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Unterbesetzung wird zur Zerreißprobe für das Personal
An den Unikliniken fehlt Personal – auch hier auf der Intensivstation des UKT. Archivbild: Metz
Personalmangel an den Kliniken

Unterbesetzung wird zur Zerreißprobe für das Personal

Überstunden, zu wenig Zeit, zu wenig Pausen, viel Verantwortung: Verdi und Pflegekräfte fordern mehr Entlastung in Kliniken.

07.09.2017
  • Madeleine Wegner

Alle Abteilungen und Stationen am Uniklinikum Tübingen (UKT) arbeiten zurzeit über dem Belastungslimit: Es ist zu wenig Personal da und der Betrieb werde nur am Laufen gehalten durch Überstunden, Einspringen an freien Tagen, Wegfall der gesetzlichen Pausen und ausgedünnte Schichten. Das kritisiert die Gewerkschaft Verdi und fordert einen Tarifvertrag zur Entlastung. „Die Pflegefachkräfte beschweren sich nicht einmal über die schlechte Bezahlung, sondern darüber, dass die Arbeit einfach nicht mehr zu schaffen ist“, sagte Verdi-Bezirksgeschäftsführer Benjamin Stein gestern beim Pressegespräch.

Weniger Personal hat mehr Verantwortung

Die aktuelle Wahlkampfphase nutzen Gewerkschaft und Mitarbeiter der Kliniken dafür, um auf die Zustände und Arbeitsbedingungen in den Krankenhäusern aufmerksam zu machen. Durch den Personalmangel falle viel mehr Verantwortung auf die Mitarbeiter. Diese müssten entscheiden, welche der Aufgaben sie in der knappen Zeit erledigen können – und welche wegfallen. „Der Beschäftigte entscheidet, was wichtig ist. Das ist sehr belastend“, sagte Stein.

Auswirkung auf die Ausbildung

Das bekommen auch die im Pflegebereich fast 500 Auszubildenden am UKT zu spüren. „Die Anleitung fällt als erstes weg. Stattdessen wird von den Azubis erwartet, dass sie den Personalmangel mit abfangen“, sagte UKT-Personalrat Michael Sauter. Wegen des großen Stresses würden nach Abschluss der Ausbildung immer mehr junge Leute aus dem Beruf wieder aussteigen. Und das, obwohl der Beruf einiges zu bieten hat. „Er hat sich wirklich entwickelt“, sagte Gabi Kaiser. Sie arbeitet seit vielen Jahren auf der onkologischen Station des UKT. „Wir sind deutlich besser qualifiziert und übernehmen mehr ärztliche Tätigkeiten.“ Das mache den Beruf der Krankenpflege attraktiver im Vergleich zu früher.

Einspringen an freien Tagen

Zum fehlenden Personal kommen auch verkürzte Liegezeiten der Patienten hinzu. „Früher hatten wir einen oder zwei neue Patienten pro Tag, heute sind es acht“, berichtete die Krankenpflegerin. „Das bedeutet für den Stationsalltag extrem viel Stress.“

Ein „Riesenproblem“ sei laut Personalrat Sauter, dass Mitarbeiter auch an freien Tagen einspringen. Dabei sei der Druck unter den Kollegen immens, weil man sich nicht gegenseitig hängenlassen wolle. „Das ist wieder Verantwortung, die der Arbeitgeber an die Teams gibt“, sagte Sauter. Das bestätigte auch Kaiser. „Wir haben keine Personalpuffer mehr“, sagte die Krankenpflegerin. „Meine Kollegen sind froh, dass ich mir meine Überstunden auszahlen lasse, sonst würde es noch weniger funktionieren.“

Der Personalmangel betrifft in den Kliniken nicht nur den Bereich Pflege, auch in der Verwaltung oder der Technik fehlen Leute. „Wir sind in allen Bereichen unterversorgt. Überall wird an der Ressource Personal gespart“, sagte Sauter .

Verdi hat die Unikliniken bundesweit zu Tarifverhandlungen aufgefordert. Auch für das UKT fordert die Gewerkschaft eine Mindestpersonalausstattung, Regelungen zum Entlastungsausgleich (wenn die tarifvertraglichen Vorgaben nicht eingehalten werden) und Zeit für Ausbildung. Der Arbeitgeberverband der Uniklinika im Land (AGU) will darüber zunächst am 16. Oktober beraten.

Protest-Aktionen und Demonstrationszug

Da zurzeit über gesetzliche Vorgaben zur Personalausstattung verhandelt wird, übergeben Klinikbeschäftigte am Samstag beim CDU-Parteitag in Reutlingen, ab 9 Uhr vor dem Tübinger Tor ihre Forderungen. „Wir machen‘s auch bei der SPD“, sagt Verdi-Bezirksgeschäftsführer Benjamin Stein.

Die nächste Aktion ist der bundesweite Händedesinfektionstag am Dienstag, 12. September, bei dem Beschäftigte in Krankenhäusern auf Notwendigkeit, aber auch Zeitaufwand der Desinfektion hinweisen. Am Dienstag, 19. September, ruft Verdi ab 11 Uhr zu Demonstrationszug und Kundgebung in Tübingen auf.

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07.09.2017, 19:22 Uhr
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