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Unterm Regenschirm
gegen Hass und Hetze
Gegen eine „Politik der Angst“ gingen gestern in München 18 000 Demonstranten auf die Straße. Foto: Theo Klein/epd
Protest

Unterm Regenschirm gegen Hass und Hetze

In der bayerischen Landeshauptstadt ziehen zehntausende Menschen unter dem Motto „#ausgehetzt“ durch die Straßen. Sie wenden sich vor allem gegen die Asylpolitik der CSU.

23.07.2018
  • PATRICK GUYTON

München. Den Text auf dem weißen Laken hat sich Matti Bauer am Morgen ausgedacht: „Bayern weint wegen Euch.“ Der Demonstrant steht nun um 13.30 Uhr auf dem Münchner Goetheplatz in der Isarvorstadt, und der Dauerregen perlt an seinem Trachtenhut hinab. Bauer ist einer von den – nach Veranstalterangaben – 18 000 Menschen, die an diesem Sonntag unter dem Motto „#ausgehetzt“ demonstrieren: „Gemeinsam gegen die Politik der Angst“, lautet das Motto, die Kundgebungen, verteilt auf mehrere Plätze der Stadt, richten sich gegen die CSU-Flüchtlingspolitik, aber auch das neue bayerische Polizeigesetz oder die Wohnungsknappheit. „Seehofer, Söder, Dobrindt und Co.“ werden in dem Aufruf eine „Politik der Spaltung“ vorgeworfen, ein „massiver Rechtsruck“, sowie „Hass und Ausgrenzung“.

Den „hemmungslos verachtenden Ton“ der CSU-Politiker kritisiert bei der Auftaktkundgebung Antonia Veramandi, Leiterin der Münchner Schlau-Schule, wo Flüchtlingskinder unterrichtet werden. „Dieser Ton, Herr Söder“, ruft sie ins Mikrofon, „löst Rassismus und Nationalismus aus“. Die CSU sei mittlerweile „moralisch insolvent“.

Da regnet es nicht nur, es prasselt heftig. Die Demonstranten bilden ein unüberschaubares Meer von Regenschirmen, jene mit den Längsstreifen der Farben des Regenbogens dominieren, man sieht aber auch ein paar mit bayerischem blau-weißen Rautenmuster und sogar eine Frau mit schwarzem Hotel-Hilton-Schirm.

Der Regen kriecht durch fast jedes Schuhwerk. Doch keiner scheint sich davon abhalten zu lassen. „Helfen statt hetzen“, steht auf selbstgebastelten Schildern, „CSU abschieben“ und „Seehilfe statt Seehofer“. Jüngere und ältere Leute sind da, Kinder wurden in Regenjacken und -hosen gepackt. Parteien wie SPD, Grüne und Linke, die neben 140 anderen Organisationen zu dem Protest aufgerufen haben, dominieren nicht das Bild.

In einer nächtlichen Eilaktion hat die CSU in weiten Teilen der Stadt Gegen-Plakate aufgestellt. Sie hängen an Lkw, die am Straßenrand stehen. „Ja zum politischen Anstand“, steht da in weiß-blau darauf, „Nein zu #ausgehetzt“. Und weiter: „Bayern lässt sich nicht verhetzen.“ Der Demonstrationszug geht daran vorbei, kaum einer nimmt das wahr.

Die „#ausgehetzt“-Aktion ist so konzipiert, dass sie am Sonntag tatsächlich das Stadtbild beherrscht: Über vier Kundgebungen hinweg zieht sich der Protest vom Goetheplatz über das Wiesn-Gelände und die Bahnhofsgegend nach Norden zum Königsplatz. Die dortige Kundgebung geht bis in den Abend hinein, doch schon am Nachmittag ist dort kein Durchkommen mehr. Patrick Guyton

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23.07.2018, 06:00 Uhr
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