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Starthilfen fürs Studium

Unis, Hochschulen und Ministerium bereiten sich auf Flüchtlinge vor

Manch junger Flüchtling hofft auf einen Studienplatz, kann sogar einen akademischen Grad vorweisen. Hochschulen und Unis wollen dieses Potential nutzen. Eine gemeinsame Initiative soll Hürden senken.

06.10.2015
  • CHRISTOPH MAYER BETTINA WIESELMANN

Neu-Ulm/Stuttgart In Syrien war er als Akademiker in Lohn und Brot, in Deutschland ist er zum Nichtstun verdammt: Montaser Al Naser lebt seit kurzem in einer Asylunterkunft in der bayerisch-württembergischen Doppelstadt Ulm/Neu-Ulm. Stolz zeigt der 30-Jährige sein syrisches Bachelor-Diplom in Wirtschaftswissenschaften. "Ich würde gerne einen Master draufsetzen", sagt er in fließendem Englisch.

Geht es nach der Hochschule Neu-Ulm, kann Al Naser womöglich schon bald damit anfangen. Vizepräsidentin Juli Kormann präsentierte gestern einen Maßnahmenkatalog, mit dem die Hochschule Flüchtlinge in den Hörsaal bringen will. "Wir verstehen das nicht als kurzfristiges Hilfsprogramm, sondern möchten die Menschen langfristig an die Region binden."

Eine Hochschulzugangsberechtigung und ausreichende Deutschkenntnisse sind Voraussetzung für ein ordentliches Studium. Wer damit nicht dienen kann, darf sich immerhin als Gasthörer einschreiben oder das Kulturprogramm nutzen. Die auch dafür notwendige Immatrikulationsgebühr soll über Spenden zusammenkommen. Hilfen aus dem Haushalt der Hochschule sind nicht zu erwarten. "Das geht schon aus Gründen der Gleichbehandlung nicht", sagt Kormann.

So erwarten Flüchtlinge weiterhin Hürden - auch wenn Unis und Hochschulen in Bayern wie in Baden-Württemberg diese senken wollen. Welchen Andrang an zusätzlichen Studenten das bringt? Zahlen kennt keiner. Aber es sei davon auszugehen, dass "spätestens ab nächstem Sommersemester" viele Flüchtlinge in die Hochschulen drängen. Davon ist der Vorsitzender der baden-württembergischen Landesrektorenkonferenz, Freiburgs Uni-Chef Hans-Jochen Schiewer, überzeugt. Die meisten von ihnen starten sicher als Studierende. Doch gerade aus Syrien kommen auch viele ausgebildete Wissenschaftler.

Bastian Kaiser, der im Land die Hochschulen für Angewandte Wissenschaften (HAW) vertritt, nannte es gestern bei der gemeinsamen Pressekonferenz mit Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) "hervorragend", dass man einheitliche, speziell auf die Flüchtlinge zielende Angebote machen wird. Wie die Neu-Ulmer haben auch die Kollegen im Südwesten ein Maßnahmenpaket geschnürt. Dazu gehört ein ab Mitte Oktober auf der Webseite des Ministeriums zu findender Online-Wegweiser für Flüchtlinge. Auch jede Hochschule wird ein eigenes Online-Portal mit den wichtigsten Informationen erstellen. Zur Koordination der Angebote und Initiativen werden in allen vier Regierungsbezirken Koordinatorenstellen besetzt: an der Uni Ulm für den Regierungsbezirk Tübingen, an Uni und PH Freiburg für den dortigen Bezirk. Für Stuttgart und Karlsruhe übernimmt die Liga der Freien Wohlfahrtspflege diese Aufgabe.

Die nötigen Deutschkurse und fachlichen Qualifikationen werden in Vorbereitungskursen angeboten. Bauer, Schiewer und Kaiser unterstrichen: "Einen Flüchtlingsrabatt bei der Qualifikation gibt es nicht." Inwieweit die Qualifikation vorliegt, ist oft nur mit speziellen Tests zu klären, weil viele Flüchtlinge ohne Zeugnisse kommen. Derzeit überarbeitet eine Arbeitsgruppe der Kultusministerkonferenz unter Führung Baden-Württembergs einen Beschluss aus dem Jahr 1985. Noch diesen Monat sollen Ergebnisse vorliegen. Schiewer gab sich zuversichtlich. "Wir haben jahrzehntelange Erfahrungen mit ausländischen Studierenden und deshalb einen sehr guten Instrumentenkasten."

Einig ist man sich, dass Flüchtlingen Gebühren etwa für die Benutzung der Bibliotheken erlassen werden können. Schon ab der Immatrikulation in vorbereitende Studien können sie, auch wenn sie ausländerrechtlich nur geduldet sind, Bafög beantragen. Zudem hat das Land im Januar 2015 einen Notfonds eingerichtet, der Überbrückungshilfen bietet. Bauer verwies auch auf das Anfang 2015 aufgelegte Stipendienprogramm, das in einer ersten Tranche 50 Flüchtlingen zugute kommt. Drei Viertel peilen ein "Mint"-Fach (Mathematik, Ingenieurwesen, Naturwissenschaften, Technik) an oder studieren es bereits. 300 Bewerber mit "relativ guten, bis sehr guten" Voraussetzungen hatten sich dem Auswahlverfahren gestellt.

Schiewer und Kaiser lobten zudem die vielen studentischen Initiativen zur Unterstützung von Flüchtlingen. So gebe es "Buddy-Programme", bei denen Studienpartner Flüchtlinge praktisch unterstützen. Bauer kündigte an, beim Landeslehrpreis eine solche Initiative auszeichnen zu wollen.

Unis, Hochschulen und Ministerium bereiten sich auf Flüchtlinge vor
Der 30-jährige Montaser Al Naser aus Syrien konnte beim gestrigen Info-Tag der Hochschule Neu-Ulm sogar sein syrisches Bachelor-Diplom für Wirtschaft vorzeigen. Viele Flüchtlinge kommen allerdings ohne Zeugnisse. Doch auch sie sollen die Chance für ein Studium erhalten - im bayerischen Neu-Ulm wie im nahen Baden-Württemberg. Foto: dpa

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06.10.2015, 12:00 Uhr
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