Heidelberg

Forscher auf der Suche nach Corona-Varianten

Varianten des Coronavirus entstehen immer wieder. Forscher wollen herausfinden, wie schnell sie sich ausbreiten und wie gefährlich sie sind. Baden-Württemberg ist beim Nachweis veränderter Viren besonders aktiv.

04.03.2021

Von dpa/lsw

Das Logo der Uniklinik in Heidelberg. Foto: Uli Deck/dpa/Archivbild

Heidelberg. Wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen und Einrichtungen forschen im Südwesten gemeinsam zu Varianten des Coronavirus. Bald könnte bei jeder positiv auf Corona getesteten Probe in Baden-Württemberg das Erbgut entziffert werden, um den Anteil mutierter Viren an der Gesamtzahl der Infektionen zu bestimmen - das zumindest erwarten die Forscher vom Verbund der Unikliniken Heidelberg und Tübingen mit dem Europäischen Laboratorium für Molekularbiologie (EMBL), dem Deutschen Krebsforschungszentrum und einem Tübinger Sequenzierzentrum.

Die gesammelten Daten sollen der weltweiten Forschergemeinde verfügbar gemacht werden, wie EMBL-Chef Peer Bork am Donnerstag sagte. Auf Basis datengestützten Wissens könnten dann politische Entscheidungen getroffen werden. „Die Allianz hat ihre Arbeit mit voller Kraft aufgenommen“, lobte Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) bei einem Besuch des auch mit EU-Mitteln finanzierten Laboratoriums. Das Projekt sei beispielhaft für das Potenzial der Rhein-Neckar-Region im Bereich Lebenswissenschaften.

Bislang untersuchten die Forscher knapp 1600 Proben, davon zwei Drittel für die Region Heidelberg. Bei der Hälfte seien Varianten des ursprünglichen Erregers nachgewiesen worden. In der Region Heidelberg sei neben der britischen Variante mit 20 Prozent Anteil auch eine lokale Version in vergleichbarem Umfang aufgetreten, erläuterte Hans-Georg Kräusslich, Leiter der Virologie am Uniklinikum Heidelberg am Donnerstag. Diese Variante sei nicht unbekannt, aber in der Häufung unüblich. „Das ist nichts Bedrohliches“, betonte Kräusslich.

Dass das Virus sich verändert und neue Varianten entwickelt, ist nicht ungewöhnlich und auch nicht generell gefährlich. Manche Varianten wie die zunächst in Großbritannien und Südafrika entdeckten Mutanten gelten jedoch als leichter übertragbar und können so das Infektionsgeschehen beeinflussen.

Wenn logistische Fragen gelöst sind, könnten 8000 Proben in der Woche analysiert werden, hieß es. Den Wissenschaftlern zufolge wären dann alle positiven Proben im Land erfasst. Für diese Vollsequenzierung stellt das Land 31 Millionen Euro bereit.

Ein Mitarbeiter hält in einem Sequenzier-Labor am EMBL eine sogenannte Flowcell neben das Modell einer DNA-Helix. Foto: Uwe Anspach/dpa

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Erstellt:
4. März 2021, 06:48 Uhr
Aktualisiert:
4. März 2021, 18:30 Uhr
zuletzt aktualisiert: 4. März 2021, 18:30 Uhr

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