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Leibniz-Kolleg zurück an der Uni

Unter dem Dach des Forum ScientiarumPLUS soll es eigenständig bleiben

Nach 43 Jahren in privater Trägerschaft rückt das Leibniz-Kolleg wieder unter das Dach der Eberhard-Karls-Universität. Die bundesweit bekannte Einrichtung soll vergrößert, unter neuen Rahmenbedingungen aber auch modifiziert werden.

13.01.2016

Von Hans-Joachim Lang

Das streng sachlich gegliederte Gebäude in der Tübinger Brunnenstraße wurde gegen Ende der Weimarer Republik von dem Architekten Paul Schmitthenner als „Deutsche Burse“ für Auslandsdeutsche erbaut. Bild: Metz

Tübingen. Uni-Rektor Prof. Bernd Engler eröffnete die gestrige Pressekonferenz, in der die Entscheidung bekanntgegeben wurde, mit einer Fanfare höchsten Lobs auf das „prächtig entwickelte“ Leibniz-Kolleg, das im Land einen „Ruf wie Donnerhall“ genieße, eine „wunderbare Geschichte geschrieben“ habe und das sich „weiterhin als Erfolgsmodell bewähren“ solle.

Direktor Michael Behal, der seit genau 40 Jahren in verantwortlicher Position und seit 22 Jahren als hauptamtlicher Direktor für dieses Erfolgsmodell steht, saß derweil seitab, als offizielle Repräsentanten flankierten den Rektor Prof. Jan Born und Prof. Dietrich Niethammer, der Vorsitzende der Stiftung und der Vorsitzende des Kuratoriums des Leibniz-Kollegs. Mit dem Rektor war noch Kanzler Andreas Rothfuß gekommen. Sogar Ex-Kanzler Georg Sandberger genoss zwölf Jahre nach Beginn seines Ruhestands wieder einmal die Atmosphäre einer Uni-Pressekonferenz. Er war an der kniffligen Konstruktion der Verträge beteiligt, die vom 1. Oktober an ein geregeltes Nebeneinander von drei interdisziplinären Einrichtungen ermöglichen sollen. Trägerin ist die Uni .

Zu diesem Zweck gründet die Universität ein Forum ScientiarumPLUS, unter dessen Dach das Leibniz-Kolleg, das Center for Interdisciplinary Studies (derzeit noch: Forum Scientiarum) und das Center for Advanced Studies aufgenommen werden sollen. Auch auf der horizontalen Ebene dieser Institutionen soll ein reger Austausch stattfinden. Leibniz-Kollegiaten sollen am Programm des Center for Interdisciplinary Studies teilnehmen können, in dem jährlich 20 Studierende und Doktoranden aller Fächer ein Jahr lang intensiv an interdisziplinären Fragestellungen arbeiten. Dabei können die Kollegiaten, deren Propädeutikum bislang nur unbewertete Gutachten kennt, erste Creditpoints erwerben.

Als dritte Säule fungiert dann das Center for Advanced Studies, das junge, interdisziplinär arbeitende Wissenschaftler für mehrere Monate als Research-Fellows nach Tübingen einlädt. Sie sollen sich am Lehrprogramm des Center for Interdisciplinary Studies beteiligen und ein Lebenshaltungsstipendium bekommen.

Wie Rektor Engler erläuterte, war das Leibniz-Kolleg bereits vor einigen Jahren auf die Universität zugekommen, um Kooperationsmöglichkeiten auszuloten, da sich mittelfristig Finanzierungsprobleme abzeichneten. Als Gegenleistung für die Übertragung zweier Leibniz-Häuser auf dem Österberg hatte das Land 25 Jahre lang eine jährliche Rate von 150 000 Euro gewährt. Dieser Zufluss endet mit dem 30. September diesen Jahres, für den gestern auch das Ende
der Selbstständigkeit besiegelt wurde. Mit den Stiftungsgeldern allein war der Betrieb nicht mehr zu leisten.

Nach langwierigen Verhandlungen war das neue Konstrukt entwickelt worden, von dem sich die Universitätsleitung Vorteile in der vermutlich demnächst anstehenden neuen Runde der Exzellenzinitiative erhofft. Es ist vorgesehen, das Angebot von derzeit 53 auf künftig 90 Kollegplätze auszubauen und die Lehre verstärkt an Uni-Professoren zu übertragen. Gebühren müssen die Kollegiaten weiterhin bezahlen, künftig sogar noch mehr. Um eine sozial ausgewogene Zusammensetzung zu erreichen, so Engler, laufen derzeit Verhandlungen mit Stiftungen.

Jan Born betonte, dass man „mit voller Zuversicht in eine neue Ära“ gehe. Und Dietrich Niethammer fügte an, dass alle in der Vergangenheit erörterten Modelle einer Zusammenarbeit keine langfristige Existenz-Perspektive boten und darum die vollständige Integration in die Universität der einzige Weg sei, die Eigenständigkeit weitgehend zu erhalten.

Das Tübinger Leibniz-Kolleg

Den Anstoß für das Tübinger Leibniz-Kolleg gaben bildungspolitisch engagierte Mitglieder der französischen Militärregierung, die der wiedereröffneten Tübinger Universität den Geist einer demokratisch fundierten Gelehrtenrepublik einhauchen wollten. Die Konzeption geht auf den katholischen Religionsphilosophen Prof. Romano Guardini zurück, der in Tübingen forschte und lehrte. Zu den wichtigsten Geburtshelfern des Kollegs zählte Carlo Schmid, der damalige Justizminister des Bundeslands Württemberg-Hohenzollern. Das am 2. Februar 1948 offiziell eröffnete Leibniz-Institut war von Anfang an Teil der Eberhard-Karls-Universität – bis es 1972 ausgegliedert wurde. Die neue Institution bereitete die Kollegiaten interdisziplinär aufs Studium vor, vermittelte neben dem intellektuellen Zugang zur Wissenschaft auch die Erfahrung des überwiegend selbstverwalteten Zusammenlebens.

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Erstellt:
13. Januar 2016, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
13. Januar 2016, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 13. Januar 2016, 01:00 Uhr

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