu kämen auf der engen Strecke die Busse.

Ein anderer Anwohner beklagte sich, er habe das Gefühl, sich entschuldigen zu müssen, weil er bei seinem Wohnhaus rückwärts einzuparken gezwungen sei, was die Vorüberfahrenden störe. Jedenfalls sei der Verkehr in der Dußlinger Straße „enorm angestiegen“.

Betz sieht neben der Dußlinger mehrere belastete Straßen, die Gomaringer Straße etwa und Bubengasse. Natürlich sei die Ortsdurchfahrt von der Hauchlinger Straße bis zur Bahnhofstraße die Hauptstrecke für den Durchgangsverkehr. „Verkehrsberuhigung“ ist für ihn das oberste Stichwort, der Verkehr müsse besser gesteuert werden.

In der Dußlinger Straße seien mehrere Institutionen angesiedelt, dorthin werde der Verkehr bleiben. Die Bohlstraße hingegen sei eine reine Anwohnerstraße. Er sagte, die Situation werde mit dem Verkehrsplaner genau überprüft werden.

Gar nicht lange wird es dauern, bis auch in der Dußlinger Straße Kanal- und Leitungsarbeiten stattfinden, was mit dem Bau des Regenüberlaufbeckens zu tun hat. Auch die Buslinienführung werde neugestaltet, es gebe im Ort „große weiße Flächen“, wie Bubengasse mit Pflegewohnhaus und Schillerstraße, die bisher nicht erfasst seien. Mittelfristig werde der Bus nicht mehr aus der Dußlinger auf die Hauchlingerstraße hinausfahren. Wenn die Dußlinger Straße gerichtet werde, könne es sein, dass die Sperrung der Bohlstraße für diese Zeit aufgehoben werde.

Empört hat die Anwohner die Aussage, niemand habe sich beklagt in den zwei Jahren der Sperrung infolge des Schwanen-Umbaus – deshalb könne man sie einfach beibehalten. „Wir waren zwei Jahre tolerant“, sagten sie.

Beim Besuch bei der unteren Verkehrsbehörde, so Betz, sei gefragt worden: Hatten Sie große Probleme während der Sperrung? Antwort: Nein. Ist das Verkehrsaufkommen sehr hoch? Antwort: Nein. Man empfahl darauf, die Sperrung „jetzt“ vorzunehmen – eine eher „psychologische Empfehlung.“ In solchen Fragen gebe es, sagte er, nie „richtig oder falsch“, man müsse verschiedene Sichtweisen gegeneinander abwägen. Der Mehrheit sei es darum gegange, die „Aufenthaltsqualität“ beim Bürgerhaus zu verbessern. Die Maßnahme sei „eingebettet“ in ein Gesamtkonzept, in dessen Rahmen man sich auch um Bubengasse und Dußlinger Straße kümmern werde. „Alles wird besser werden“, daran arbeite man.

Eine bessere Beschilderung auch für die Parkpätze wurde angemahnt, eine Anregung, die schon in der Debatte im Gemeindrat eine Rolle spielte. Gruppen etwa, die im Schwanen reserviert hätten, sollen deutlich auf den Parkplatz beim Friedhof hingewiesen werden. Und, so der Hinweis von Betz: „Auch für Schwanen-Besucher gilt die Straßenverkehrsordnung!“ Diese parkten teilweise, als befänden sie sich in der Großstadt. Andererseits: Durch die Baumaßnahmen rund um den Schwanen seien deutlich mehr Parkplätze entstanden. Und Tempo 30 schließlich bedeute gegenseitige Rücksichtnahme, die Verletzung der Maximalgeschwindigkeit sei „kein Spaß“! Durchsetzung der Rücksichtnahme, „das ist unser Ziel“.

Die Betroffenen sehen jedenfalls „keine Entlastung“ auf die nächsten Jahre hin. Und sammeln derzeit Unterschriften gegen die Entscheidung. Die Einsprüche solle man „nicht wegschieben“, forderte eine Anwohnerin. Wenn die Unterschriftenliste ins Rathaus komme, werde nach der Gemeindeordnung ein halbes Jahr vergehen, bis der Punkt wieder auf die Tagesordnung kommt, informierte Betz. Der Gemeinderat habe schließlich nach langer Diskussion eine bindende Entscheidung getroffen. Ob die Enscheidung dann anders ausfalle, wisse man nicht. Der Rathauschef äußerte jedenfalls Freude über die Fragerunde: „Wir sitzen hier oft sehr allein.“

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20.12.2017, 01:00 Uhr
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